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Wellingers Kuusamo-Bruchlandung machte ihn stark

23.11.2018 10:57
Andreas Wellinger ist mit seiner bisherigen Leistung zufrieden
© getty, Matthias Hangst
Andreas Wellinger ist mit seiner bisherigen Leistung zufrieden

Als 19-Jähriger stürzte Andreas Wellinger in Kuusamo brutal, der Rückkehr auf die Rukatunturi-Schanze sieht der Skisprung-Olympiasieger aber dennoch optimistisch entgegen - die Schmerzen von einst haben ihn stark gemacht.

In Sotschi wurde Andreas Wellinger mit 18 Jahren zum ersten Mal Olympiasieger, in Lahti holte er mit 21 drei WM-Medaillen, in Pyeongchang mit 22 sein zweites Olympia-Gold. Doch wenn ein Ort den Skisprung-Überflieger nachhaltig geprägt hat, dann Kuusamo, dieses vermaledeite Nest am finnischen Polarkreis.

Dort, wo der Weltcup am Wochenende gastiert, hatte der Bayer als Teenager bei einem fürchterlichen Sturz seine Unbeschwertheit ein wenig verloren, dafür aber die mentalen Grundlagen für seine späteren Erfolge gefunden.

"Auch wenn sich das blöd anhört, aber ich glaube, das alles hat mich wieder ein Stück stärker gemacht", sagte Wellinger über das folgenschwere Malheur im November 2014 auf der tückischen Rukatunturi-Schanze. "Andi wollte damals mit einem Sprung den Gesamtweltcup gewinnen", erinnerte sich Bundestrainer Werner Schuster.

Völlig übermotiviert haute sich sein Youngster vom Bakken, dann nagelte es ihn auf den Vorbau. Wellinger erlitt einen Schlüsselbeinbruch und eine Wirbelsäulenstauchung, musste operiert werden - es war der erste herbe Rückschlag seiner jungen Karriere.

"Wisla war ein Schritt in die richtige Richtung"

Längst aber hat Wellinger mit der Anlage seinen Frieden gemacht, im Vorjahr sprang er in Kuusamo auf Platz drei. Nach dem Auftakt mit Hochs und Tiefs in Wisla - Platz 48 in der Qualifikation, für das Teamspringen nicht berücksichtigt, Elfter im Einzel - könnte die Hassliebe Kuusamo nun den richtigen Start in den WM-Winter bringen.

"Wisla war ein Schritt in die richtige Richtung. Es kann so schnell gehen, dass man wieder den Anschluss findet. Daran will ich jetzt anschließen", sagte Wellinger, der nach seinem olympischen Gold-Coup von Pyeongchang und der anschließenden ausgiebigen Gratulationscour doch mit einigen Anlaufschwierigkeiten in der Vorbereitung zu kämpfen hatte.

Dies war auch Bundestrainer Schuster nicht verborgen geblieben. Der Andi habe zwar "brav trainiert", sagte der Österreicher, "man merkt aber, dass Olympia etwas mit einem macht. Wir müssen die Unbeschwertheit, die ihn immer ausgezeichnet hat, wiederherstellen", sagte der Österreicher.

Das Einzel von Wisla war da schon ein Schritt in die richtige Richtung: "Ganz toll, wie er da bei seiner technischen Linie geblieben ist", lobte Schuster: "Wenn er vernünftig landet, macht er hier einen Top-Fünf-Platz."

Wellinger: "Bin derzeit mehr als zufrieden"

Vor allem aber liegt Wellinger trotz eines durchwachsenen Sommers nun voll im Soll. Der Ruhpoldinger, nicht unbedingt für blendende Frühform bekannt, ist bereits weitaus schlechter in eine Saison gestartet. 2016/17 beispielsweise stieg er mit den Plätzen 22 und 20 in Kuusamo in den WM-Winter ein - und holte schließlich beim Saisonhöhepunkt in Lahti Mixed-Gold und zweimal Einzel-Silber. "Ich bin derzeit mehr als zufrieden", sagte Wellinger.

Den Wohlfühlmodus in der deutschen Schanzen-Reisegruppe steigert zudem einerseits der grandiose zweite Platz von Stephan Leyhe in Wisla, zudem die Rückkehr des Anführers und Kuusamo-Spezialisten Severin Freund, Sieger dort 2012 und 2016, an diesem Wochenende. "Man sieht, wir haben eine breite und gute Mannschaft", sagte Schuster.

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