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Die größten Aufreger des Sportjahres 2018

"Bayern-PK? Das können die doch nicht ernst meinen"

26.12.2018 14:43
Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß waren die Protagonisten einer unrühmlichen Bayern-PK
© getty, Stuart Franklin
Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß waren die Protagonisten einer unrühmlichen Bayern-PK

Das mit Highlights prall gefüllte Sport-Jahr 2018 befindet sich auf der Zielgeraden. Ein Anlass, den die sport.de-Redaktion nur zu gerne nutzt, um das Geschehen der letzten zwölf Monate mit ihrem ganz persönlichen Senf zu garnieren. Das brachte uns 2018 auf die Palme:

Christian Schenzel: MotoGP-Rüpel Romano Fenati. Wer einem Arbeitskollegen bei 230 km/h unvermittelt in die Bremse greift und einen im schlimmsten Fall tödlichen Unfall provoziert, gehört in die Geschlossene und ganz sicher nicht auf eine Rennstrecke. Es ist ein Skandal, dass Romano Fenati nach dieser Aktion überhaupt noch Rennen fahren darf. Wie ein Team auf die Idee kommen kann, ihn danach auch noch unter Vertrag zu nehmen, wird für immer ein Rätsel bleiben. 

Tobias Knoop: Jan Ullrich war in diesem Jahr die personifizierte Skandalnudel der Sport-Welt und sorgte gleich für mehrere Aufreger. Festnahme nach Randale bei Til Schweiger, angeblicher Übergriff auf eine Edel-Prostituierte, Alkohol- und Drogenbeichte, Zwangseinweisung, Entziehungskur: Das frühere Radsport-Idol ließ nichts aus. Positiv aus Sicht von "Ulle": In den letzten Wochen ist es sehr ruhig um ihn geworden. Es ist dem Tour-de-France-Sieger von 1997 zu gönnen, dass er wieder in die Spur findet.

Florian Pütz: Die mittlerweile legendäre Pressekonferenz der Bayern-Bosse im Oktober hackte ich für sport.de in den Liveticker. Während ich die Zitate abtippte, dachte ich mir: "Das kannst du doch so nicht aufschreiben. Das können die doch nicht ernst meinen." Nach der PK las ich die Zitate nochmal in Ruhe. Ich konnte mich gar nicht entscheiden, was ich peinlicher fand: Rummenigges Grundgesetz-Belehrung? Hoeneß' Bernat-Bashing? Oder dass Lehrling Brazzo nach einem Halbsatz das Wort abgeschnitten wurde? Ich weiß es bis heute nicht.

Lars Plantholt: Fußball. Das Bild, das der Fußball generell abgibt. Gleich ob ich das Trauerspiel um Mesut Özil, die Jahr für Jahr miesen Enthüllungen aus dem Dunstkreis der FIFA, die ebenso absurde wie bezeichnende Pressekonferenz des FC Bayern im Oktober oder die ständigen Transferpossen betrachte: Die Branche scheint unaufhaltsam auf dem Weg, sich ihrer lebensnotwendigen Wurzeln zu berauben.


Mehr dazu: Netzreaktionen zur Peinlich-PK des FC Bayern


Gerrit Kleiböhmer: Wenige Tage vor der Tour de France steht fest: Chris Froome darf beim prestigeträchtigsten Radsport-Rennen der Welt mitmischen. Und das, obwohl gegen den Briten monatelang wegen eines positiven Dopingtests ermittelt und seine Unschuld nicht gänzlich bewiesen wurde. Bei der Tour wird Froome schließlich von den Fans bepöbelt, bespuckt und beschimpft. Kurz: Das war keine Werbung für den Radsport.

Falk Velten: Als Toni Kroos den Ball gegen Schweden in letzter Minute unhaltbar ins Toreck zirkelte, war ich mir sicher: Der Achtelfinal-Einzug wird mit einem Sieg gegen Südkorea zum absoluten Selbstläufer. Eine realitätsferne und von vergangenen Erfolgen geschwängerte Einschätzung, die anscheinend auch Jogis Jungs mit mir teilten. Der schlafmützige DFB-Auftritt gegen aufopferungsvoll kämpfende Südkoreaner sollte mich und ganz Fußball-Deutschland zurück auf den Boden der Tatsachen holen. Der Traum der Titelverteidigung war geplatzt und eine alte Fußballwahrheit wurde einmal mehr bestätigt: Das nächste Spiel ist immer das schwerste. Besonders dann, wenn ein in die Jahre gekommener Champion auf einen hungrigen Herausforder trifft.

Christian Rohdenburg: Was für ein Wirbel um Manuel Charr. Ende 2017 ließ er sich noch als erster deutscher Box-Weltmeister seit Max Schmeling feiern, bis sich schließlich herausstellte, dass Charr gar keinen deutschen Pass besitzt. Kurz darauf reiste er in die Türkei, um "unserem Präsidenten" Recep Tayyip Erdogan (Mesut Özil lässt grüßen!) seinen Weltmeistergürtel zu übergeben - wie man das eben so macht: als Dankeschön. 2018 setzte der 34-Jährige noch einen drauf: Doping! Ende September platzte seine Titelverteidigung gegen Pflichtherausforderer Fres Oquendo. Und Charr? Der versuchte, sich auf Facebook herauszureden. Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass das Zeug, das er nahm, Inhaltsstoffe hatte, die gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen. Peinlich! 

Marc Affeldt: Dank der "FootballLeaks" hat man es mittlerweile Schwarz auf Weiß, dass a) viele Top-Stars Gesetze brechen und handfeste Straftaten begehen, b) Lügen zum Tagesgeschäft gehören, c) jedes Mittel recht ist, um sich Vorteile zu verschaffen, d) sogar vor Kinderhandel nicht zurückgeschreckt wird, e) das alles von den nationalen und internationalen Verbänden gedeckt wird und f) kaum ein Verantwortlicher dafür belangt wird. Und trotzdem streiten deutlich mehr Menschen über die Frage, ob "die Mannschaft" noch "die Mannschaft" heißen soll. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln ...

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