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"Es konnte keine Einigkeit erzielt werden"

Zähler für alle? Formel 1 lehnt neues Punktesystem ab!

11.10.2018 16:03
Mit mehr Punkten würde der Kampf im Hinterfeld an Bedeutung gewinnen
Mit mehr Punkten würde der Kampf im Hinterfeld an Bedeutung gewinnen

Die Formel 1 wird in naher Zukunft kein neues Punktesystem einführen. Zuletzt hatte es Bestrebungen gegeben, mehr Fahrern als den Top 10 Zähler auszuhändigen - möglicherweise sogar allen 20 Piloten. Damit sollte auch den hinteren Positionen im Feld eine größere Gewichtung zukommen, doch zumindest 2019 wird es keine Veränderung geben.

"Wenn alle dafür gewesen wären, hätten wir es uns für 2019 angesehen", bestätigt Renndirektor Charlie Whiting. "Aber es konnte keine Einigkeit erzielt werden." Damit wird die Formel 1 beim aktuellen Punktesystem bleiben, das seit 2010 in den Regeln steht: 25-18-15-12-10-8-6-4-2-1.

Es heißt, dass vor allem die FIA gegen eine Änderung sein soll, um Punkte in der Formel 1 nicht zu entwerten. Früher gab es sogar noch für weniger Fahrer Zähler: In den 50er-Jahren gab es nur für fünf Fahrer Punkte, später lange Zeit für sechs Piloten. Ab 2003 wurden Zähler für acht Fahrer vergeben, und seit 2010 vergibt man Punkte an die Top 10.

Enger nicht gleich besser?

Damals wurden auch die Punkte für den Sieger von zehn auf 25 erhöht, was viele Statistiken deutlich verwässert hat. Daher wollte man auch bei einer Ausweitung der Punkteränge auf 15 Piloten die Zähler für den Sieger nicht erhöhen. Das hätte aber bedeutet, dass die Punkteverteilung deutlich enger hätte gestaltet werden müssen. Das ist ein Kritikpunkt, den Haas-Teamchef Günther Steiner gesehen hätte.

"Ein Punkt Unterschied ist nicht genug", sagt er. "Wenn es zwischen dem siebten und dem achten Platz nur einen Punkt Unterschied gibt und zwischen dem 14. und 15. auch, dann ist das nicht die richtige Relation", so der Südtiroler, der gerne noch etwas Untersuchungsarbeit in ein mögliches neues System stecken würde.

Andere sind wiederum der Meinung, dass man die Meisterschaft spannender machen könnte, wenn man die Abstände zwischen den Piloten verringert. Das war auch die Intention 2003, als der zweite Platz deutlich aufgewertet wurde. Bekam der Fahrer für Platz zwei zuvor sechs Punkte (bei zehn für den Sieger), gab es danach acht Punkte. Damit wollte man die Dominanz von Michael Schumacher eindämmen.

Altes WM-System: Hamilton noch dominanter

Geht man nach dem System bis 2002, dann hätte Lewis Hamilton 121 Zähler, Sebastian Vettel 86. Valtteri Bottas (59), Kimi Räikkönen (53), Max Verstappen (48) und Daniel Ricciardo (41) folgen in der gleichen Reihenfolge wie in der echten WM. Mit 35 Zählern Vorsprung hätte Hamilton sogar noch größere Chancen, den Sack schon in Austin zuzumachen.

Beim System ab 2003 hätte Vettel hingegen noch bessere Chancen: Der Deutsche läge mit 107 Zählern "nur" 28 hinter Hamilton (135) und könnte ein WM-Aus in den USA aus eigener Kraft verhindern - ähnlich wie 2018. Die Konkurrenz dahinter besitzt aber noch bessere Chancen auf Verbesserung: Bottas (88), Räikkönen (81), Verstappen (70) und Ricciardo (59) sind erneut Dritter bis Sechster.

Doch der große Kritikpunkt der knapperen Punkteplätze ist ja die Vergleichbarkeit im Hinterfeld. Zum einen würden hintere Platzierungen bei einer Ausweitung ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, zum anderen könnte man verhindern, dass ein Pilot mit einem einzigen guten Ergebnis an einem konstant besseren Piloten vorbeizieht. "Das wäre nicht verdient", findet Romain Grosjean.

Die Krux mit Alonso

Würde man noch heute Punkte für die Top 6 vergeben, wäre Sergio Pérez (Force India) Best of the Rest - und zwar mit sechs Punkten. Der Mexikaner hätte vier Zähler für Rang drei in Baku geholt und zwei für Rang fünf in Belgien. Soweit so gut: Perez liegt auch in der echten WM auf Rang sieben vor Kevin Magnussen, der ebenfalls sechs Zähler hätte. Doch am Beispiel von Fernando Alonso wird es deutlich.

Der Spanier ist in Sachen Punkten ein Meister der Konstanz. Immer wenn er 2018 in den Punkten war, holte er mindestens vier Zähler. Von seinen neun Top-10-Platzierungen gab es achtmal Platz sieben oder acht, womit er 40 von seinen 50 Punkten holte. In der damaligen Zeit hätte das null Punkte gegeben. Seine nach alter Regel einzigen beiden Zähler hätte er in Australien geholt - und damit die Hälfte von Grosjean, der in der echten WM "nur" 31 Punkte und somit deutlich weniger als Alonso hat.

"Es hat Positives und Negatives", findet Grosjean. Zwar würde eine Ausweitung etwas von dem Besonderen nehmen, in die Punkte zu fahren, auf der anderen Seite hätten die Piloten auf den Rängen 13, 14 und 15 auch noch etwas, worum sie kämpfen könnten.

Viele leere Konten

Aktuell haben alle Fahrer in dieser Saison bereits einen Punkt gesammelt, im alten System bis 2002 wäre das Konto bei Stoffel Vandoorne, Lance Stroll, Marcus Ericsson, Brendon Hartley und Sergei Sirotkin leer, Stroll und Vandoorne hätten beim Übergangssystem ab 2003 zumindest einen Zähler geholt. "Es sollte nicht irrelevant werden, ob du Elfter oder 14. bist", sagt Stroll.

Und wer weiß, womöglich würde heute keiner über Charles Leclerc als neuen Ferrari-Piloten sprechen, weil dieser nur einen einzigen Punkt durch Baku eingefahren hätte. "Man sollte belohnt werden, wenn man Zwölfter statt 15. wird", ergänzt Stroll, doch Grosjean sagt: "Ich denke nicht, dass es das größte Problem ist, das die Formel 1 derzeit hat."

WM-Tabelle bis 2002

1. Lewis Hamilton 121

2. Sebastian Vettel 86

3. Valtteri Bottas 59

4. Kimi Räikkönen 53

5. Max Verstappen 48

6. Daniel Ricciardo 41

7. Sergio Pérez 6

8. Kevin Magnussen 6

9. Nico Hülkenberg 5

10. Romain Grosjean 4

11. Pierre Gasly 4

12. Esteban Ocon 4

13. Fernando Alonso 2

14. Carlos Sainz 2

15. Charles Leclerc 1

16. Stoffel Vandoorne 0

17. Lance Stroll 0

18. Marcus Ericsson 0

19. Brendon Hartley 0

20. Sergei Sirotkin 0

WM-Tabelle 2003-2009

1. Lewis Hamilton 135

2. Sebastian Vettel 107

3. Valtteri Bottas 88

4. Kimi Räikkönen 81

5. Max Verstappen 70

6. Daniel Ricciardo 59

7. Sergio Pérez 18

8. Kevin Magnussen 18

9. Nico Hülkenberg 18

10. Fernando Alonso 16

11. Esteban Ocon 15

12. Romain Grosjean 11

13. Pierre Gasly 10

14. Carlos Sainz 10

15. Charles Leclerc 5

16. Stoffel Vandoorne 1

17. Lance Stroll 1

18. Marcus Ericsson 0

19. Brendon Hartley 0

20. Sergei Sirotkin 0

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