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Vor WM-Start: Kraus kritisiert Prokop für Kaderauswahl

07.01.2019 14:27
Michael Kraus argumentierte gegen die Torwart-Auswahl von Christian Prokop
Michael Kraus argumentierte gegen die Torwart-Auswahl von Christian Prokop

Handball-Weltmeister Michael Kraus hat Kritik an der Spielerauswahl von Bundestrainer Christian Prokop für die Heim-WM vom 10 bis 27. Januar geübt. Vor allem die Nichtberücksichtigung seines Teamkameraden Johannes Bitter vom TVB Stuttgart stößt dem 35-Jährigen auf.

"Ich verstehe nicht, dass Jogi nur als Stand-by-Spieler im 28er Kader steht", sagte Kraus der "Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten" (Dienstagsausgabe). Prokop setzt bei dem Turnier in Deutschland und Dänemark zunächst auf das Torhüter-Duo Andreas Wolff/Silvio Heinevetter.

"Spieler und Trainer anderer Nationen haben mich gefragt: Warum nominiert Deutschland nicht seine besten Spieler? Auch ich finde, dass nach dem Leistungsprinzip aufgestellt werden sollte", fügte Kraus an: "Zumal Jogi auch ein Teamplayer ist. Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass Wolff und Heinevetter nicht die besten Kameraden sind."

Kraus hatte sich selbst lange Hoffnung auf eine Nominierung gemacht, ein Mittelhandbruch warf den WM-Helden von 2007 aber entscheidend zurück. Bitter steht nicht im 16er-Kader, mit dem Prokop am Donnerstag (18:15 Uhr) in das WM-Auftaktspiel gegen Korea in Berlin geht. Während des Turniers kann Prokop allerdings bis zu drei Wechsel mit Spielern aus dem erweiterten 28er-Kader vornehmen - dazu gehört auch Bitter.

Fehlt es dem Handball an echten Typen?

Der Torhüter selbst wünscht sich derweil einen nachhaltigeren Effekt für seine Sportart als vom Wintermärchen 2007. "Damals wurde nicht verstanden, die Persönlichkeiten der einzelnen Spieler in den Vordergrund zu stellen und zu nutzen. Das wäre viel nachhaltiger gewesen", sagte Bitter der "Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten".

"Nur Stars erzeugen einen Handball-Hype", fügte Bitters Stuttgarter Teamkollege Kraus: "Warum rennen die Jungs mit einem Juventus-Turin-Trikot rum? Doch nicht wegen des Klubs, sondern weil Ronaldo dort kickt. Die Kids lechzen nach Typen, nach Stars, nach Vorbildern." Nach dem großen Triumph vor zwölf Jahren habe ein schlüssiges Konzept zur Vermarktung des Erfolgs gefehlt.

Es fehle der Sportart aber auch an echten Typen. "Viele Handballer sind langweilig", sagte Kraus: "Das liegt aber auch daran, dass die Berater ihren Spielern mit auf den Weg geben, bloß nicht zu polarisieren. Heraus kommt oft nichtssagender, langweiliger Mainstream."

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