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DSV-Adler Geiger: Schattenmann im Rampenlicht

16.12.2018 12:16
Karl Geiger hat in Engelberg erstmals einen Weltcup gewonnen
© getty, Adam Pretty
Karl Geiger hat in Engelberg erstmals einen Weltcup gewonnen

Karl Geiger hat den deutschen Skispringern bei der Generalprobe für die Vierschanzentournee den ersten Sieg im Kalenderjahr 2018 beschert. Der stille Spätstarter aus Oberstdorf ist urplötzlich die Nummer eins unter den DSV-Adlern.

Die Feier im schmucken Engelberger Teamhotel der deutschen Skispringer fiel bescheiden aus. Der frischgebackene Weltcupsieger Karl Geiger hat schließlich in den nächsten Wochen noch Großes vor. Dennoch genoss der Schattenmann der DSV-Adler seinen Flug ins Rampenlicht in vollen Zügen: "Das ist schwer in Worte zu fassen, es war ein genialer Tag", sagte Geiger, der bei der Nationalhymne im tief verschneiten Stadion einige Tränen verdrückte.

Im 107. Weltcup-Springen seiner Karriere klappte es am Samstag ausgerechnet bei der Generalprobe für die Vierschanzentournee mit dem ersten Sieg. Und damit ist auf einmal der Spätstarter aus dem Allgäu - und keiner der Topstars wie Andreas Wellinger, Richard Freitag und Severin Freund - der große deutsche Hoffnungsträger beim ersten Saisonhöhepunkt, der ausgerechnet in seinem Heimatort Oberstdorf am 29. Dezember beginnt.

"Es ist immer gut, wenn man so kurz vor der Vierschanzentournee weiß, dass man gut in Form ist", sagte Geiger, dem am Samstag auf der Gross-Titlis-Schanze im zweiten Durchgang den Sprung seines Lebens gelang, der ihn auf die Tagesbestweite von 141,0 m und von Platz fünf ganz nach vorne katapultierte. "Ich habe direkt beim Absprung gemerkt, dass ich diesen Sprung voll erwischt habe", meinte Geiger.

"Jetzt weiß ich aber, was möglich ist"

Dabei war der Durchbruch des 25-Jährigen nur eine Frage der Zeit: In allen Saisonspringen war Geiger unter den Top Ten. Wo die Wellingers und Freitags verzweifelt nach Konstanz suchen, ist Geiger diese in Person - und das kann bei einer Tournee, die nach den bisherigen Eindrücken wohl ohne absoluten Topfavoriten startet, Gold wert sein.

"Dass ich ganz oben stehen könnte, hätte ich nicht gedacht", sagte Geiger, der zuvor im Februar 2016 in Lahti als Zweiter seine einzige Podestplatzierung erreicht hatte: "Jetzt weiß ich aber, was möglich ist, wenn alles zusammenpasst."

Was bei Geiger möglich ist, hatte Bundestrainer Werner Schuster schon vor Saisonbeginn geahnt. "Karl hat nahtlos an Olympia angeknüpft, hat einen richtigen Schub bekommen, nicht nur sportlich, sondern auch persönlich", sagte Schuster. Der Österreicher hatte Geiger in der Vorsaison gestützt, als es bei diesem sehr mäßig lief, ihn beim Olympia-Teamspringen aufgeboten - was Geiger mit einer ganz starken Leistung zurückzahlte.

Seit diesem Silber von Pyeongchang läuft es prächtig, Geigers Karriere nahm rasant an Fahrt auf, nachdem sie bei allem Talent lange vor sich hingeplätschert war. "Bei mir ging es nicht so schnell, ich war nicht mit 17 schon weltklasse - da war ich noch im Deutschland-Pokal unterwegs und habe versucht, mich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln", sagte Geiger: "Da muss man geduldig bleiben."

Diese Geduld, diese urallgäuer Gelassenheit, sie zahlt sich nun aus. "Toll, dass wir einen neuen Siegspringer haben", sagte Schuster. Die letzte Siegpremiere eines deutschen Adlers lag schließlich schon fast fünf Jahre zurück: Am 16. Januar 2014 stand Wellinger in Wisla erstmals ganz oben auf dem Stockerl.

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