Anzeige

Ajax-Talent beim FC Bayern auf dem Zettel

De Jong: Revoluzzer zwischen Beckenbauer und Cruyff

12.12.2018 11:50
Frenkie de Jong hat das Interesse des FC Bayern geweckt
Frenkie de Jong hat das Interesse des FC Bayern geweckt

Für den Kader-Umbruch beim FC Bayern München ist Frenkie de Jong von Ajax Amsterdam ein heißer Kandidat. Beim Endspiel um den Gruppensieg in der Champions League am Mittwoch (3:3) hat der deutsche Fußball-Rekordmeister den 21-Jährigen noch einmal in Augenschein genommen. Doch haben die Münchner überhaupt eine Chance im Wettstreit um das Super-Talent, das wegen seiner revolutionären Spielweise als Mischung aus Franz Beckenbauer und Johann Cruyff gilt?

Die Jobbeschreibung der Position von Hasan Salihamidzic beim FC Bayern beinhaltet zumindest offiziell auch die Transferplanung.

So waren die Aussagen des Sportdirektors nach dem 3:0-Erfolg am Wochenende gegen den 1. FC Nürnberg zumindest als indirekte Bestätigung für ein Münchner Interesse an Frenkie de Jong zu werten.

"Ich kenne ihn schon lange. Er hat sich sehr gut entwickelt. Er spielt in der Nationalmannschaft, er spielt bei Ajax hervorragend. Das ist ein guter Spieler, keine Frage", diktierte Salihamidzic den Journalisten offenherzig in die Blöcke.

Zusammen mit seinem Amsterdamer Teamkollegen Matthijs de Ligt (19), der gerüchteweise ebenfalls ein Thema in München ist, könnte de Jong eine zentrale Rolle bei der Neugestaltung des in die Jahre gekommenen Bayern-Kaders spielen.

Frenkie de Jong wird eine Fußball-Revolution zugetraut

Während de Ligt "nur" als eines der herausragenden Innenverteidiger-Talente Europas gilt, trauen Experten de Jong sogar noch Größeres zu: eine Revolution des Welt-Fußballs, zumindest auf seiner Position.

Welche das ist, lässt sich bei de Jong gar nicht so leicht sagen. Das Ajax-Eigengewächs wechselt ohne Qualitätsverlust zwischen defensivem und zentralem Mittelfeld sowie der Abwehrzentrale - teilweise innerhalb einer Partie.

Neben seinem starken Passspiel zeichnet den Hochbegabten eine für seine Rolle ungewöhnlich ausgeprägte Dribbelstärke aus. 

"Er kann an seinen Gegenspielern scheinbar mit Leichtigkeit vorbeiziehen und sie abschütteln. Was man oft bei Flügelspielern sieht, macht er zwanzig Meter vor dem Tor mit einem Gegner im Rücken", sagt Ajax-Experte Bastiaan Vrijhof von voetbal.com im Gespräch mit sport.de.

De Jong scheint fast alle seiner Entscheidungen auf dem Platz intuitiv zu treffen, liegt dabei aber meistens goldrichtig. Der Youngster sei "eine Klasse für sich", so Vrijhof.

Frenkie de Jong: Vergleiche mit Beckenbauer, Cruyff und Rijkaard

Die unorthodoxe, fast schon anarchische Spielweise des Ajax-Juwels beschwört eine Reihe von illustren Vergleichen herauf. "De Jong ist eine bessere Version von Franz Beckenbauer", sagt die niederländische Fußball-Legende Arie Haan.

Der frühere Bundesliga-Profi Erik Meijer schwärmt in der "Abendzeitung": "De Jong erinnert mich an Johann Cruyff. Er läuft so wie er und hat ein bisschen seinen Stil." Auch mit Frank Rijkaard wird de Jong in seiner Heimat verglichen.

Die rasante Entwicklung des Youngsters, die Ajax-Trainer Erik ten Hag gegenüber "Sport Bild" als "fast schon beängstigend" bezeichnet, hat nicht nur den FC Bayern auf den Plan gerufen.

FC Bayern hat große Konkurrenz im Poker um Frenkie de Jong

Der FC Barcelona gilt seit Monaten als möglicher Abnehmer für de Jong. "Die Chance, dass er wechselt beträgt 95 Prozent und Barca wäre die beste Entscheidung", heizte John de Jong, Vater von Frenkie, die Gerüchte um einen Wechsel zu den Katalanen an.

Laut "Telegraaf" hat sich der Spieler selbst allerdings für einen Wechsel zu Paris Saint-Germain entschieden. "Dann wäre Paris noch stärker", kommentierte Salihamidzic die Meldung.

Klar ist: Eine Delegation aus Paris weilte unlängst zu Verhandlungen in Amsterdam. Das bestätigte Ajax-Sportdirektor Marc Overmars.

Hat der FC Bayern überhaupt eine Chance bei Frenkie de Jong?

Ob Bayerns Strahlkraft ausreicht, um de Jong angesichts der namhaften Konkurrenz von einem Wechsel nach München zu überzeugen, ist fraglich. "Wenn du auch zu Vereinen wie Manchester City und Paris gehen kannst, weiß ich nicht, ob ein junger Spieler sich direkt für Bayern München entscheidet", gibt Meijer zu bedenken.

Auch die finanzielle Dimension eines möglichen Transfers dürfte die Münchner abschrecken. Alleine die Ablösesumme für de Jong liegt wohl bei rund 80 Millionen Euro. Sein Vertrag in Amsterdam läuft noch bis 2022. Eine Ausstiegsklausel gibt es nicht.

Dass der FC Bayern bei seinem Champions-League-Trip in die niederländische Metropole dennoch bei de Jong und seinem Noch-Arbeitgeber vorfühlen wird, ist wahrscheinlich.

Ein Indiz: Michael Gerlinger ist dem Vernehmen nach ebenfalls nach Amsterdam gereist. Der in der Öffentlichkeit kaum präsente, aber klubintern hochgeschätze Chef-Justiziar gilt als wichtiger Unterhändler der Münchner in Sachen Transfers.

Wie Kollege Salihamidzic dürfte auch er Frenkie de Jong schon seit längerem kennen.

Tobias Knoop

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige