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Die größten Sport-Highlights 2018: Platz 6

24 Stunden Frust, 280 Sekunden Eiskunstlauf-Magie

27.12.2018 11:24
Aljona Savchenko und Bruno Massot schrieben bei Olympia Sportgeschichte
Aljona Savchenko und Bruno Massot schrieben bei Olympia Sportgeschichte

Frankreichs Sieg bei der Fußball-WM, ein olympisches Eishockey-Highlight, Deutschlands Tennis-Helden und andere herausragende Leistungen. Die sport.de-User haben ihre zehn größten Sportmomente 2018 gewählt. Auf Platz 6 landet eine magische Vorstellung.

Am 15. Februar 2018 verzauberte das deutsche Eiskunstlaufpaar Aljona Savchenko und Bruno Massot die Sportwelt. Das Duo zeigte auf dem olympischen Eis in Pyeongchang eine Kür, die in die Geschichtsbücher einging. Dabei schien der große Traum nur einen Tag zuvor außer Reichweite.

24 Stunden vor dem größten Moment ihrer Karriere war nach menschlichem Ermessen alles verloren. Aljona Savchenko und Bruno Massot hatten die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang verspielt. Ein grober Patzer im Kurzprogramm beendete alle Hoffnungen auf den Olympiasieg. "Die Chance auf den Gewinn der Goldmedaille ist gleich null", urteilte ein großes deutsches Nachrichtenportal.

Was war passiert? Bruno Massot sprang seinen Salchow nur doppelt statt dreifach. Ein unverzeihlicher Fehler, der von den Punktrichtern bestraft wurde. 76,59 Zähler in der Endabrechnung, nur Platz vier im Zwischenklassement.

Savchenko: Massot-Abrechnung vor Millionen Zuschauern

"Eine Dummheit", nannte der gebürtige Franzose seinen Fehler später. Aljona Savchenko wurde deutlicher und rechnete in aller Öffentlichkeit mit ihrem Partner ab: "Ich war konzentriert. Leider ist Bruno ein wenig unkonzentriert gewesen."

War der Druck etwa zu groß? "Also für mich nicht. Ich habe meinen Kopf und er hat seinen Kopf." Wird sie Massot wieder aufbauen? "Das muss er selbst machen." Rumms. Eine schallende Ohrfeige vor Millionen von Zuschauern.


Mehr dazu: Aljona Savchenko im sport.de-Interview: "Es bedeutet mir alles!"


Der Ärger von Savchenko war nachvollziehbar. Vier Jahre hatte sie auf diesen Moment hingearbeitet. Eine Tortour, die sie zuvor schon für Salt Lake City (2002), Turin (2006), Vancouver (2010) und Sotschi (2014) auf sich nahm.

Zwei Mal ging die mehrfache Weltmeisterin leer aus, zwei Mal reichte es "nur" zur Bronzemedaille. Pyeongchang war so etwas wie ihre letzte Chance, den großen Traum vom olympischen Gold doch noch zu verwirklichen. Nun hatte ihr Partner diesen Traum platzen lassen.

Dass das Duo nur einen Tag später zurückkommen und Geschichte schreiben würde, konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen.

280 Sekunden für die Geschichtsbücher

Mit einer geringen bis Null-Prozent-Chance auf den Olympiasieg betraten Savchenko/Massot 24 Stunden später das Eis in der Gangneung Ice Arena. Was folgte, war eine Kür wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte.

280 Sekunden voller Anmut, Eleganz, Leidenschaft und Perfektion. Die gebürtige Ukrainerin und ihr aus der Normandie stammender Partner versprühten pure Magie.


Mehr dazu: Der Liveticker zur Eiskunstlauf-Kür zum Nachlesen


Bobfahrer mit Körpern wie Möbelpacker, hörte man später aus Pyeongchang, verfolgten die Traumkür auf TV-Monitoren und schämten sich ihrer Tränen der Ergriffenheit nicht.

Atemlos und mit weit aufgerissenen Augen sahen 12.000 Zuschauer in der Arena und Abermillionen vor den TV-Bildschirmen die beste Paarlauf-Kür der Eiskunstlauf-Geschichte.

"Es hätte niemanden gewundert, wenn das Eis auch noch geschmolzen und sich in ein riesiges Tränenmeer verwandelt hätte", schrieb "Spiegel Online" über die vielleicht emotionalsten Sekunden der Spiele.

159,31 Punkte bekamen Savchenko/Massot für ihre Darbietung. Weltrekord. Auf der größten Bühne, die es gibt. In einer Situation, in der schon alles verloren war.

Es war der Moment, in dem Aljona Savchenko und Bruno Massot das Unmögliche möglich machten. Und sich für vier Jahre harte Arbeit belohnten - mit 280 magischen Sekunden.

Christian Schenzel

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Paarlauf 2018

1ChinaSui, W. / Han, C82.39
2Olymp. Athleten aus RusslandTarasova, E. / Morozov, V81.68
3KanadaDuhamel, M./ Radford, E.76.82
4DeutschlandSavchenko, A. / Massot, B.76.59
5ChinaYu, X. / Zhang, H.75.58
6FrankreichJames, V. / Ciprès, M.75.34
7ItalienMarchei, V. / Hotárek, O.74.50
8Olymp. Athleten aus RusslandZabiiako, N. / Enbert, A.74.35
9ItalienDella Monica, N. / Guarise, M.74.00
10Olymp. Athleten aus RusslandAstakhova, K. / Rogonov, A70.52
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