Anzeige

Nächster Missbrauchsskandal im deutschen Reitsport

06.12.2018 12:31
Die FN gerät erneut in die Negativschlagzeilen
Die FN gerät erneut in die Negativschlagzeilen

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung gerät nach dem Skandal um Alkoholexzesse unter Nachwuchsreitern erneut in die Negativschlagzeilen.

Die FN bestätigte dem "SID" am Donnerstag einen Bericht der Sendung "Sport inside", demzufolge ein wegen sexuellen Missbrauchs an einer 13-Jährigen zu mehr als vier Jahren Haft verurteilter Reitlehrer als Freigänger mit einer Lizenz des Dachverbandes an einem Turnier teilgenommen habe.

Die FN hatte dem Täter nicht die sogenannte Jahresturnierlizenz entzogen, die ihn zur Teilnahme an Turnieren berechtigt. Dafür, so hieß es zumindest bis vor zwei Wochen, fehle die Rechtsgrundlage.

Die FN-Disziplinarkommission habe in einem Gespräch zur Sache 2017 laut Sportdirektor Dennis Peiler "ganz klar signalisiert", dass der Entzug der Jahresturnierlizenz rechtswidrig sei und "keine Aussicht auf Erfolg" habe. 

Die Disziplinarkommission bestritt gegenüber "Sport inside" die Darstellung. Man habe schon 2017 angeregt, die Verlängerung der Jahresturnierlizenz des Reitlehrers zurückzuweisen. Eine FN-Sprecherin sagte dem "SID" am Donnerstag, es gebe unterschiedliche Auffassungen über das Ergebnis des betreffenden Gesprächs.

Mittlerweile geht die FN nach eigener Darstellung gegen den im Mai 2017 zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilten Reitlehrer, der sich 18-mal an dem Mädchen vergangen haben soll, disziplinarisch vor.

Man habe ein Verfahren gegen den Mann eingeleitet und werde dem Beschuldigten, der momentan an Wochenenden das Gefängnis verlassen darf, das Recht auf eine Anhörung gewähren. 

Nicht die erste Negativschlagzeile

Das Gericht hatte laut "Sport inside" kein Berufsverbot verhängt, weil es davon ausgegangen war, dass der Verurteilte nie wieder Fuß fassen könne im Reitsport. Die Familie des Opfers hatte die FN schriftlich aufgefordert, dem Trainer die Lizenz zu entziehen.

Auch der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hält diesen Schritt für unumgänglich. Die FN müsse ein klares Signal setzen, dass nicht toleriert wird, dass ein verurteilter Sexualstraftäter an Turnieren teilnehme.

"Ich würde vorschlagen, die Turnierlizenz zu versagen. Zur Not muss man es dann auf eine gerichtliche Auseinandersetzung ankommen lassen", sagte Rörig. Wichtig sei die Haltung "pro Kind und gegen Gewalt im Sport". 

Die FN war erst Anfang September in die Negativschlagzeilen geraten. Junge Reiter aus dem Nationalkader der Springreiter sollen auf Turnieren Mädchen mit Alkohol und womöglich K.o.-Tropfen gefügig gemacht und sexuell missbraucht haben.

 

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige