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Mehr Siege als die meisten Ferrari-Bosse

Statistik stützt entlassenen Maurizio Arrivabene

08.01.2019 15:48
Maurizio Arrivabene hatte überschaubaren Erfolg - aber zumindest etwas Erfolg
Maurizio Arrivabene hatte überschaubaren Erfolg - aber zumindest etwas Erfolg

Maurizio Arrivabene verlässt Ferrari als gescheiterter Teamchef. Obwohl der 61-Jährige es seit seinem Amtsantritt 2015 schaffte, die Roten in Reichweite eines WM-Titels zu bringen, hat er sein Ziel verfehlt: Elf Jahre nach dem WM-Triumph Kimi Räikkönens und zehn Saisons nach dem jüngsten Konstrukteurs-Titel steht die Scuderia weiter ohne Krone da. Die Durststrecke der Tifosi geht weiter.

Dabei war Arrivabene statistisch kein schlechter Rennleiter. Wie eine Datenbank-Analyse von "Motorsport-Total.com" zeigt, liegt der mit der Tabakmarke Marlboro in die Formel 1 eingestiegene Marketingmanager mit seiner Siegquote (Anteil der Siege an den Rennteilnahmen unabhängig von der Anzahl der gemeldeten Autos) auf Platz neun der Bestenliste der Ferrari-Teamchefs seit 1950.

Arrivabene holte bei 80 Grands-Prix-Starts 14 Siege (13 durch Sebastian Vettel, nur einen durch Kimi Räikkönen), was eine Erfolgsquote von 17,5 Prozent macht. Unangefochtener Spitzenreiter bleibt ein gewisser Eraldo Sculati, der 1956 - als Statthalter Enzo Ferraris - auf 71,4 Prozent kam.

Arrivabene erfolgreicher als Domenicali

Ab 1962 waren nur Jean Todt (40 Prozent), das Gespann Guido Rosani/Daniele Audetto (ebenfalls 40), der spätere Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo (31), Roberto Nosetto (29,4) und Cesare Fiori (25) erfolgreicher als Arrivabene. Sechs seiner Vorgänger blieben ohne jeden Erfolg, darunter der in der Saison 2014 tätige Mattiacci. Auch Stefano Domenicali (17,4 Prozent) übertrumpfte er.

Dass Arrivabenes Ferrari-Laufbahn ohne WM-Titel endet, ist auch kein Novum. Nur zehn von 21 Teamchefs holten während ihrer Amtszeit mindestens eine Krone bei den Fahrer oder den Konstrukteuren. Nosetto glückte im Jahr 1977 mit Niki Lauda das Kunststück, in der einzigen Saison, in der er wirkte, beide Titel zu einzufahren, was ihn nach Quote zum erfolgreichsten Rennleiter macht.

Todt holte die meisten Siege und Titel

Di Montezemolo und Rosani/Audetto holten einen Titel pro Jahr - genau wie Nello Ugolini und Sculati, zu deren aktiver Zeit keine Konstrukteurs-Wertung ausgefahren wurde. Todt kommt auf "nur" 0,87 Weltmeisterschaften pro Saison, ist aber in anderen Belangen bester Ferrari-Teamchef aller Zeiten: Keiner siegte öfter als "Napoleon" (98 Grand-Prix-Erfolge), keiner holte mehr Titel (13).

Es bleibt hervorzuheben: Bis zu seinem Tod 1988 hatte stets Enzo Ferrari das Heft des Handelns in der Hand - und bei wichtigen Entscheidungen das letzte Wort. Als Cesare Fiorio im Folgejahr den Teamchef-Posten übernahm, war er der erste Rennleiter in Maranello mit absoluter Kompetenz.

Dazu schafften es nur zwei Nicht-Italiener auf den vielleicht begehrtesten Posten der Formel 1: der Schweizer Peter Schetty (1971 bis 1972) und der Franzose Todt. Arrivabene-Nachfolger Mattia Binotto ist zwar in Lausanne geboren und aufgewachsen, besitzt aber auch einen italienischen Pass. Er ist nach Claudio Lombardi (1991) der erste Technikchef der Scuderia, der befördert wird.

  • Erfolgsstatistiken aller Ferrari-Rennleiter seit 1950:

Federico Giberti (1950-1951): 12 Rennen, 3 Siege, kein Titel* Siegquote: 25 Prozent WM-Titel pro Jahr: 0 Prozent *Konstrukteurs-Titel wird erst seit 1958 offiziell vergeben
Nello Ugolini (1952-1955): 30 Rennen, 17 Siege, 2 WM-Titel* Siegquote: 56,7 Prozent WM-Titel pro Jahr: 1,0
Eraldo Sculati (1956): 7 Rennen, 5 Siege, 1 WM-Titel* Siegquote: 71,4 Prozent WM-Titel pro Jahr: 1
Mino Amorotti (1957): 7 Rennen, kein Sieg, kein WM-Titel* Siegquote: 0 Prozent WM-Titel pro Jahr: 0
Romolo Tavoni (1958-1961): 25 Rennen, 7 Siege, 2 WM-Titel Siegquote: 28 Prozent WM-Titel pro Jahr: 0,5
Eugenio Dragoni (1962-1966): 43 Rennen, 6 Siege, zwei WM-Titel Siegquote: 14,0 Prozent WM-Titel pro Jahr: 0,4
Franco Lini (1967): 10 Rennen, kein Sieg, kein WM-Titel Siegquote: 0 Prozent WM-Titel pro Jahr: 0 
Franco Gozzi (1968-1970): 34 Rennen, 5 Siege, kein WM-Titel Siegquote: 14,7 Prozent WM-Titel pro Jahr: 0
Peter Schetty (1971-1972): 23 Rennen, 3 Siege, kein WM-Titel Siegquote: 13,0 Prozent WM-Titel pro Jahr: 0
Sandro Colombo (1973): 15 Rennen, kein Sieg, kein WM-Titel Siegquote: 0 Prozent WM-Titel pro Jahr: 0
Luca di Montezemolo (1974-1975): 29 Rennen, 9 Siege, zwei WM-Titel Siegquote: 31,0 Prozent WM-Titel pro Jahr: 1
Guido Rosani/Daniele Audetto (1976): 15 Rennen, 6 Siege, ein WM-Titel Siegquote: 40 Prozent WM-Titel pro Jahr: 1
Roberto Nosetto (1977): 17 Rennen, 5 Siege, zwei WM-Titel Siegquote: 29,4 Prozent WM-Titel pro Jahr: 2
Marco Piccinini (1978-1988): 173 Rennen, 26 Siege, vier WM-Titel Siegquote: 15,0 Prozent WM-Titel pro Jahr: 0,4
Cesare Fiorio (1989-1991): 36 Rennen, 9 Siege, kein WM-Titel Siegquote: 25 Prozent WM-Titel pro Jahr: 0
Claudio Lombardi (1991): 12 Rennen, kein Sieg, kein WM-Titel Siegquote: 0 Prozent WM-Titel pro Jahr: 0
Sante Ghedini (1992-1993): 24 Rennen, kein Sieg, kein WM-Titel Siegquote: 0 Prozent WM-Titel pro Jahr: 0
Jean Todt (1993-2007): 245 Rennen, 98 Siege, 13 WM-Titel Siegquote: 40 Prozent WM-Titel pro Jahr: 0,87
Stefano Domenicali (2008-2014): 115 Rennen, 20 Siege, ein WM-Titel Siegquote: 17,4 Prozent WM-Titel pro Jahr: 0,14
Marco Mattiacci (2014): 16 Rennen, kein Sieg, kein WM-Titel Siegquote: 0 Prozent WM-Titel pro Jahr: 0
Maurizio Arrivabene (2015-2018): 80 Rennen, 14 Siege, kein WM-Titel Siegquote: 17,5 Prozent WM-Titel pro Jahr: 0

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