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Turner wollen "dem steinigen Weg" zur WM trotzen

23.10.2018 10:55
Sophie Scheder ist eine Überraschung zuzutrauen
© getty, Ryan Pierse
Sophie Scheder ist eine Überraschung zuzutrauen

Auch ohne die verletzte Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer sind Medaillen für die deutschen Turner bei den am Donnerstag beginnenden Welttitelkämpfen in Doha keine Utopie. In der Vorbereitung allerdings lief es bei den deutschen Athleten nicht immer nach Plan.

Weltmeisterin Pauline Schäfer verletzt zu Hause, Altmeister Marcel Nguyen angeschlagen - in der Wüstenmetropole Doha erwartet die deutschen Kunstturner ab Freitag eine im wahrsten Sinne des Wortes heiße WM-Phase. Die ersten Weltmeisterschaften in einem arabischen Land sind nicht nur wegen der hohen Temperaturen nach zuvor heftigen Regengüssen eine echte Herausforderung.

Wegen einer Fußverletzung kann Schäfer ihren im vergangenen Jahr in Montreal errungenen Titel am Schwebebalken nicht verteidigen. Noch ärger hat es den Freund der 21-Jährigen erwischt: Der Reckspezialist und solide Mehrkämpfer Andreas Bretschneider erlitt bei den deutschen Meisterschaften im September in Leipzig einen Achillessehnenriss und muss sogar um einen Start bei der Heim-WM 2019 in Stuttgart bangen.

"Unser Weg nach Doha war nicht frisch asphaltiert, sondern sehr steinig", sagt Bundestrainer Andreas Hirsch, der besonders seinen langjährigen Schützling Nguyen mit Sorgfalt durch die WM-Vorbereitung bringen musste: "Marcels angebrochene Rippe hat ihm ziemlich zu schaffen gemacht. Aber ich hoffe, er kann einen kompletten Mehrkampf turnen."

Schließlich erwies sich der mittlerweile 31-Jährige bei den nationalen Titelkämpfen nicht zum ersten Mal als bester Sechskämpfer. Überdies ist der zweimalige Barren-Europameister an diesem Gerät immer wieder für eine positive Überraschung gut.

Scheder und Seitz "gehören ganz klar zur Weltspitze"

Auf einen solchen Moment hoffen am Stufenbarren auch Sophie Scheder und Elisabeth Seitz. Ziehen die Olympia-Dritte aus Chemnitz und die letztjährige EM-Dritte aus Stuttgart ihre Weltklasseübungen voll durch, sind Finalplätze am Doppelreck keine Utopie. Cheftrainerin Ulla Koch: "Beide gehören ganz klar zur Weltspitze."

Die Mannschaftsentscheidungen, üblicherweise im Mittelpunkt des Interesses, stehen im futuristischen Aspire Dome noch nicht wie gewohnt im Fokus. Denn eine Platzierung unter den ersten 24 Mannschaften, gleichbedeutend mit der Qualifikation für die WM in Stuttgart, ist für beide Riegen ein absoluter Selbstläufer.

Ernst wird es erst im Oktober 2019, wenn in der Schleyer-Halle die Olympiatickets für Tokio 2020 vergeben werden. Schon 2007, ein Jahr vor den Spielen von Peking, hatten die deutschen Gerätartisten den Heimvorteil genutzt und sich an gleicher Stelle für Olympia qualifiziert.

Simone Biles im Mittelpunkt

Viele Augen werden bei der WM in Doha auf Simone Biles gerichtet sein. Die Weltsportlerin des Jahres 2016 kehrt zwei Jahre nach ihrem Mehrkampf-Triumph in Rio und zehn Monate nach der Verurteilung des langjährigen US-Teamarztes Larry Nassar wegen sexuellen Missbrauchs auf die internationale Turnbühne zurück.

Die 21-Jährige, die als eine von vielen Leidensgenossinnen von dem Mediziner seelisch und körperlich missbraucht wurde, fühlt sich mittlerweile als Sportlerin mit einer ganz speziellen Mission. "Dieser Mann hat einen Teil von mir geraubt, den ich nicht wiederbekommen kann. Aber ich will jungen Mädchen zeigen, dass sie alles schaffen können, auch wenn es unmöglich scheint", sagte Biles in einem "ARD"-Interview.

Das DTB-Aufgebot für Doha

Männer: Marcel Nguyen, Lukas Dauser, Andreas Toba, Nick Klessing, Philipp Herder, Nils Dunkel
Frauen: Kim Bui, Elisabeth Seitz, Sophie Scheder, Sarah Voss, Leah Grießer, Ersatz: Carina Kröll

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