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U21-Coach Kuntz: Von der "B-Lösung" zum Erfolgsgaranten

15.10.2018 11:35
Stefan Kuntz und die deutsche U21 sind in der Erfolgsspur
Stefan Kuntz und die deutsche U21 sind in der Erfolgsspur

Stefan Kuntz hat die deutsche U21 zum EM-Titel 2017 und nun zur Endrunde 2019 geführt. Die einstige "B-Lösung" überzeugt, das Heimspiel gegen Irland darf der DFB-Trainer entspannt angehen.

Stefan Kuntz hatte seinen eigenen Fanklub dabei. Mit Gejohle und reichlich Bier begrüßten die Alten Herren des SV Furpach, für die der U21-Nationaltrainer in seiner saarländischen Heimat noch immer kickt, "ihren Stefan" nach der geglückten EM-Qualifikation des DFB-Teams. Kuntz erteilte den per Bus nach Ingolstadt gereisten Freunden prompt den Party-Befehl. Schließlich "haben wir mit den Alten Herren erst am Mittwoch wieder Training", sagte er mit einem Augenzwinkern.

Diese Bodenständigkeit, gepaart mit unbändigem Ehrgeiz, hat Kuntz in den vergangenen zwei Jahren bei der U21 zu enormem Erfolg verholfen. Wenn der Titelverteidiger am Dienstag zum Abschluss der EM-Qualifikation in Heidenheim auf Irland trifft, darf der 55-Jährige sogar entspannen. Denn das EM-Ticket hat Deutschland in der Tasche. Nicht zuletzt dank Kuntz, der 2016 durchaus überraschend die Nachfolge von Horst Hrubesch angetreten hatte und seither das Vertrauen mit Siegen zurückzahlt.

Kuntz als "Meister des richtigen Tons"

Eigentlich war Marcus Sorg als Hrubesch-Erbe vorgesehen gewesen, Sorg stieg jedoch ins Team von Bundestrainer Joachim Löw auf. Also zauberte der damalige Sportdirektor Hansi Flick den ehemaligen Europameister Kuntz aus dem Hut, obwohl dieser zwölf Jahre lang nicht mehr als Trainer gearbeitet hatte.

Mit fünf Siegen in den ersten fünf Spielen gelang Kuntz ein Rekordstart, die Krönung folgte 2017 mit dem EM-Triumph in Polen und der Vertragsverlängerung bis Olympia 2020. "Stefan Kuntz bringt viel Leidenschaft und eine hohe fachliche Kompetenz mit", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel.

Nach dem EM-Sieg gingen fast alle Spieler, doch der Erfolg blieb. Als eine der größten Stärken von Kuntz hat es sich erwiesen, den richtigen Ton zu finden - mal leise und pointiert, mal laut. Mitunter führt das zu Heiserkeit, so wie nach dem 2:1 gegen Norwegen am Freitag, bei dem er sich völlig verausgabte. "Man hört es an der Stimme - ich bin emotional dabei", sagte Kuntz nach Schlusspfiff.

Volle Konzentration auf die EM in Italien

Wenige Minuten zuvor hatte er, ebenfalls typisch Kuntz, sämtliche Spieler und DFB-Mitarbeiter auf dem Rasen versammelt, sogar das Maskottchen Paule reihte sich in den großen Kreis mit ein. Mittendrin stand der Coach und hielt eine emotionale Ansprache.

"Ich ziehe den Hut vor euch. Geiler Job von allen", sagte Kuntz, der umgekehrt auch von seinen Spielern klare Ansagen erwartet: "Den Jungs werden heute viel zu viele Konflikte abgenommen. Als Luca Waldschmidt kürzlich von mir wissen wollte, warum er in Irland nur auf der Tribüne saß, fand ich das richtig gut."

Diese Marschroute soll Kuntz auch in den kommenden Monaten helfen. Schon jetzt gilt die volle Konzentration der EM in Italien, bis dahin wartet allerdings noch viel Arbeit. Die Alten Herren des SV Furpach werden wohl nicht nur am Mittwoch ohne ihren prominenten Mitspieler trainieren müssen.

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