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Die größten Sport-Highlights 2018: Platz 4

Dreßens Höllenritt in die Geschichtsbücher

29.12.2018 08:36
Thomas Dreßen gelang 2018 auf der legendären Streif sein Meisterstück
© getty, Alexis Boichard/Agence Zoom
Thomas Dreßen gelang 2018 auf der legendären Streif sein Meisterstück

Frankreichs Sieg bei der Fußball-WM, ein olympisches Eishockey-Highlight, Deutschlands Tennis-Helden und andere herausragende Leistungen. Die sport.de-User haben ihre zehn größten Sportmomente 2018 gewählt. Platz 4 geht an einen Höllenritt auf der Ski-Piste.

3,312 Meter, auf denen eine Geschwindigkeit von bis zu 145 km/h erreicht werden. Sprünge, bei denen die Athleten beinahe 80 Meter durch die Luft segeln. Ein Maximal-Gefälle von 85 Prozent: Wenn die Streif in Kitzbühel den alpinen Ski-Zirkus zum Tanz bittet, werden Helden geboren, Material und Athlet bis zum Äußersten gefordert und nicht selten Karrieren aufs Spiel gesetzt.

Der Lohn der Strapazen im besten Falle: unvergleichlicher Nervenkitzel und ein Eintrag in die Geschichtsbücher.

Am 20. Januar 2018 bezwang Thomas Dreßen den Hahnenkamm in 1:56,15 Minuten, erblickte seinen Namen auf der Anzeigetafel vor der hochdekorierten Konkurrenz aus der Schweiz, Österreich und Norwegen, riss die Arme in die Luft und ließ das Tal mit einem Urschrei erzittern.

Thomas Dreßen: "Ich dachte, die wollen mich verarschen"

Bis der Sieg des Deutschen in Stein gemeißelt war, dauerte es zwar noch einige Minuten. Die Erkenntnis, gerade Historisches geleistet zu haben, dürfte aber bereits ihren Weg in Dreßens Gedanken gefunden haben. 

"Im Ziel habe ich es gar nicht glauben können, ich dachte, die wollen mich verarschen. Für mich ist das auch eine Überraschung", kommentierte der Garmisch-Partenkirchener seinen ersten Weltcup-Sieg.

Als erst zweiter Deutscher setzte sich Dreßen ein Denkmal auf der Streif. Zuvor triumphierte lediglich Sepp Ferstl in den Jahren 1978 und 1979. "Gott sei Dank, dass ich jetzt mal abgelöst bin, das hältst du auf Dauer nicht aus. Jetzt ist endlich der Mythos Ferstl-Streif erledigt", gönnte Ferst seinem "Erben" Dreßen unmittelbar nach dessen Coup den Erfolg.

"Halligalli" nach Sieg von Thomas Dreßen auf der Streif

Die Begleiterscheinungen eines Kitzbühel-Siegs bekam der Überraschungssieger anschließend am eigenen Leibe zu spüren. Schnell hatten die Medien in dem "Gaudi-Burschen" das Gesicht eines deutschen Ski-Aufschwungs ausgemacht. 

Er bekam einen schnelleren Dienstwagen geschenkt, trug sich in seiner Heimatgemeinde Mittenwald ins Goldene Buch ein und fand sich plötzlich Seite an Seite mit Sportgrößen wie Fußball-Nationalspieler Thomas Müller oder Formel-1-Star Sebastian Vettel wieder. 

"Ein richtiges Halligalli", brachte Dreßen das Geschehen auf den Punkt und gestand: "Ich habe es lieber ein bisschen ruhiger."

Der Erfolg beflügelte den 25-Jährigen jedoch auch sportlich. Das Podium war plötzlich "nicht mehr länger ein Traum, sondern realistisch. Wenn man das merkt, will man mehr davon, weil es einfach geil ist. Dafür stehst du jeden Morgen auf und reißt dir den Arsch auf", erklärte Dreßen.

Thomas Dreßen gewinnt auch Weltcup in Kvitfjell

Außerdem solle sein Triumph auf der Streif nicht "so ein einmaliger Geschichtsbucheintrag" werden. Gesagt getan: Im norwegischen Kvitfjell folgte im März der zweite Weltcupsieg.

So gut das Jahr begann, so übel endete 2018 für den neuen deutschen Ski-Star. Beim Abfahrtsrennen von Beaver Creek Ende November gipfelte "ein kleiner Konzentrationsfehler" in einem folgenschweren Sturz.

Der DSV-Hoffnungsträger riss sich das vordere Kreuzband im rechten Knie und kugelte sich die Schulter aus. Im Winter 2018/19 wird Dreßen nicht mehr auf die Piste zurückkehren.

"Shit hapens! Ich halte den Kopf oben und werde zurückkommen", kommentierte Dreßen anschließend gelassen.

 

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