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"Meilenweit von 'gut' entfernt"

Naht der Abschied? Vandoorne kritisiert McLaren scharf

27.08.2018 08:22
Stoffel Vandoorne kritisiert die Arbeit von McLaren
Stoffel Vandoorne kritisiert die Arbeit von McLaren

Normalerweise sind Interviews von Stoffel Vandoorne so glanz- und farblos wie die meisten seiner Rennen. Kaum jemand im Formel-1-Fahrerlager beherrscht das "Corporate Speaking" so gut wie der Belgier, der in unzähligen Medientrainings glatt geschliffen worden zu sein scheint wie ein Stein nach eine Aufenthalt von zehn Millionen Jahren in einem Himalaya-Gebirgsfluss. Doch nach dem Großen Preis von Belgien 2018, den er auf dem letzten Platz beendete, platzte es aus dem Lokalmatador heraus.

"Es ist schwierig, ein noch schlechteres Wochenende zu erwischen", poltert der 26-Jährige los. Seine Bilanz beim zweiten Heimrennen ist haarsträubend: Letzter in allen Trainingssitzungen, Letzter im Qualifying, Letzter im Rennen. Die sportliche McLaren-Krise setzt ihm zu: "Unsere Performance ist meilenweit von 'gut' entfernt. Seit Beginn des Jahres haben wir keine Fortschritte gemacht, das ist die Realität." Für Vandoorne-Verhältnisse sind solche Worte ein Donnerwetter mit F5-Tornado.

Und sie deuten eventuell auf seinen Abschied bei McLaren hin. Denn am Freitag kam es zu einem inoffiziellen Shootout zwischen ihm und McLaren-Junior Lando Norris im ersten Freien Training. Und der Formel-2-Pilot aus Großbritannien war auf Anhieb eine Zehntelsekunde schneller, was ihn zwei Plätze vor Vandoorne brachte. Auch Esteban Ocon ist bei McLaren als Teamkollege von Carlos Sainz denkbar. Für Vandoorne wäre dann kein Platz mehr. Sein Problem: Nach wie vor gelingt es ihm nicht, einmal so etwas wie ein Highlight in der Formel 1 zu setzen.

Auch in Spa blieb der GP2-Meister von 2015 so farblos wie es seine Interviews sonst sind. "Das war nicht gerade das schönste Rennen meiner Karriere", zieht er Bilanz. "Ich war die ganze Zeit alleine." Alleine Letzter. Noch hinter dem kriselnden Williams-Team und Brendon Hartley, der ein ähnlich schwaches Rennen erlebte.

Strategie-Kniff läuft ins Leere

Auch ein Strategie-Wagnis brachte nicht das gewünschte Ergebnis: In der Safety-Car-Phase zu Beginn des Rennens kam der McLaren-Pilot an die Box, um den Soft-Reifen gegen den Medium zu tauschen. Auf diesem war er am Freitag bereits einen Longrun gefahren. Mit dem "Back-up-Reifen" fuhr er den überwiegenden Teil des Rennens bis Runde 28 und wechselte dann auf Supersoft für eine Schlussattacke. Es half alles nichts, er kam mit 6,249 Sekunden Rückstand auf Brendon Hartley auf Platz 15 ins Ziel, als Letzter in Wertung.

"Schwer zu sagen, ob der Poker richtig oder falsch war", zuckt Vandoorne mit den Schultern. "Ich denke, heute wäre es egal gewesen, was wir gemacht hätten. Es hat nicht funktioniert, aber ich denke, wir haben durch die Strategie auch nichts verloren. Das Rennen einfach langweilig für alle. Es gab keine Überholmanöver." Sein Highlight des Wochenendes: Er verschaffte einem kleinen Fan Zugang zum Fahrerlager, der ihn mit einem Schild "Nicht aufgeben, Stoff!" anfeuerte.

Die Aussichten werden für Monza nicht viel besser. "Da wird es wieder schwierig", stellt er seine Fans auf eine weitere Leidenszeit ein. "Das ist wieder eine Strecke mit vielen Geraden und höchstens einer Kurve, in der man Zeit gewinnen kann. Vielleicht bekommen wir danach noch ein paar Gelegenheiten, eventuell in Singapur."

Trotz des Drucks auf sein Cockpit bleibt Stoffel Vandoorne optimistisch. Auf die Frage, ob er sich für den Rest der Saison 2018 und für 2019 im McLaren sieht, antwortet er: "Ja, das glaube ich." Auch auf seinem Twitter-Kanal lässt er verlauten: "Ich hoffe, dass ich euch nächstes Jahr ein besseres Resultat bescheren kann."

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