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Darts-Verband will England den Schneid abkaufen

03.01.2019 15:15
Der Darts-Sport soll in Deutschland weiter wachsen
Der Darts-Sport soll in Deutschland weiter wachsen

Der Darts-Sport boomt in Deutschland, doch die großen Erfolge feiern international noch andere. Der Deutsche Dart-Verband arbeitet aber fieberhaft daran, die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Als Michael van Gerwen im Konfettiregen die Trophäe bei der Darts-WM in London in die Höhe stemmte, waren die deutschen Spieler um Max Hopp längst wieder zu Hause. Während sich vor allem in England und den Niederlanden die Top-Talente tummeln, hinkt der deutsche Darts-Sport im internationalen Vergleich noch immer hinterher. Doch das soll sich bald ändern.

"England profitiert von dem Riesenhype, da es das Mutterland ist, genauso wie es im Fußball mal das Mutterland war", sagte Michael Sandner, Präsident des Deutschen Dart-Verbandes (DDV) im Gespräch mit dem "Sport-Informations-Dienst": "Aber auch da hat man ihnen ja irgendwann mal den Schneid abgekauft. Und da arbeiten wir jetzt darauf hin."

Mentaltraining, Bewegungs- und Standanalysen - mit Methoden aus der Sportwissenschaft will der DDV angreifen. "Das haben wir aus dem Laufen übernommen", erklärte Sandner. Natürlich sind es beim Darts andere Bewegungen. Aber auch diese Bewegungen müssen sauber ausgeführt werden. Da legen wir nun von Anfang an eine gute Basis." Verbände aus anderen Ländern sind in diesen Bereichen noch nicht so weit.

Dartsboom in Deutschland kommt gelegen

In die Karten spielt dem DDV auch die Leistungssportreform des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). "Wir sind jetzt in die Förderung reingekommen und haben die Chance, die Weichen zu stellen, wie es dort verlangt wird", sagte Sandner. Der Vorteil des DDV: Er muss seine Strukturen nicht ändern, sondern kann sie im gerade stattfindenden Prozess der Professionalisierung perfekt abstimmen und aufbauen.

Der Dartsboom in Deutschland kommt da gerade gelegen. "Wir haben definitiv einen Zulauf, gerade im Jugendbereich", freut sich Sandner, rund 12.000 Mitglieder zählt der DDV bereits. Es gilt jedoch, die Talente nicht nur zu fördern, sondern langfristig im DDV zu halten. Eine Sisyphusarbeit.

Denn mit dem großen Geld und Ruhm lockt die Professional Darts Corporation (PDC), viele Spieler wagen daher schon früh den Schritt zum größten Darts-Verband der Welt. "Wir haben tolle Talente, die teilweise schon zu früh gehen", ärgert sich Sandner: "Wir haben da das ein oder andere Talent schon verloren".

Frauen holen im DDV mehr Medaillen

Wer auf der PDC-Tour spielt, ist beispielsweise für die Nationalmannschaft des DDV nicht mehr einsatzberechtigt. Als positives Beispiel auch für junge Spieler nennt Sandner Michael Unterbuchner. Der Bayer spielt derzeit noch in der British Darts Organisation (BDO), die wesentlich kleiner als die PDC ist.

"Unterbuchner macht das gerade richtig. Der schmeißt sich nicht mal gleich oben rein und holt sich eine Niederlage nach der nächsten ab. Er kämpft sich langsam über die BDO ran und legt einen guten Grundstein." Im Vorjahr erreichte Unterbuchner bei der BDO-WM das Halbfinale, auch bei den am Samstag startenden Titelkämpfen ist er laut Sandner wieder ein "heißes Eisen im Feuer."

Doch für eine erfolgreiche Zukunft setzt der Verband nicht nur auf Männer. "Im DDV sind normalerweise die Frauen besser, sie holen mehr Medaillen", erklärte Sandner. Ein großes Versprechen für die Zukunft ist dabei Christina Schuler. Die bayrische Meisterin ist mit nur 17 Jahren das Aushängeschild im deutschen Frauen-Darts. Wenn die Arbeit des DDV fruchtet, wird sie dabei nicht alleine bleiben.

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