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Flensburgs neuer Turm in der Schlacht im Gespräch mit sport.de

Flensburgs Golla exklusiv: "Da gibt es keine Ausreden!"

11.10.2018 18:52
Mit Kraft und Wille: Johannes Golla startet bei der SG Flensburg-Handewitt durch
Mit Kraft und Wille: Johannes Golla startet bei der SG Flensburg-Handewitt durch

Johannes Golla ist der Senkrechtstarter in dieser Saison beim Deutschen Handball-Meister SG Flensburg-Handewitt. Im Sommer von der MT Melsungen gekommen, hat sich der erst 20-Jährige auf Anhieb beim derzeitigen deutschen Branchenprimus etabliert und ist am Kreis ein wichtiger Baustein im System von Trainer Maik Machulla.

Im exklusiven sport.de-Interview spricht der Junioren-Nationalspieler über seine ersten Monate an der Förde, die Zusammenarbeit mit "Lehrmeister" Tobias Karlsson und seine weiteren sportlichen Ambitionen.

Herr Golla, Sie gelten als bisher größte Überraschung in den Reihen des Tabellenführers, standen bisher bei jedem HBL-Spiel für Flensburg-Handewitt auf der Platte. Haben Sie selbst mit so einem tollen Einstand gerechnet?

Johannes Golla: Natürlich habe ich gehofft, dass ich gut ankomme und meine Spielanteile bekomme. Ich habe viel gespielt die letzten Spiele und bin total froh, dass es so gekommen ist. Das ganze Gefüge in Flensburg passt bisher sehr gut zusammen, wir ergänzen uns echt gut und es macht Riesenspaß, mit den Jungs auf der Platte zu stehen.

Wie fühlt es sich denn an, mit 20 Jahren plötzlich Leistungsträger in der momentan besten deutschen Handballmannschaft zu sein?

Es geht für uns als Mannschaft in erster Linie darum, jedes Spiel zu gewinnen. Natürlich ist es ein super Gefühl, wenn ich dem Team dabei helfen kann. Ich weiß, dass ich jedes Spiel und jedes Training 100 Prozent geben muss. Das wird auch von allen bei uns erwartet, da gibt es dann keine Ausreden! Ich sehe das aber nicht als Druck, sondern vielmehr als Ansporn.

Vorne wie hinten hat Johannes Golla (l.) beim Deutschen Meister bereits Akzente gesetzt.
Vorne wie hinten hat Johannes Golla (l.) beim Deutschen Meister bereits Akzente gesetzt.

Was sind im Moment die wichtigsten Faktoren, dass Flensburg als Tabellenführer derzeit so gut dasteht und mit acht Siegen aus acht Ligaspielen wieder von ganz oben grüßt?

Es waren von Anfang an alle daran interessiert, das Bestmögliche für sich und den Verein herauszuholen. Das ging schon in der Vorbereitung und im Trainingslager los. Wir gehen alle sehr fokussiert an die sportlichen Aufgaben heran und wollen uns gemeinsam etwas erarbeiten. Auf der anderen Seite sind wir aber auch abseits des Feldes für eine Menge Spaß zu haben. Da hat sich eine gute Mannschaft zusammengefunden, in der jeder seinen Platz hat.

Wer sind bisher Ihre wichtigen Bezugspersonen im Team, auch außerhalb der Handballhalle?

Bei den Auswärtsfahrten bin ich zusammen mit Benjamin Buric auf einem Zimmer. Mit ihm verbringe ich dann sehr viel Zeit, weil wir ja viel unterwegs sind. Dadurch, dass wir uns jeden Tag im Training oder bei den Spielen sehen, bleibt aber insgesamt nicht allzu viel Zeit, auch noch privat etwas gemeinsam zu unternehmen. Wir waren aber schön öfter Mal mit den Flensburger Jungs Kaffee Trinken oder mal etwas Essen nach dem Training.

Flensburg-Handewitt ist als einziges Team in der HBL noch ohne Verlustpunkt. Wie beurteilen Sie selbst den Konkurrenzkampf mit den anderen großen Mannschaften, die allesamt schon Federn gelassen haben?

Es wird am Ende keine Mannschaft mit null Verlustpunkten ganz oben stehen, dafür ist die Saison noch zu lang. Wir haben erst zuletzt in Erlangen wieder gesehen, wie schwer gerade die Auswärtsspiele in der Bundesliga werden können. Die Belastung wird immer mehr, auch in der Champions League, aber wir wollen unsere tolle Ausgangssituation so lange es geht halten. Magdeburg, Kiel und die Löwen sind auch richtig gut gestartet, es wird auf jeden Fall spannend bleiben.

Wie kommen Sie persönlich bisher mit der Dreifachbelastung klar, die für Sie in diesem Ausmaß Neuland ist?

Ich merke schon, dass die Reisen zu den Spielen länger und mehr sind. Mit der MT Melsungen haben wir aus der Mitte Deutschlands alle Stationen gut mit dem Bus erreichen können. Jetzt sieht es anders aus: Wir fliegen durch ganz Europa, es geht eine Menge Zeit fürs Reisen drauf. Es ist aber alles super organisiert, sodass uns auch viel abgenommen wird. Diese hohe Intensität mit Spielen alle drei Tage ist für mich zwar neu, aber ich komme ganz gut damit zurecht. Bei den älteren Spielern merkt man die Belastung schon, sie werden in den Trainings zwischen den Spielen auch mal herausgenommen. Da muss jeder seinen optimalen Weg finden.

Und Sie merken auch, dass es nochmal ein Unterschied ist, als amtierender Deutscher Meister zu den Auswärtsspielen zu fahren, als mit der MT Melsungen?

Wir hatten in Melsungen im letzten Jahr auch einen Aufschwung, nachdem einige Nationalspieler verpflichtet wurden. Auch da war das Interesse durchaus groß. Aber klar: Die Spiele gegen Flensburg werden damit angekündigt, dass der Deutsche Meister kommt. Das lockt noch ein paar Zuschauer mehr in die Hallen.

Es war im Vorfeld nicht unbedingt zu erwarten, dass Sie von Beginn an so viele Einsatzzeiten bekommen. Weder im Angriff, noch hinten im Deckungszentrum. Worauf legen Sie persönlich eigentlich mehr Wert in Ihrem eigenen Spiel?

Als ich neu in die Bundesliga gekommen bin, habe ich vermehrt hinten gespielt und einen Abwehr-Angriff-Wechsel gemacht. Dadurch hatte ich sicher erst in der Abwehr meine Stärken. Es ist aber wichtig, auf beiden Seiten des Spielfeldes Akzente setzen zu können. Da ist es gut, dass wir drei Kreisläufer haben, die vorne und hinten einen guten Job machen können.

Der Lehrmeister und sein Schüler: Flensburgs Kapitän Tobias Karlsson (l.) mit Johannes Golla
Der Lehrmeister und sein Schüler: Flensburgs Kapitän Tobias Karlsson (l.) mit Johannes Golla

Gerade ihr Mannschaftskapitän Tobias Karlsson gilt in der Bundesliga als der Abwehrspieler schlechthin, bringt mit 37 Jahren enorme Routine mit. Wie wichtig ist Karlsson als sportliche Bezugsperson für Sie geworden?

Er spielt eine riesengroße Rolle für mich. Ich kann mir extrem viel abschauen, das geht schon mit der Vorbereitung auf die Spiele los. Er hilft uns mit einer eigenen Videovorbereitung und genauen Absprachen, wie wir unterschiedliche Situationen lösen wollen. Wir Kreisläufer setzen uns dann mit Tobias zusammen und gucken uns einzelne Videosequenzen an, um perfekt eingestellt zu sein. Im Spiel geht das dann weiter, wir kommunizieren sehr viel. Um ihn herum wird die Abwehr aufgebaut, das ist viel Wert für die ganze Mannschaft.

Sie gelten als physisch sehr starker Spieler mit einer hohen körperlichen Präsenz in Angriff und Abwehr. Wie viel Arbeit steckt wirklich dahinter?

Es klingt vielleicht doof, aber das kommt ja nicht von alleine! Ich hatte in Melsungen schon einen sehr guten Athletiktrainer, der mir wirklich weitergeholfen hat. Derzeit ist es schwierig, bei unserem Drei-Tage-Rhythmus harte Krafteinheiten zu absolvieren. Aber ich versuche schon, vier Krafteinheiten unter der Woche unterzubringen.

Maik Machulla hat als Vranjes-Nachfolger auf dem Trainerstuhl die Meisterschaft nach Flensburg geholt. Was zeichnet nach Ihren bisherigen Erfahrungen die Zusammenarbeit mit ihm aus?

Ich habe sehr schnell gemerkt, dass er sehr akribisch ist. Das geht beim Videostudium los, merkt man aber auch bei der Vorbereitung im Training. Das Wichtigste ist aber meiner Meinung nach, dass er nie den Spaß verliert. Ich habe immer das Gefühl, dass wir einen sehr guten Umgang innerhalb der Mannschaft haben. 

Mal andersrum gefragt: Was haben Ihr Trainer und Sie selbst denn noch für Stellschrauben ausgemacht, an denen es noch zu drehen gilt? Wo sehen Sie selbst noch Ihre Schwächen?

Ich kann in allen Bereichen noch konstanter werden. Es gibt im Angriff genug Sachen, die verbessert werden können. Jedes Spiel und jedes Training auf so einem Niveau bringt neue Erfahrungen. Da versuche ich so viel es geht mitzunehmen für die Zukunft.

Die kommenden Aufgaben in der HBL sind nun Stuttgart und Leipzig, ehe es ins nächste Topspiel gegen Magdeburg geht. Wie gehen Sie diese Partien an?

Es kommen auch noch das Champions-League-Spiel am Sonntag in Szeged und das Pokalspiel in einer Woche gegen Magdeburg dazu. Vor der Nationalmannschaftspause sind das hammerharte Aufgaben, die auf uns zukommen. Wir wollen vor allem in der Bundesliga die Weiße Weste so lange es geht wahren und haben auch in den anderen Wettbewerben nichts zu verschenken.

Apropos Nationalmannschaft: Ihre Position ist mit Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Jannik Kohlbacher auf höchstem Niveau besetzt. Wie präsent ist dennoch das Thema DHB-Team für Sie?

Bei mir persönlich spielt das im Moment noch keine Rolle, auch wenn ich immer wieder drauf angesprochen werde. Es hat auch noch keinen Kontakt zu den Verantwortlichen gegeben. Für mich geht es erst einmal darum, mich in Flensburg zu etablieren und meine Leistungen noch konstanter zu zeigen. Dann kann das vielleicht irgendwann mal ein Thema werden. Aber momentan ist Deutschland am Kreis wirklich hervorragend besetzt.

Das Gespräch führte Mats-Yannick Roth
 

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