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Sébastien Loeb: Wusste nicht, ob ich gewonnen habe

29.10.2018 11:58
Sébastien Loeb feierte WRC-Sieg Nummer 79 überschwänglich
Sébastien Loeb feierte WRC-Sieg Nummer 79 überschwänglich

Als alles vorbei war, brachen sich die Emotionen Bahn. Während Sébastien Loeb und Beifahrer Daniel Elena viele ihrer vorherigen 78 Siege in der Rallye-Weltmeisterschaft eher geschäftsmäßig gefeiert hatten, strahlte gestern nach ihrem Triumph bei der Rallye Spanien vor allem der oft etwas stoische wirkende Loeb übers ganze Gesicht, und der ein oder andere Beobachter mag auch Feuchtigkeit in seinen Augen gesehen haben.

WM-Sieg Nummer 79 war für den neunmaligen Weltmeister auf jeden Fall etwas Besonderes. "Es ist schon lange her, dass ich hier gewonnen habe und in der WRX habe ich auch nicht allzu viel gewonnen", meint Loeb.

"Neun Rallyes an Stück zu gewinnen ist gut, aber jetzt waren es sechs Jahre her." Wobei sich die sechs Jahre nur auf seinen bis gestern letzten Sieg bei der Rallye Spanien beziehen. Aber seit seinem Sieg bei der Rallye Argentinien 2013 waren immerhin auch schon 2.004 Tage vergangen.

Eine weitere Erklärung für Loebs emotionale Reaktion war auch in der Intensität des Kampfs gegen Sébastien Ogier (Ford) begründet. Vor der letzten Wertungsprüfung hatte Loeb nur 3,6 Sekunden Vorsprung, von denen er letztlich 2,9 ins Ziel rettete.

"Es fühlt sich unglaublich gut an, vor allem weil wir diesmal keine Zwischenzeiten hatten", berichtet Loeb. Zu Zeiten seiner letzten WRC-Siege wurden die Zeiten der anderen Fahrer noch in die Autos der Rivalen übermittelt, doch das ist mittlerweile verboten.

Zittern nach der Zieldurchfahrt

Daher musste der Franzose gestern in Spanien einige bange Sekunden überstehen. "Als ich über die Ziellinie gefahren war, wusste ich nicht, ob ich gewonnen hatte oder nicht. Das setzt einen zusätzlich unter Druck, und wenn man dann merkt, dass man nach sechs Jahren wieder gewonnen hat, ist es ein unglaubliches Gefühl", so der 44-Jährige.

Das galt nicht nur für ihn, sondern auch für sein Citroen-Team. "Das war stressig. Es ist nie vorbei, bis es vorbei ist, daher war es schön die letzte Kurve zu sehen", sagt Teamchef Pierre Budar. "Das Team hat lange auf diesen Sieg warten müssen."

Bemerkenswerte Szenen spielten sich nach der Zieldurchfahrt ab. Ogier, dessen Verhältnis zu Loeb in der gemeinsamen Zeit bei Citroen von Spannungen geprägt war, steig zu seinen Rivalen aufs Dach des Citroen C3 WRC und war damit der erste Gratulant.

"Mir war einfach danach, ich weiß auch nicht warum", sagt Ogier und betont: "Wir haben eine Menge Respekt voreinander, haben hart miteinander gekämpft und das genossen. Ihnen in diesem Moment zu gratulieren und den Augenblick zu genießen, ist doch völlig normal."

Der Schlüssel zum Sieg war für Loeb eine mutige Reifenwahl am Sonntagmorgen. Als einziger WRC-Fahrer wählte er ausschließlich harte Reifen und verwandelte so bei den ersten beiden Wertungsprüfungen des Schlusstages 8,0 Sekunden Rückstand in 7,1 Sekunden Vorsprung.

Harten Reifen kamen für Ogier am Sonntagmorgen nicht in Frage

"Bei solchen Misch-Bedingungen ist die Reifenwahl immer kompliziert", erzählt Loeb, der bei der Wahl der Reifen auch auf alte Daten aus früheren Jahren zurückgriff. "Wir haben uns einige Kommentare aus der Zeit angesehen, als ich mit dem DS3 bei ähnlichen Bedingungen mit diesen Reifen gefahren bin. Wir wussten, dass die harten gut funktionieren können, selbst wenn es etwas feucht ist."

Ganz wohl war dem Franzosen bei der Entscheidung allerdings nicht. "Wir hatten die Information, dass es nicht regnen wird, aber die hatten wir gestern auch schon, und da hat es dann geregnet! Ich war mir nicht sicher, ob ich dem Vertrauen soll oder nicht", sagt er. Doch letztlich entschied er sich für die mutige Variante. "Ich konnte mir vorstellen, dass einige andere Fahrer auch die harten Reifen nehmen, und wenn ich dann die weichen nähme, würde ich verlieren."

Für Ogier hingegen kamen harte Reifen am Sonntagmorgen nicht in Frage. "Ehrlich gesagt habe ich nicht eine Sekunde lang darüber nachgedacht", sagt er. "Wir lagen an diesem Wochenende im Umgang mit den Informationen ständig falsch. Das hat einfach nicht funktioniert. Mit Ausnahme der letzten Schleife haben wir immer die falschen Reifen gewählt", erklärt Ogier. "Mit den richtigen Reifen hätte ich hier viel besser sein können, aber hätte, wäre, wenn..."

Loeb 2019 in der WRC? Es liegt nicht in Citroens Hand

So siegte der neunfache Gesamtsieger am Ende verdient und zeigte seinen Rivalen, dass er auch als Teilzeit-Pilot und mit 44 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Was prompt erneut die Frage aufwarf, ob man ihn 2019 wieder regelmäßig in der WRC sehen wird, vor allem, nachdem sein Team Peugeot das Engagement in der Rallycross-WM einstellt.

"Vielleicht, ja. Dieses Wochenende hat eine Menge Spaß gemacht", sagt Loeb. "Wieder um den Sieg zu kämpfen und zu gewinnen, war ein tolles Gefühl. Hier fühle ich mich wohler als in jeder anderen Disziplin, aber andererseits weiß ich auch, warum ich zurückgetreten bin: Es nimmt einfach jede Menge Zeit in Anspruch."

Ein Vollzeit-Comeback in der WRC kommt für Loeb daher weiterhin nicht in Frage. "Das will ich heute nicht mehr machen, nur einige Rallyes zu bestreiten ist schon kompliziert genug", sagt er - freilich nicht ohne sich eine kleine Hintertür offen zu halten. "Ich weiß es noch nicht, es ist zu früh, um darüber nachzudenken."

Teamchef Budar erklärt dazu, dass noch nicht feststehe, ob Citroen 2019 neben Ogier und Esapekka Lappi überhaupt ein drittes Auto einsetzen wird, für das Loeb als Fahrer in Frage käme. "Ohne drittes Auto brauchen wir keinen dritten Fahrer. Das liegt nicht mehr alleine in unserer Hand, wir befinden uns in Gesprächen mit einigen Partnern", so Budar.

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