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Prokop über EM-Debakel: "Habe Spieler überfordert"

20.12.2018 12:09
Christian Prokop erlebte ein ereignisreiches Jahr
Christian Prokop erlebte ein ereignisreiches Jahr

Selbstkritisch, zuversichtlich, progressiv: Christian Prokop blickt auf ein turbulentes Jahr zurück und seinen sportlichen Höhepunkt voraus. Vor der Heim-WM holte sich der Handball-Bundestrainer Rat von Weltmeister-Coach Heiner Brand.

Christian Prokop kann es kaum erwarten - ein "besinnliches" Weihnachtsfest im Kreise seiner Liebsten. Noch einmal Abschalten, Kraft tanken vor der Handball-WM im eigenen Land. Auf den Tisch kommt im Hause Prokop Hähnchen mit Kartoffelsalat, die Kinder essen Würstchen.

"Meine Mama macht das perfekt. Jedes Weihnachten duftet es schon herrlich, wenn man hereinkommt", sagte Prokop mit leuchtenden Augen: "Wir freuen uns über die zwei Tage gemeinsamen Zusammenseins."

Solche Stunden sind für den Bundestrainer selten geworden. Prokop, der an Heiligabend 40 Jahre alt wird, steht voll unter Strom. Am Freitag, wenn er seinen Kader für die WM (10. bis 27. Januar) von 28 auf 18 Spieler reduziert, werden in Berlin noch einmal alle Augen auf ihn gerichtet sein, bevor es in den kurzen Heimaturlaub geht.

Heiner Brand "ist ein guter Ratgeber"

Prokop biegt bestens vorbereitet auf die Zielgeraden der WM-Vorbereitung ein. Vor dem Höhepunkt seiner Karriere holte sich der gebürtige Köthener Tipps von Weltmeister-Coach Heiner Brand. "Heiner ist ein guter Ratgeber gewesen, wenn ich die vergangenen neun Monate betrachte", sagte Prokop. Nach der verkorksten Europameisterschaft war ihm "ganz wichtig, dass man immer man selber bleibt. Und da ist Heiner Brand einer mit sehr viel Erfahrung. Es war ein guter Austausch."

Hinter Prokop liegt ein aufregendes erstes volles Jahr als Bundestrainer. Er wurde als "Nagelsmann des Handballs" gefeiert, ehe er mit seinem Team bei seinem Premieren-Turnier in Kroatien böse abstürzte. Die Kritik an Prokop war entsprechend hart. "Das ist eine Erfahrung, die ich vielleicht auch machen musste, um entscheidende Dinge anders anzupacken und in die richtige Richtung zu bringen", sagte Prokop.

Bei der Aufarbeitung der EM-Enttäuschung zeigt sich Prokop sehr selbstkritisch. "Ich habe viele Spieler überfordert, den ein oder anderen damit auch vor den Kopf gestoßen", erinnert er sich. Prokop zog Konsequenzen und veränderte seine Arbeitsweise in grundlegenden Punkten.

Christian Prokop musste Vertrauen zurück gewinnen

Im Umgang mit Andreas Wolff und Co. ist er kommunikativer und offener geworden - und hat so peu a peu das Team wieder hinter sich versammelt. "Das Vertrauen hat sich definitiv gestärkt, aber es ist auch kein Geheimnis, dass es aufgebaut werden musste", sagte Prokop: "Als sich das Präsidium nach einem langen Abwarten für mich entschied, hieß es: Ärmel hochkrempeln und anpacken!"

An Rückritt von seinem bis 2022 datierten Vertrag hat Prokop in all den Wochen scharfer Kritik und kontroverser Debatten in Verband und Liga nicht gedacht. "Niemals", wie er sagt: "Ich habe gespürt, dass es am seidenen Faden hing, umso mehr freue ich mich über diese zweite Chance."

Prokop investierte so viel Zeit in die Beziehung zu den Spielen wie wohl kaum ein DHB-Coach vor ihm. Schlüssel für die Annäherung waren unzählige Treffen, Videofeedback-Analysen, "ein paar Veränderungen bei der Nominierung" und ein taktisches Konzept, das mehr an die Stärken der einzelnen Spieler angepasst wurde.

"Riesiges Kribbeln" vor Heim-WM

"Es sind jetzt ganz andere Voraussetzungen als im Januar 2018", beteuert Prokop. Aber, und das betont der Bundestrainer, "das Vertrauen wird weiterwachsen, je mehr Erfolg wir zusammen haben werden."

Doch bei allem Erfolgsdruck überwiegt die Vorfreude auf den Höhepunkt seiner bisherigen Karriere. "Im Moment ist einfach ein riesiges Kribbeln zu spüren", sagte Prokop.

 

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