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"Ich sah Gott"

Damals: Sennas furioser Ritt zum ersten WM-Titel

30.10.2020 15:43
Ayrton Senna krönte sich 1988 erstmals zum Formel-1-Weltmeister
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Ayrton Senna krönte sich 1988 erstmals zum Formel-1-Weltmeister

Ayrton Senna gilt unter Formel-1-Fans und -Experten als einer der größten Fahrer aller Zeiten. Seinen ersten von insgesamt drei WM-Titeln feierte der Brasilianer, der 1994 bei einem fatalen Crash ums Leben kam, vor genau 32 Jahren nach einer mehr als weltmeisterlichen Leistung in Suzuka. 

Besagter 30. Oktober 1988 begann für Ayrton Senna mit einer gehörigen Portion Pech. Nach einem starken Qualifying ging der damals 28-Jährige in seinem McLaren-Honda vor seinem Team-Kollegen und späteren Erzrivalen Alain Prost von der Pole Position ins Rennen. Doch kaum war der Große Preis von Japan gestartet, streikte der Motor seines Boliden.

Der Brasilianer musste im vorletzten Rennen der Saison hilflos mit ansehen, wie ein Großteil des Feldes an ihm vorbeizog. Sennas Titelträume drohten zu platzen. Wild gestikulierend brachte es der McLaren-Pilot dennoch dank der leicht abschüssige Start-Ziel-Gerade in Suzuka fertig, seinen rollenden Wagen wieder in Schwung zu bringen, um von Platz 14 aus seine Aufholjagd zu starten. 

Es dauerte keine vier Umläufe, da hatte sich Senna bereits in furioser Manier auf den vierten Rang vorgekämpft, begünstigt durch einsetzenden Regen. In Runde 20 erreichte der Brasilianer schließlich den zweiten Platz direkt hinter Prost. Kurz nach der Halbzeit des Grand Prix hatte sich Senna auch seinen Team-Kollegen einverleibt, der mit Getriebeproblemen zu kämpfen hatte.

Prost (li.) gratuliert dem neuen Weltmeister
Prost (li.) gratuliert dem neuen Weltmeister

Die Führung ließ sich der 28-Jährige nicht mehr nehmen und fuhr dank des damals gültigen Punktesystems zu seinem ersten Weltmeister-Titel. Prost hatte trotz besserer Konstanz und einer höheren absoluten Punktzahl das Nachsehen, weil das damalige Punktesystem Streichresultate vorsah, die dem Franzosen zum Verhängnis wurden.

"Ich war dankbar, als ich die letzte Runde fuhr, ich dankte Gott. Ich hätte nicht geglaubt, dass ich tatsächlich die Weltmeisterschaft gewinnen würde", sagte der überzeugte Christ und fügte an: "In diese ganzen Aufregung und Anspannung spürte ich seine Gegenwart. Ich sah Gott. Es war ein besonderer Moment in meinem Leben. Ein ungeheures Gefühl. Es ist in meiner Erinnerung verankert und wird immer ein Teil von mir sein."

>> Das Klassement des GP von Japan 1988

Mit seinem Erfolg hatte die Formel-1-Legende eine Saison voller persönlicher Highlights gekrönt und zusammen mit Prost dank des überlegenen Honda-Motors die Konkurrenz geradezu deklassiert. Am Ende der Saison 1988 hatte McLaren 15 der 16 Rennen gewonnen - mit dem besseren Ende für Senna, der damit zum damals jüngsten Weltmeister in der Geschichte der Formel 1 wurde. 


Mehr Dazu: Ayrton Senna: Eine Karriere in Bildern


"Ich fühle einfach Frieden. Es ist, als wäre eine Last von meinen Schultern genommen worden. Es ist schwer zu begreifen", erklärte ein glücklicher Senna, der bis zu seinem Unfall-Tod beim GP von San Marino 1994 noch zwei weitere Titel nachlegen sollte.

Chris Rohdenburg

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