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"Sorgen um die Sicherheit"

Prost: Senna war "nicht glücklich mit seinem Leben"

07.11.2018 21:13
Ayrton Senna (li.): schon immer nachdenklich, 1994 auch nicht glücklich
Ayrton Senna (li.): schon immer nachdenklich, 1994 auch nicht glücklich

Rennlegende Alain Prost ist der Meinung, dass sein langjähriger Rivale und späterer Vertrauter Ayrton Senna vor seinem Unfalltod 1994 "mit seinem Leben nicht glücklich" gewesen wäre.

Wie er im offiziellen Formel-1-Podcast "Beyond the Grid" erzählt, hätte dem schweigsamen Brasilianer das Umfeld im Williams-Team zu schaffen gemacht. "Er machte sich Sorgen um die Sicherheit", weiß Prost.

Außerdem hätte sich Senna darüber geändert, dass Hauptkonkurrent Benetton mit Teamchef Flavio Briatore und Shootingstar Michael Schumacher mit illegalen Tricks gearbeitet hätte.

"Er war plötzlich ein anderer Mensch. Einmal hat er zu mir gesagt: 'Diese Leute motivieren mich nicht.' Er war immer noch schnell. Aber eben ein anderer Charakter", so Prost. Es war nicht das erste intime Gespräch.

Bereits Ende 1993 - also vor seiner Entscheidung, von McLaren zu Williams zu wechseln - suchte Senna öfters das Gespräch mit seinem einstigen Erzfeind, der gerade aus der Formel 1 zurückgetreten war. "Er hat mich ein- oder zweimal in der Woche angerufen", meint Prost. "Er wollte, dass ich zurückkomme. Ich hatte gerade den McLaren-Peugeot getestet." Doch er beharrte auf seinem Entschluss.

Möglich, dass Senna sich nochmals neu motivieren wollte - weil es immer seine oberste Prämisse war, Prost zu schlagen und dieser Antrieb mit dem Rücktritt von einem Tag auf den anderen perdu war. "Nur" zum vierten Mal Weltmeister zu werden, war für Senna offenbar nicht genug Befriedigung.

Alain Prost vermeidet den Begriff "Freund"

"Ich habe den Menschen Senna verstehen gelernt", blickt Prost zurück, scheut sich aber, von einem "Freund" zu sprechen. Schließlich hatte sich das Verhältnis erst kurz vor den Telefonaten entspannt - als die beiden beim Saisonfinale 1993 in Adelaide gemeinsam auf dem Podium standen und sich bei seiner Abschiedsvorstellung scheinbar versöhnten. Prost erzählte niemandem von den Anrufen und hielt sie sogar der Familie gegenüber geheim. Zu skurrile Blüten hatte die Sache zuvor getrieben.

Zum Beispiel Ende der Achtziger, als Prost Senna nach einem gemeinsamen Auftritt beim Genfer Automobilsalon in sein Haus in der Schweiz einlud. "Er redete nicht mit mir, nicht ein Wort. Nach dem Mittagessen legte er sich schlafen", sagt Prost. Anschließend berichtete ihm ein gemeinsamer Bekannter, dass Senna die groteske Situation absichtlich und ganz gezielt heraufbeschworen hatte: "Er wollte nicht mit dir reden, weil er nicht dein Freund werden wollte. Er muss gegen dich kämpfen."

"Alain hat Vereinbarung gebrochen"

Oder 1989 beim San-Marino-Grand-Prix, nachdem Senna (laut Prost) eine Absprache der beiden ignoriert und ihn in der ersten Kurve angegriffen hatte. "Es wurde dann richtig schlimm", erinnert sich Prost. Dass die Story einige Tage später in der französischen "L'Èquipe" abgedruckt wurde, schüttete zusätzlich Öl ins Feuer. Prost räumt ein, dass er die Geschichte dem befreundeten Journalisten erzählt hätte, will es jedoch unter der Prämisse getan haben, dass davon nichts veröffentlicht wird.

Als sich die Streithähne bei einem Test in Wales zum ersten Mal nach dem Scharmützel trafen, brodelte es. "Das war merkwürdig", sagt Prost über ein nicht wirklich klärendes Gespräch mit Senna und Teamchef Ron Dennis. "Ayrton sagte: 'Nicht ich habe die Vereinbarung gebrochen, sondern Alain.'" Anschließend wechselten die McLaren-Piloten bis zum Jahresende kein Wort mehr miteinander.

Dabei will Prost bei einem Treffen in einem Hotelzimmer in Japan dafür gesorgt haben, dass McLaren Senna 1988 verpflichtete. "Ich habe Ron und Honda darum gebeten", sagt er. Dennis' Plan sei es gewesen, den alternden Ex-Weltmeister Nelson Piquet zu holen, der ein Freund Prosts war. "Ich habe aber gesagt: 'Warum Nelson nehmen? Da ist ein junger Kerl, sehr talentiert, und wir brauchen das Beste für das Team.' So hat es angefangen." Prost kannte Senna zu diesem Zeitpunkt nicht persönlich.

"Ich hatte ein Veto-Recht"

"Ich hatte ein Veto-Recht. Ich hätte auch nein sagen können", erzählt er. Dass er keinen Gebrauch davon machte und eine in der Sportgeschichte beispiellose Fehde initiierte, bereut er nicht. Es ärgert ihn nur, die offene und familiäre McLaren-Atmosphäre mit der Konstellation geschädigt zu haben. "Wir hatten vorher alle Entscheidungen zusammen getroffen. Wenn Ron Sponsoren finden musste, ging ich mit ihm in die Meetings. Ich war nicht nur Teil der Familie, ich war fast wie ein Eigentümer."

Prost beteuert, nie um Nummer-1-Status gebeten zu haben und dass er die Duelle mit Senna immer auf der Strecke hätte austragen wollen. "Sportlich war es toll", resümiert er, "aber menschlich war es eine sehr, sehr schwierige Zeit. Ayrton hatte 99 Prozent der Medien und Fans hinter sich. Nicht unbedingt das Team. Da waren es mehr Honda und Ron, denn Ron hat Ayrton immer bevorzugt." Anders als bei Niki Lauda, Keke Rosberg und Stefan Johansson, als noch Prost der Liebling war.

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