Anzeige

Muhammad Ali vs. George Foreman

"Rumble in the Jungle": Der größte Box-Kampf aller Zeiten

30.10.2018 13:01
Rumble in the Jungle: Muhammad Ali (r.) besiegt George Foreman
"Rumble in the Jungle": Muhammad Ali (r.) besiegt George Foreman

Am 30. Oktober 1974 lieferten sich Muhammad Ali und George Foreman in Kinshasa den wohl größten Box-Kampf aller Zeiten. "Rumble in the Jungle" ging nicht nur wegen der dramatischen Geschehnisse im Ring in die Geschichte ein.

Es ist 4:30 Uhr morgens Ortszeit. In Kinshasa, der Hauptstadt der damaligen Republik Zaire, klettert das Thermometer bereits auf 30 Grad. 90 Prozent Luftfeuchtigkeit machen die äußeren Bedingungen nahezu unerträglich.

Dennoch haben sich im Stade du 20 Mai rund 100.000 Menschen eingefunden. Millionen sitzen in der ganzen Welt vor den TV-Geräten. Sie alle wollen den Box-Kampf des Jahrhunderts verfolgen.

Der amtierende Schwergewichts-Weltmeister George Foreman, in 40 Profikämpfen ungeschlagen, trifft auf Muhammad Ali, Ex-Titelträger, lebende Legende, aber auch klarer Außenseiter.

Es geht um ein Preisgeld von zehn Millionen Dollar, steuerfrei. Zaires Diktator Mobutu Sese Seko hat die für damalige Verhältnisse wahnwitzige Prämie ausgelobt, der legendäre Box-Promoter Don King den Kampf daraufhin in Kinshasa organisiert. Das Event hat auch eine politische Dimension. "Back to Africa!", heißt das Motto.

3:1 beträgt die Wettquote der Buchmacher zugunsten Foremans. Experten gehen von einem schnellen und deutlichen K.o.-Sieg des damals 25-Jährigen gegen seinen sieben Jahre älteren Gegner aus.

Publikum bei "Rumble in the Jungle" steht hinter Muhammad Ali

Das Publikum vor Ort ist dennoch klar auf Alis Seite. Wegen seiner Volksnähe und seiner Rolle in der Bürgerrechtsbewegung der schwarzen US-Amerikaner in den 1960er Jahren lieben ihn die Afrikaner. "Ali, boma ye!" ("Ali, töte ihn!"), schallt es von den Rängen.

Ali selbst hatte sich vor dem Fight in seiner typisch großspurigen Art siegessicher gegeben. Er werde wieder "fliegen wie ein Schmetterling und zustechen wie eine Biene", kündigte der extrovertierte Sprücheklopfer an. Und: "Wenn George Foreman auf mich trifft, wird er seine Schulden bezahlen."

Tatsächlich entwickelt sich im Ring ein spannender Schlagabtausch. Ali hält sich viel an den Seilen und in den Ecken auf. Durch Zurücklehnen und Aufrichten nimmt er Foremans Schlägen die Wucht. Selbst landet er mehrfach Jabs gegen den Kopf des Kontrahenten.

Immer wieder zieht Ali Foreman zu sich heran, reizt den Favoriten zusätzlich mit Trash-Talk. Provokationen wie "Ist das alles, George? Ich habe mehr erwartet! Ist das alles, was du drauf hast?" sind zu hören.

Foreman boxt zunehmend ungestümer. "Es war grausam, ich wollte ihn totschlagen, ihn umbringen", erinnert er sich später im Interview mit der "Welt". In Wirkungstreffer umsetzen kann der Olympiasieger von 1968 seine Wut nicht.

John Daley, Co-Promotor der Kampfes, prophezeit nach Runde vier am "HBO"-Mikrofon: "Ali wird den Kampf gewinnen, innerhalb der nächsten vier Runden."

"Rumble in the Jungle": K.o.-Sieg für Muhammad Ali in der achten Runde

Und wirklich: Kurz vor Ende der achten Runde trifft Ali den inzwischen schon schwer gezeichneten Foreman zunächst mit mehreren Einzelschlägen, dann mit einer Kombination von fünf Schlägen insgesamt neunmal binnen weniger Sekunden am Kopf.

Der Titelverteidiger taumelt kurz, geht dann benommen zu Boden. Bevor er wieder richtig steht, ist er ausgezählt. Ali erobert seinen 1967 aus politischen Gründen aberkannten Titel zurück.

Die Menge in Kinshasa tobt. Im Ring spielen sich tumultartige Szenen ab. Alis Entourage und zahlreiche Fans feiern mit dem neuen Champion. Handgreiflichkeiten brechen aus, Sicherheitskräfte müssen für Ordnung sorgen.

"Ich wende mich heute an alle meine Kritiker und rufe ihnen entgegen: 'Ich bin immer noch der Größte aller Zeiten'", tönt Ali im Interview unmittelbar nach dem Kampf.

Muhammad Ali und George Foreman werden nach "Rumble in the Jungle" Freunde

Obwohl Foreman nach der Demütigung durch Ali mit einem Rückkampf liebäugelt, stehen sich beide nie wieder im Box-Ring gegenüber. Stattdessen werden die Gegner von damals später Freunde.

"Ali war der spannendste, interessanteste Mensch, den ich kennengelernt habe", sagt Foreman nach dem Tod des "Greatest of all Time" im Jahr 2016.

"Rumble in the Jungle" findet großen Nachhall, nicht nur in der Welt des Sports: 1997 räumt der Streifen "When We Were Kings" über den legendären Kampf den Oscar als bester Dokumentarfilm ab.

Das Biopic "Ali" von 2001 mit Superstar Will Smith in der Hauptrolle stellt die Schlacht von Kinshasa als Vollendung von Muhammad Alis sportlichem Lebenswerk dar.

Tobias Knoop

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige