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Digel wird 75: Vom Star-Funktionär zur "Persona non grata"

06.01.2019 08:10
Helmut Digel feiert am Sonntag seinen 75. Geburtstag
Helmut Digel feiert am Sonntag seinen 75. Geburtstag

Es ist still geworden um Helmut Digel. Einst war er ein gefeierter Sportfunktionär, ein renommierter Querdenker, "Mr. Leichtathletik", der sein Leben dem Kampf gegen Doping widmete. Vorbei. Im deutschen Sport sei er mittlerweile "eine Persona non grata", sagte Digel zuletzt den "Stuttgarter Nachrichten". Am Sonntag wird der emeritierte Professor 75 Jahre alt.

Im Zuge des massiven Doping- und Korruptionsskandal innerhalb des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF um den ehemaligen Präsidenten Lamine Diack litt auch Digels guter Ruf - Stück für Stück. Den Vorwurf, dass der Soziologe, der von 1995 bis 2015 im Council der IAAF saß und von 2001 bis 2007 Vizepräsident war, von den Machenschaften etwas mitbekommen haben musste, wies Digel stets zurück.

Unvorstellbares Ausmaß an Korruption

"Ich habe von diesen Vorgängen zu keinem Zeitpunkt etwas gewusst", sagte Digel einmal dem "SID". Er habe sich immer wieder "mit Herrn Diack angelegt". Aber Präsidenten hätten in den Strukturen der Verbände eine nahezu "uneingeschränkte Macht", gegen die es nicht so einfach ist, "vorzugehen". Digel hätte sich "niemals vorstellen können, dass es solche Ausmaße der Korruption innerhalb der IAAF geben könnte".

Heute lebt der ehemalige Handballspieler und Direktor des Institutes für Sportwissenschaft der Universität Tübingen in den Chiemgauer Alpen - seine Frau hatte ihn zum Umzug bewegt. Von dort betreibt Digel seinen Blog sport-quergedacht.de und turnt beim SV Unterwössen. Die große Sportpolitik findet mittlerweile ohne den DLV-Ehrenpräsidenten statt. "Ich bin nicht mehr gefragt", sagte Digel zuletzt der Stuttgarter Zeitung: "Und das ist nicht einfach zu akzeptieren." Ihm fehle es, "mich nicht mehr zu aktuellen Themen äußern zu können".

Digel: Ein Star unter den Funktionären

Denn Digel wollte und will immer diskutieren. Als Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), dem er von 1993 bis 2001 vorstand, setzte er sich gleichzeitig an die Spitze des Anti-Doping-Kampfes in Deutschland. Immer wieder legte er seine Lösungsvorschläge des Problems dar. Allein die dopenden Sportler zu sanktionieren reiche nicht aus, das System als Ganzes müsse sich ändern. Funktionäre, Verbände, Politiker und Ärzte müssten ebenso bestraft werden. Er forderte als einer der Ersten ein Anti-Doping-Gesetz in Deutschland.

Digel war ein Star unter den Funktionären - bis die Machenschaften des Lamine Diack ans Licht kamen und diese auch einen Schatten auf ihn selber warfen. "Ich bin an diesem Mann gewissermaßen gescheitert", sagte er, übte aber auch Selbstkritik: "Dass ich Fehler gemacht habe, ist ohne Zweifel der Fall."

Ein Fehler war es wohl, dass Digel nicht an die Öffentlichkeit ging, als Diacks Sohn Papa Massata von ihm 2006 Schmiergeld und Luxus-Uhren forderte, damit Stuttgart das Leichtathletik-Weltfinale austragen dürfe. "Aus Loyalitätsgründen hatte ich mich dagegen entschieden", sagte Digel, der den Vorgang lediglich intern anzeigte. Man könne ihm "Naivität unterstellen", sagte Digel einmal: "Ich habe das zu akzeptieren."

 

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