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Keine Team-Logos, keine Team-Kleidung

Nach Überfällen: F1-Teams rüsten sich gegen Kriminelle

07.11.2018 18:45
Die Formel 1 war in Brasilien schon öfter Zielscheibe von Kriminellen
© Motorsport-Total.com
Die Formel 1 war in Brasilien schon öfter Zielscheibe von Kriminellen

Anders als die Vorjahresausgabe soll der Brasilien-Grand-Prix am Wochenende nicht von Raubüberfällen auf Teambusse und Formel-1-Personal überschattet werden. Das hoffen zumindest die Organisatoren in Sao Paulo und die örtliche Polizei. Sie hat angekündigt, ihre Präsenz rund um die Strecke zu verstärken. Doch die Teams werden zusätzlich selbst aktiv.

"Wir hatten immer das Glück, dass uns nichts passiert ist. Wir werden nach den Vorfällen 2017 jedoch genau aufpassen", verspricht Force-India-Teamchef Otmar Szafnauer. Heißt: Die Kleinbusse, mit denen Ingenieure, Mechaniker und Mitarbeiter aus ihren Hotels an die Strecke gefahren werden, werden nicht mit Teamlogos beklebt. Parksticker werden entfernt, sobald es auf die Straße geht.

Szafnauer ergänzt: "Wir werden auch keine Teamkleidung tragen, wenn wir im Auto sitzen." Er begreift die Maßnahmen als zusätzlichen Schutz, nicht als Ausdruck des Misstrauens in die Polizei. Im Gegenteil: Force India setzt auf die Behörden. "Sie werden viel mehr Präsenz zeigen und wissen, wann wir kommen und gehen. Sie werden also zu Zeiten vor Ort sein, wenn es sinnvoll ist."

Dass im vergangenen Jahr viele Streifenwagen längst abgezogen waren, als sich die Teams auf den Rückweg aus dem Vorort Interlagos in das Stadtzentrum von Sao Paulo machten, gilt als einer der Hauptgründe für die beispiellose Überfallserie 2017. Damals wurde ein Kleinbus erstürmt und die darin befindlichen Mercedes-Mitarbeiter mit Waffen am Kopf bedroht. Es fielen sogar Schüsse.

Journalisten verzichten auf Brasilien-Reise

Dazu rammten Kriminelle ein Fahrzeug der Sauber-Mannschaft, um es zum Anhalten zu zwingen und die Insassen auszurauben. FIA-Offizielle bekamen es mit der Angst zu tun, als Vermummte mit Pistolen auf die gepanzerten Scheiben ihres Fahrzeugs einschlugen, um sich Zugang zu verschaffen. Ein Überfall auf einen Pirelli-Kleinbus forderte schließlich die Absage eines geplanten Reifentests.

Was sich kaum ändern lassen wird: Die Zufahrtsstraße zum Autodromo Carlos Pace, die an einem alten, rostigen Tor endet und unbeleuchtet ist, führt durch eine Wohngegend, die sogar nach brasilianischen Maßstäben ein sozialer Brennpunkt ist. Schilder warnen davor, mit dem Auto anzuhalten. Bei Dunkelheit ist es erlaubt, rote Ampeln zu missachten - nicht nur, wenn die Formel 1 gastiert.

Offenbar haben viele Journalisten aus den Vorfällen des vergangenen Jahres Konsequenzen gezogen und reisen nicht nach Brasilien, zumal Diebstähle im - eigentlich streng kontrollierten - Medienzentrum an der Tagesordnung sind. Laptops, Kameras und Mobiltelefone verschwinden zu Haufe. Dazu verzichten wohl auch einige Formel-1-Piloten darauf, Frauen und Freundinnen mitzubringen.

Auftrieb für Staatspräsident Jair Bolsonaro?

Schließlich sind in Brasilien nicht nur Überfälle, sondern auch Entführungen zu befürchten. Das Geschäft mit der Erpressung von Lösegeld floriert in dem teils bitterarmen Land und betrifft nicht nur die Oberschicht. 2010 geriet Jenson Button in das Visier einer professionellen Bande, konnte dank eines gut geschulten Chauffeurs aber entkommen. Die Schwiegermutter von Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hatte 2016 weniger Glück und kam erst nach einigen Tagen frei.

Obwohl er noch nicht im Amt ist, könnte mangelnde Sicherheit des Grand Prix dem designierten Staatspräsidenten Jair Bolsonaro zusätzlichen Auftrieb verschaffen. Der Populist und rechte Hardliner bemängelte im Wahlkampf immer wieder die Effizienz der Polizeikräfte. Neue Vorfälle würden ihm einen Anlass liefern, seine teils obskuren Ideen von Kriminalitätsbekämpfung durchzusetzen.

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