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Der Bär und der Spieler: Deutsches Tor in guten Händen

09.01.2019 14:22
Andreas Wolff und Silvio Heinvetter hüten das deutsche Tor bei der Handball-WM
Andreas Wolff und Silvio Heinvetter hüten das deutsche Tor bei der Handball-WM

Andreas Wolff und Silvio Heinevetter sollen den deutschen Kasten bei der WM dicht machen. Nicht wenige halten die beiden für eines der besten Torhüter-Gespanne der Welt.

Silvio Heinevetter ist im Tunnel. WM-Prognosen, Quoten, Zuschauer, Druck, Anspannung - alles egal. Selbst dass er in Berlin, seiner Stadt, zunächst als Nummer zwei in die Heim-WM geht, schluckt der Kultkeeper ohne öffentlich zu Murren.

"Am Ende zählt nur, was oben auf der großen Uhr steht. Und das sollte ein Sieg für Deutschland sein", sagte Heinevetter dem "SID" vor dem WM-Auftakt am Donnerstag (18:15) gegen ein vereintes Team Korea.

Dass sich Bundestrainer Christian Prokop schon gut vier Wochen vor dem Turnierstart auf Andreas Wolff als Nummer eins im deutschen Tor festgelegt hat, dass Heinevetter vor seinem Berliner Publikum zunächst nur auf der Bank sitzt - auch egal? "Man muss da sein eigenes Ego hinten anstellen. Ich glaube, dafür bin ich auch erfahren genug."

Zwei Top-Keeper: "Konkurrent ist das falsche Wort"

Andreas Wolff und Silvio Heinevetter sollen bei der Heim-WM das deutsche Tor verrammeln. Nicht wenige, unter ihnen Torwart-Ikone Andreas Thiel, halten die beiden auf ihrer Position für eines der besten Gespanne der Welt. "Der Bär Andreas Wolff, trotz seiner imposanten Statur unglaublich schnell und athletisch, und der unberechenbare Spieler Silvio Heinevetter, der mit dem Gegner zockt und Dinge tut, die niemand erwartet - das ist schon ein geiles Gespann", sagte Thiel dem "SID".

Die beiden so Gelobten sind sich nicht gerade in inniger Freundschaft verbunden, doch das soll bei der WM überhaupt keine Rolle spielen. Als Konkurrenten um den Platz zwischen den Pfosten sehen sie sich nicht, es zählt nur der Erfolg der Mannschaft. "Konkurrent ist das falsche Wort. Wichtig ist, dass einer gut drauf ist", sagt Heinevetter.

Für Wolff ist es aber schon von einiger Bedeutung, dass der Bundestrainer ihn vorab zur Nummer eins gemacht hat. "Für mich ist das sehr wichtig", sagte der 27-Jährige vom THW Kiel dem "SID": "Das ist ein sehr großer Vertrauensvorschuss vom Trainer und ein ganz klares Zeichen hin zu: Ich vertraue Dir. Das ist für Torhüter existenziell." Heinevetter, so scheint es jedenfalls, kann sich leichter mit dem Status als Nummer zwei abfinden, möglicherweise also ein kluger Schachzug von Prokop.

Unterschiedliche Spielertypen

Der setzt große Erwartungen in seine beiden Keeper. "Beide genießen einen riesigen Respekt bei ihren Mitspielern, aber auch beim Gegner", sagte Prokop: "Sie haben in Verbindung mit unserem Abwehrspiel eine herausragende Bedeutung für den Erfolg des Teams." Der Angriff gewinnt eine Schlacht, die Defensive den Krieg. "So ist es auch im Handball", sagt Wolff: "Wenn die Defensive steht, hast du die Chance, einfache Tore zu machen."

Mut, Schnelligkeit und die Bereitschaft, dahin zu gehen, wo es weh tut, zeichnen laut Thiel einen Weltklasse-Torhüter aus. "Was heute an Geschwindigkeit, an Wucht und Dynamik auf das Tor kommt, ist unfassbar", sagte der 58-Jährige: "Deswegen ist es gut, dass wir einen haben, der mit seinem bulligen Körper die Trefferfläche minimiert, und einen, der den Gegner durch sein unorthodoxes Spiel verwirrt. Zwei Keeper des gleichen Spielertyps helfen bei einem Turnier nicht weiter." Wie gut, dass der Bär und der Spieler nicht so viele Gemeinsamkeiten haben.

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