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Der etwas andere Champion

Opa Kare macht Kläbo zum Weltstar

30.12.2018 13:50
Johannes Hösflot Kläbo
© getty, Matthias Hangst
Johannes Hösflot Kläbo

Johannes Hösflot Kläbo ist das Maß aller Dinge im Langlauf. Dank perfekter Familienvermarktung soll der dreimalige Olympiasieger zu einer Sport-Ikone aufsteigen.

Das erste Paar Ski bekam Johannes Hösflot Kläbo als Zweijähriger von seinem Opa Kare zu Weihnachten geschenkt. Es war der Beginn einer großen Karriere. 20 Jahre später liegt dem Wunderknaben mit dem Zahnpastalächeln ganz Norwegen zu Füßen. Der dreimalige Olympiasieger aus der Nähe von Trondheim wird auf Jahre das neue Aushängeschild des Nationalsports Skilanglauf sein.

Opa Kare ist auch heute noch an seiner Seite. Der 73-Jährige steht an oberster Stelle des Familienmanagements und trainiert seinen Enkel seit frühester Kindheit mit traditionellen Methoden. Beide hassen Höhentraining, stattdessen räumt Opa seinem Schützling Pausen ein. Mit Erfolg: Kläbo dominiert den Langlauf, eine Sportart, die außerhalb Skandinaviens nur selten Superstars hervorgebracht hat.

Doch im Kläbo-Kosmos denkt man anders. Keine Bühne ist groß genug für den 22-Jährigen, der sich erstmals auf der prestigeträchtigen Tour de Ski präsentiert. Dort zählt nichts Geringeres als der Sieg. "Ich werde tun, was ich tun kann, um mich an die Spitze zu kämpfen", sagte der dreimalige Pyeongchang-Sieger der norwegischen Rundfunkgesellschaft "NRK". Wohlwissend, dass der Fokus auf der nordischen WM im Februar und März liegt.

Kläbo weiß: "Muss hart arbeiten"

Viele Läufer steigen daher während der kräftezehrenden Tour aus, um Körner zu sparen. Kläbo will durchhalten. Ein Sieg beim Klassiker macht sich schließlich gut in der Vita eines angehenden Superstars. "Ich bin jung und muss hart arbeiten. Das kann ich bei der Tour de Ski genau so tun wie zu Hause", sagt Kläbo.

Neben Opa Kare sind Vater Haakon und Bruder Ola die weiteren wichtigen Bausteine im Familiensystem. Sie agieren als Manager und PR-Berater und wissen genau, wie sie Johannes vermarkten müssen, um ihn auch außerhalb der skandinavischen Langlauf-Hochburg berühmt zu machen.

Selbstvermarktung funktioniert bestens

So ist es gewiss kein Zufall, dass Kläbo beim Lauf über die Ziellinie zumeist sein goldblondenes Haar im Wind wehen lässt, nicht aber ein Stirnband oder eine Mütze mit dem Namen eines großen Sponsoren trägt. Kläbo präsentiert keine Unternehmen, Kläbo präsentiert sich.

Das kann der feinfühlige Jungspund bereits richtig gut. Bei den Winterspielen in Pyeongchang imitierte er bei Siegen den "Bolt-Blitz", nachdem Sprintstar Usain Bolt für jeden Olympiasieger, der die weltbekannte Pose nachahmt, eine Flasche Champagner ausgelobt hatte.

Bodenständiger Weltstar von nebenan

Doch damit nicht genug. Kläbo schickte direkt eine Aufforderung in Richtung des Jamaikaners hinterher. "100 Meter, du gegen mich. Du in Laufschuhen, ich auf Ski", hatte er den schnellsten Mann der Welt damals zum Duell herausgefordert. Der Wettkampf fand bislang nicht statt, doch die gewünschte Medienpräsenz hatte Familie Kläbo allemal erreicht.

Neben dem stets adretten Äußeren sind Johannes' sportliche Leistungen unnachahmlich. Der Laufstil des Youngsters ist speziell und einzigartig. Berge sprintet er im Stakkato hinauf, ohne seinen Konkurrenten den Hauch einer Chance zu lassen.

Nach dem Karriereausklang des Doppel-Olympiasiegers Petter Northug hat Norwegen seinen nächsten großen Star, der jedoch charakterlich ein ganz anderer Typ ist. Keine Extravaganz, stattdessen smart und zuvorkommend. So wie es sich für den bodenständigen Weltstar von nebenan gehört.

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