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Zum ersten Mal nicht mehr für den Kader nominiert

Löw über Boateng-Verzicht: "Haben viele Alternativen"

09.11.2018 14:53
Jérôme Boateng (l.) wird gegen Russland und die Niederlande nicht im Kader stehen
Jérôme Boateng (l.) wird gegen Russland und die Niederlande nicht im Kader stehen

Für Jérôme Boateng hat Bundestrainer Joachim Löw im brisanten Abstiegsendspiel gegen Holland keine Verwendung.

Spekulationen über ein Ende der Karriere des Ex-Weltmeisters im Trikot der Fußball-Nationalmannschaft trat Bayern-Trainer Niko Kovac aber sofort energisch entgegen. "Es ist die Entscheidung des Bundestrainers. Dass Jérôme nicht dabei ist, ist ein Novum. Das heißt aber nicht, dass er in Zukunft nicht dabei ist", reagierte Kovac auf Löws überraschende Personalentscheidung für den Länderspiel-Abschluss des so enttäuschenden WM-Jahres.

Löws Erklärung, bei der so wichtigen Abschlusspartie in der Nations League gegen die Niederlande am 19. November in Gelsenkirchen und dem Test vier Tage zuvor in Leipzig gegen Russland auf Boateng zu verzichten, ließ aber viel Interpretations-Spielraum.

"Ich bin davon überzeugt, dass auch ihm aktuell eine Pause gut tut. Ich habe ihm gesagt, dass wir auch auf seiner Position viele Alternativen haben, gerade mit jüngeren Spielern", sagte Löw, der nach der WM schon Sami Khedira aufs Abstellgleis geschoben hatte.

Boateng reagierte moderat auf seine vorerst temporäre DFB-Absenz. "Nach einem sehr guten und vertrauensvollen Gespräch mit dem Bundestrainer sind wir so verblieben, dass ich nach einem anstrengenden Jahr für die beiden anstehenden Länderspiele eine Pause bekomme, um in München weiter an meiner Fitness zu arbeiten", schrieb er bei Twitter und wünschte, verbunden mit einem Dank an Löw, dem Team "alles Gute".

Es gebe keine Notwendigkeit, davon zu sprechen, "das ist jetzt das Ende von Jérôme in der Nationalmannschaft", betonte Bayern-Coach Kovac.

Tah füllt die Boateng-Lücke

Zum Jahresabschluss rückt wieder der 22 Jahre alte Jonathan Tah als Boateng-Ersatzmann in Löws Aufgebot. Schon im Oktober war der Leverkusener eingesprungen, nach dem sich Boateng beim 0:3 in den Niederlanden mit muskulären Problemen bis zum Abpfiff gequält hatte und für das Spiel in Frankreich (1:2) nicht mehr zur Verfügung stand.

Nach 76 Länderspielen muss Boateng jedenfalls nun erstmal zuschauen, wie sich potenzielle Erben präsentieren. "Diese müssen natürlich erst mal beweisen, dass sie an das Niveau von Jérôme herankommen können", beschrieb Löw seine Politik des behutsamen Personalwandels.

Neben Boateng fehlen auch Ilkay Gündogan (Fitness-Rückstand), Ersatz-Torwart Marc-André ter Stegen (Schulterprobleme) und Emre Can (Erkrankung). Toni Kroos wird gegen Russland nicht dabei sein und zum Pflichtspiel gegen Holland zum Team stoßen. "Ich hatte ja nach der WM mehrere Gespräche mit Toni und weiß natürlich, dass er seit Jahren unglaublich beansprucht ist", erklärte Löw die Teilzeit für Kroos.

Neulinge holte der Bundestrainer diesmal keine. Prominenter Rückkehrer ist Marco Reus, der im Oktober fehlte. "Natürlich freue ich mich für Marco, dass er endlich wieder eine starke Phase mit Borussia Dortmund hat. In dieser Verfassung kann er auch der Nationalmannschaft Rückenwind geben", sagte Löw. Mit dabei sind auch wieder Leroy Sané und Serge Gnabry, mit denen der Bundestrainer in Paris als jungem Turbosturm ein Signal zum Wandel gegeben hatte.

Löw verspricht: "Natürlich wollen wir alles tun"

Läuft es für das Löw-Team schlecht, könnte der Abstieg aus der Gruppe der Topnationen sogar schon vor dem Duell gegen Oranje besiegelt sein. Gewinnt Holland am 16. November gegen Frankreich, ist Deutschland definitiv Letzter der Gruppe 1 und müsste bei der nächsten Auflage des Wettbewerbs 2020 gegen Teams der zweiten Kategorie antreten. Verlieren die Niederländer gegen den Weltmeister, wäre die Löw-Elf mit einem eigenen Sieg gegen Oranje gerettet.

"Natürlich wollen wir alles tun, um in der Liga A zu bleiben, aber wir haben es nicht mehr allein in der Hand. Unser Blick geht über den Tellerrand der Nations League hinaus. Die Europameisterschaft 2020 ist das nächste große Ziel", sagte Löw.

Das DFB-Aufgebot:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München), Bernd Leno (FC Arsenal), Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt)

Abwehr: Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach), Jonas Hector (1. FC Köln), Mats Hummels (Bayern München), Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain), Antonio Rüdiger (FC Chelsea), Nico Schulz (1899 Hoffenheim), Niklas Süle (Bayern München), Jonathan Tah (Bayer Leverkusen)

Mittelfeld/Angriff: Julian Brandt (Bayer Leverkusen), Julian Draxler (Paris Saint-Germain), Serge Gnabry (Bayern München), Leon Goretzka (Bayern München), Kai Havertz (Bayer Leverkusen), Joshua Kimmich (Bayern München), Toni Kroos (Real Madrid/nur für Niederlande-Spiel), Thomas Müller (Bayern München), Marco Reus (Borussia Dortmund), Sebastian Rudy (FC Schalke 04), Leroy Sané (Manchester City), Mark Uth (FC Schalke 04), Timo Werner (RB Leipzig).

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