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Der sport.de-Sportler des Monats im Exklusiv-Interview

Sportler des Monats: Zehnkampf-König Arthur Abele

04.09.2018 16:53
Arthur Abele feierte bei der Heim-EM den größten Erfolg seiner Karriere
Arthur Abele feierte bei der Heim-EM den größten Erfolg seiner Karriere

Er prägte die ersten beiden Tage der Heim-EM in Berlin wie kein Zweiter, sicherte sich im Zehnkampf vor heimischem Publikum souverän den Europameistitel: Arthur Abele hat sich in der Königsdisziplin der Leichtathletik gegen die geballte Konkurrenz durchgesetzt und im Olympiastadion den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert.

Ganz klar: Für sport.de ist der 32-jährige Zehnkämpfer des SSV Ulm der Sportler des Monats August. sport.de sprach exklusiv mit Abele über seinen Triumph in Berlin, die Emotionen im Moment des Sieges und seine nächsten sportlichen Ziele. 

Arthur Abele, einige Tage sind seit dem großen Triumph von Berlin mittlerweile vergangen. Wie haben Sie Ihren größten Karriereerfolg aufgearbeitet?

Arthur Abele: Die letzten Tage waren schon sehr spektakulär. Die unmittelbaren Tage nach Berlin waren vor allem medientechnisch extrem und sehr vielfältig. Das ging von Fernsehauftritten über verschiedene Empfänge und Autogrammstunden bis hin zu Radio-Interviews - da war alles dabei. Zuletzt war dann auch mal zehn Tage Urlaub angesagt. Danach war ich auch noch bei Frau Merkel im Bundeskanzleramt. Es waren sehr intensive, aber auch sehr schöne Tage.

Sie sind ja schon einige Jahre auf der großen Bühne der Leichtathletik dabei. Wie haben Sie es jetzt wahrgenommen, so im Mittelpunkt des Interesses zu stehen?

Es war alles wahnsinnig schön! Es ist eine schöne Bestätigung, die ich in diesen Momenten bekommen habe, die man sich auch irgendwie gewünscht hat. Es ist insgesamt eine tolle Erfahrung. Nach so einem Erfolg selbst mal ein bisschen im Mittelpunkt zu stehen, ist schon sehr prägend und finde ich natürlich toll.

Blicken wir nochmal auf die Tage der EM in Berlin zurück. Was waren für Sie die absoluten Highlights Ihres Zehnkampfes im Olympiastadion?

Der Weitsprung und das Kugelstoßen haben super funktioniert, weil ich da direkt im ersten Versuch super gepunktet habe. Für mich selbst war dann der 110-Meter-Hürdenlauf zu Beginn des zweiten Tages sehr wichtig. Nach dem sehr intensiven 400-Meter-Lauf am Abend zuvor ist immer die große Frage, wie man das wegsteckt. Als das Speerwerfen dann auch gepasst hat, wusste ich, dass es in die Medaillen geht. Mir war klar: Wenn ich nicht mehr auf die Nase falle, wird es die Goldene. Das war ein richtig toller Moment! 

Für das Speerwerfen sind Sie sogar von den Spezialisten Thomas Röhler und Andreas Hofmann gelobt worden...

Grundsätzlich sah das nicht so verkehrt aus (lacht). Sie meinten aber auch, dass ich beim Anlauf sogar noch etwas verschenkt habe.

Der abschließende 1500-Meter-Lauf war für Sie ein regelrechter Triumphlauf. Welche Emotionen und Gedanken gingen Ihnen bei der letzten Stadionrunde dabei durch den Kopf?

Das war einfach irre! So richtig durchblickt hab ich das erst, als ich kurz vor der Ziellinie war und die Hände nach oben gerissen habe. Bei den letzten 400 Metern wusste ich aber schon, dass die Goldmedaille nicht mehr in Gefahr gerät. Die letzte Runde habe ich dann einfach nur noch rollen lassen und die Atmosphäre aufgesogen. Die letzten Meter waren total euphorisch. Wie Sie sagen, ein richtiger Triumphlauf. Das war einfach ein geiles Erlebnis und hat riesigen Spaß gemacht. Das war eine Sache, die ich mein Leben lang nie wieder vergessen werde.

Mit Kévin Mayer ist einer der großen Konkurrenten auf die Goldmedaille im Laufe des Wettkampfes ausgeschieden, nachdem er im Weitsprung drei Fehlversuche produziert hatte. Wie haben Sie diesen Moment mitbekommen? Mayer lag zu diesem Zeitpunkt immerhin in Führung.

Im ersten Augenblick habe ich schon mitgefühlt, weil es einfach ein bitterer Moment ist. Ich habe aber gar nicht so sehr auf Kévin geschaut, sondern mehr auf meinen Trainingskollegen Mathias Brugger, der ebenfalls keinen gültigen Versuch im Weitsprung hatte. Das hatte mich im Endeffekt mehr mitgenommen. Ich war schon betrübt und traurig darüber. Ich hätte es gerne gesehen, wenn Mathias an meiner Seite auch in Richtung Medaillenränge marschiert wäre. Aber so ist es nun mal: Im Zehnkampf musst du alle Disziplinen zusammenkriegen und überall punkten. Da kann es auch den Besten irgendwann einmal erwischen. Ich habe dann die Gunst der Stunde genutzt.

Was für Emotionen! Nach dem 1500-m-Lauf steht Abele als Europameister fest
Was für Emotionen! Nach dem 1500-m-Lauf steht Abele als Europameister fest

Wie war insgesamt die Stimmung innerhalb des DLV-Teams während der EM? Aus deutscher Sicht gab es gleich mehrere große Überraschungen – sowohl positiver als auch negativer Natur.

Grundsätzlich war die Stimmung bei uns super! Ich war ja direkt zu Beginn der Europameisterschaft dran. Das war für mich ganz cool, weil ich den Wettkampf dann schon hinter mir hatte und die anderen Jungs und Mädels anfeuern konnte. Außerdem konnte ich dem ein oder anderen auch noch ganz gute Tipps geben, was das heiße Wetter in Berlin oder auch die große Menschenmenge im Olympiastadion anging. Die Atmosphäre war einfach wahnsinnig toll. Das kann und sollte man für sich nutzen, aber es besteht auch immer das Risiko, dass man es übertreibt. 

Nachdem der Höhepunkt der Saison damit erreicht ist: Was sind die sportlichen Ziele in der nächsten Zeit?

Am 15. und 16. September werde ich in Talence meinen letzten Zehnkampf in diesem Jahr machen. Im Rahmen der Challenge-Wertung geht es da noch um ein bisschen Preisgeld, da stehe ich derzeit ganz gut da. Falls das klappt, würde ich auch eine Wild Card für die WM 2019 in Doha gewinnen. Das würde eine wirklich tolle Saison besiegeln.

Die deutsche Zehnkampf-Riege ist mit Ihnen, Kai Kazmirek, Mathias Brugger und Niklas Kaul derzeit sehr stark, auch Rico Freimuth wollen wir als amtierenden Vize-Weltmeister nicht vergessen. Sehen Sie sich selbst nun als Maß aller Dinge im DLV-Team?

Wenn die Jungs gesund und gut drauf sind, muss man immer mit ihnen rechnen, ganz klar. Sie haben Recht, wir sind im Moment eine sehr starke Mehrkampfnation. Deswegen darf ich nicht auf der faulen Haut liegen, sondern muss immer weiter arbeiten.

Sie haben eine lange, lange Leidenszeit hinter sich, haben von Unterschenkelbruch und Bandscheibenvorfall über einen Achillessehnenriss und einer Gesichtslähmung schon alles durchgemacht. Wie fühlen Sie sich derzeit?

Direkt nach der EM war ich im Urlaub ein bisschen krank, aber ansonsten ist alles fit und alles cool. Ich bin deswegen auch sehr zufrieden.

2020 wartet mit den Olympischen Spielen schon das nächste absolute Highlight in noch weiter Ferne. Wie präsent ist das Thema Olympia schon bei Ihnen?

So weit denke ich ehrlich gesagt noch nicht für mich. Jetzt konzentriere ich mich erst einmal auf ein erfolgreiches Ende dieser Saison. Natürlich würde ich bei Olympia sehr gerne nochmal dabei sein. Es ist definitiv ein Karriereziel, da noch einmal gut abzuschneiden. Mit der Goldmedaille bei der EM habe ich einen großen Zwischenschritt erreicht.

Das Gespräch führte Mats-Yannick Roth

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