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Liverpool gewinnt denkbar knapp gegen Neapel

Klopp preist nach Weiterkommen "Lebensretter" Alisson

12.12.2018 12:26
Jürgen Klopp war nach Spielende überglücklich
Jürgen Klopp war nach Spielende überglücklich

Jürgen Klopp und Thomas Tuchel haben in Rivalität und letztlich doch gemeinschaftlich das Achtelfinale der Champions League erreicht. Im Fokus jedoch stand ein Torhüter mit Ahnen aus dem Saarland.

Jürgen Klopp war aufgepeitscht bis zum Anschlag und darüber hinaus, selbst für seine Verhältnisse. Die Parade seines "Lebensretters" Alisson in der Nachspielzeit einer dramatischen Champions-League-Nacht an der Anfield Road schien dem ohnehin stets emotionalen Teammanager des FC Liverpool fast den Verstand zu rauben.

"Ich bin voll bis obenhin mit Adrenalin. Ich könnte das Zeug in Flaschen abfüllen", berichtete der deutsche Trainer noch eine Stunde nach dem Abpfiff, er schüttelte den Kopf und brach in Gelächter aus. "Unglaublich", sagte er, "das war wahrlich lebensrettend. Mir fehlen die Worte. So etwas habe ich noch nie gesehen."

Jürgen Klopp, das muss hinzugefügt werden, übertrieb. Alissons "Wunderparade" (Mirror) gegen Ex-Bundesliga-Profi Arkadiusz Milik in der 92. Minute hatte das 1:0 gegen den SSC Neapel und den Einzug der Reds ins Achtelfinale gerettet, gut, doch ihre Faszination entstand nicht aus der Torwartkunst, sondern aus der kaum steigerbaren Bedeutung der Szene. Der Brasilianer stand glänzend, er wurde mehr oder weniger angeschossen - Liverpool war weiter, Ex-Bayern-Trainer Carlo Ancelotti stieg mit Napoli in die Europa League ab.


Mehr dazu: Die Pressestimmen zum Spiel FC Liverpool vs. SSC Neapel


Alisson der teuerste Keeper der Welt

Klopp war's gleich. "Keine Ahnung, wie Alisson das hingekriegt hat", sagte er über den teuersten Torwart der Welt, der für 62,5 Millionen Euro von AS Rom nach Liverpool gekommen war. Klopp, einst mal ein Verfechter der Vernunft auf dem Transfermarkt, beteuerte, er hätte mit Freude "das Doppelte bezahlt, wenn ich gewusst hätte, wie gut er ist".

Schließlich erhebt Alisson, wie auch der Independent mit unausgesprochenem Verweis auf dessen wackligen Vorgänger Loris Karius kommentierte, die Reds "zu einem Team ohne individuelle Schwächen". Und doch musste sich Klopp in der Abschlusstabelle der Gruppe C hinter einem alten Bekannten einreihen: Den ersten Platz schnappte sich Thomas Tuchel, der mit Paris. St. Germain die Krone des europäischen Vereinsfußballs an sich reißen will.

PSG siegte 4:1 bei Roter Stern Belgrad. Die Torschützenliste alleine zeigt die Wucht, mit der die katarischen Vereinsbesitzer endlich ganz nach oben vorstoßen wollen. Kylian Mbappé traf, Neymar traf, Edinson Cavani traf.

Klopp einmal mehr begeistert von der Atmosphäre

Tuchel allerdings hob die Einheit der millionenschweren Mannschaft hervor. "Es ist eine Frage der Einstellung und Mentalität. Das haben die Jungs wunderbar gemacht", sagte der deutsche Trainer, der wie Klopp früher Borussia Dortmund gecoacht hat. Die Sportzeitung "L'Equipe" schrieb, PSG habe "im Hexenkessel das Feuer gelöscht".

Das war in Liverpool unmöglich. Die Magie der Anfield Road, davon war Klopp überzeugt, hatte Neapel wie viele andere in der langen Historie überwältigt. "Danke, Anfield", sagte Klopp, "es war unglaublich. Diese Atmosphäre ist dermaßen besonders. Ich könnte nicht stolzer auf euch alle sein."

Dies galt in nochmals herausragendem Maße für Alisson Ramses Becker, 26, geboren im brasilianischen Novo Hamburgo. "Neu-Hamburg" trägt seinen Namen nicht von ungefähr: Deutsche Auswanderer haben die Stadt gegründet, darunter Nikolaus Becker aus Mettnich/Primstal im Saarland. Dieser ist, wie die Saarbrücker Zeitung gewissenhaft nachzeichnete, am 17. Dezember 1828 mit dem Dreimaster "Olbers" in Rio de Janeiro angekommen und gen Süden weitergesegelt, um eine Gerberei und Polsterei zu eröffnen, die als Keimzelle der heutigen Lederindustrie in der Stadt gilt.

Alisson Becker, der "Lebensretter", hat also deutsche Wurzeln - ein deutscher Pass allerdings blieb ihm einst trotz Antrag verwehrt. Die Auswanderung seiner Ahnen war vier Generationen zu lange her.

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