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30-Jährige ist Sportlerin des Jahres

Tennis-Königin Kerber: Wimbledon-Sieg als Denkmal

16.12.2018 23:14
Angelique Kerber konnte ihren Sieg in Wimbledon im ersten Moment nicht fassen
© getty, Clive Brunskill
Angelique Kerber konnte ihren Sieg in Wimbledon im ersten Moment nicht fassen

Angelique Kerber ist zum zweiten Mal zu Deutschlands Sportlerin des Jahres gewählt worden. Mit ihrem Triumph beim Grand-Slam-Klassiker in Wimbledon hat sich die 30-Jährige ein Denkmal gesetzt.

Die Anreise zum großen Gala-Abend in Baden-Baden war für Angelique Kerber diesmal quasi ein Katzensprung. Statt von ihrem Wohnort in Polen musste die Wimbledonsiegerin nur knapp 180 Kilometer über die Autobahn düsen, um ihre zweite Auszeichnung als "Sportlerin des Jahres" in Empfang nehmen zu können. Ihre Saisonvorbereitung im hessischen Offenbach unterbrach Kerber dafür gerne. Schließlich ist es für Deutschlands neue Tennis-Königin die Krönung eines ohnehin unvergesslichen Jahres.

"2018 wird für mich immer mit Wimbledon verbunden bleiben", schrieb die 30 Jahre alte Kerber jüngst auf ihrem Instagram-Kanal: "Es ist das Jahr, in dem mein Tennis-Traum wahr wurde." Als Kind hatte "Angie" gebannt vor dem Fernseher im heimischen Wohnzimmer verfolgt, wie ihr Idol Steffi Graf ein ums andere Mal im Rasen-Mekka von London triumphierte.

22 Jahre nach Grafs siebtem und letztem Triumph, durfte die Kielern dann selbst die große Silberschale in die Höhe stemmen.

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Celebratory Night 💃 @escadaofficial

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Kerber im Kreis der deutschen Tennis-Legenden

Wie Kerber nach dem Matchball gegen die große Serena Williams auf den Rücken plumpste und die Hände vors Gesicht schlug, ist schon jetzt ein Stück deutsche Tennisgeschichte. Nicht ganz so ikonisch wie Boris Beckers berühmte Trippelschritte 1985, aber eben doch ein Moment für die Ewigkeit. Kerber ist nun in den Kreis der deutschen Tennis-Legenden aufgestiegen - und deshalb auch verdient Deutschlands Sportlerin des Jahres 2018.

Dabei hatte die begnadete Konterspielerin, nüchtern betrachtet, bei ihrer ersten Auszeichnung 2016 sogar auf eine noch erfolgreichere Saison zurückgeblickt. Sie gewann damals in Melbourne und New York ihre ersten beiden Major-Titel, zog bei den Olympischen Spielen ins Finale ein und stieg zur Nummer eins der Welt auf.

Aber Wimbledon ist eben Wimbledon, "das Turnier der Turniere", wie es Kerber selbst formulierte. Erst wer hier triumphiert, wird in Deutschland zu den ganz Großen des Tennis-Sports gezählt.

Wiederauferstehung nach "Seuchenjahr 2017"

Der Erfolg beim prestigeträchtigsten aller Grand-Slam-Wettbewerbe überstrahlt deshalb fast ein bisschen, dass Kerber auch sonst eine überzeugende Saison gespielt hat. Nach dem "Seuchenjahr 2017" feierte sie unter dem belgischen Trainer Wim Fissette, von dem sie sich mittlerweile wieder getrennt hat, eine Art Wiederauferstehung.

Bei den Australian Open verlor sie ein episches Halbfinalduell gegen Simona Halep nur knapp, bei den früher ungeliebten French Open erreichte sie erstmals seit sechs Jahren das Viertelfinale. Zudem ist sie inzwischen wieder die Nummer zwei der Welt.

Kerber, sonst immer etwas distanziert, in jedem Fall aber zurückhaltend, ist durch den Erfolg auch persönlich gereift. Es war, als wäre in Wimbledon eine enorme Last, gründend vor allem in der eigenen Erwartungshaltung, von ihr abgefallen. Satt ist die gebürtige Bremerin deswegen aber noch lange nicht. Schließlich fehlt ihr nur noch der Triumph auf der roten Asche von Paris, um ihren persönlichen Karriere-Grand-Slam zu vervollständigen. Dieses Ziel nimmt sie 2019 mit ihrem neuen Trainer Rainer Schüttler in Angriff.

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