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Zum 150. Geburtstag von Emanuel Lasker

Der Deutsche, der die Schach-Welt regierte

24.12.2018 13:17
Emanuel Lasker (r.) im Jahr 1923
Emanuel Lasker (r.) im Jahr 1923

Über einen Zeitraum von 27 Jahren war Emanuel Lasker Anfang des 20. Jahrhunderts der beste Schachspieler der Welt. An Heiligabend wäre der bislang einzige deutsche Weltmeister 150 Jahre alt geworden.

Emanuel Lasker, das darf mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, hätte sich selbst wohl niemals als Leistungssportler bezeichnet. Der bislang einzige deutsche Schach-Weltmeister rauchte am Brett gerne Zigarillos und arbeitete nebenbei auch noch eifrig als Mathematiker, Philosoph oder Publizist. Trotzdem gilt Lasker als einer der Pioniere bei der Etablierung des Schach als ernstzunehmende Sportart. An Heiligabend wäre er 150 Jahre alt geworden.

Von 1894 bis 1921 thronte Lasker an der Spitze der Schach-Welt - 27 Jahre lang, bis heute ist das Rekord. Insgesamt sechsmal gewann der unbestritten beste Spieler seiner Zeit den WM-Titel, noch bis ins hohe Alter lieferte er einige legendäre Partien ab. Zumindest in Intellektuellen-Kreisen genoss Lasker deshalb einen internationalen Ruf. Der Deutsche war ein Weltstar in einer Zeit, als es noch gar keine Weltstars gab.

Leidenschaft für das Spiel der Könige

1868 wurde Lasker als jüngster Sohn eines jüdischen Kantors in Berlinchen geboren, einer preußischen Kleinstadt im heutigen Polen. Mit zehn Jahren zog er zu seinem älteren Bruder, der in Berlin Medizin studierte. Doch statt sich, wie von den Eltern erhofft, auf sein Abitur zu konzentrieren, entdeckte der kleine Emanuel das Schachspiel. Statt in Bibliotheken trieb er sich bald nur noch in Kaffee- und Teehäusern der Hauptstadt herum.

Als seine Schulleistungen zunehmend litten, holte ihn sein wenig begeisterter Vater zurück in die pommersche Provinz. Doch Laskers Leidenschaft für das Spiel der Könige war längst entbrannt. Parallel zu seinem Studium der Mathematik in Berlin, Göttingen und Heidelberg machte er sich auch als Schachspieler einen Namen. Spätestens als er 1894 dem in Österreich geborenen Wilhelm Steinitz den Weltmeister-Titel entriss, war Lasker weltberühmt.

Von den Nazis vertrieben, veramt verstorben

Ein Umstand, den sich der Kosmopolit zunehmend zu Nutze machte. Mit einer Vehemenz wie später erst wieder der ebenso schillernde wie streitbare Bobby Fischer kämpfte er für höhere Preisgelder und Honorare, machte aus seinem Hobby immer mehr eine Profession. Zumal er zusätzlich in der ganzen Welt Vorträge über die Feinheiten des Schachspiels hielt und mehrere englischsprachige Fachmagazine gründete, auch wenn diese jeweils nur eine kurze Lebensdauer hatten.

Neben alledem war Lasker zudem eine Art Universalgelehrter. So diskutierte er mit Albert Einstein physikalische Probleme, publizierte philosophische und politische Werke und erfand eine "Laska" getaufte Variante des Damespiels. "Nur Leute, die sich einer Sache ganz und gar widmen, bringen darin Großes zuwege", schrieb er einmal. Sich selbst hielt er an diese Devise allerdings nie.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 flohen Lasker und seine Frau zunächst nach Holland, später nach London, Moskau und zogen schließlich nach New York. Dort verstarb er völlig verarmt im Jahr 1941. 67 Jahre später wurde er von der Deutschen Sporthilfe posthum als eines der frühesten Mitglieder in die "Hall of Fame des Sports" aufgenommen - ebenfalls ein Kreis, zu dem sich Lasker zu Lebzeiten wohl eher nicht gezählt hätte.

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