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Klartext vom Red-Bull-Chef

Horner: Weder wir noch Renault wollten Carlos Sainz

24.08.2018 21:51
Wer will mich? Carlos Sainz geriet bei Red Bull und Renault aufs Abstellgleis
Wer will mich? Carlos Sainz geriet bei Red Bull und Renault aufs Abstellgleis

Bittere Pille für Carlos Sainz: Der langjährige Red-Bull-Junior war weder als Ersatz für Daniel Ricciardo noch bei seinem aktuellen Team Renault begehrt und rettet sich 2018 zu McLaren.

"Wir haben uns entschieden, diese Option nicht zu ziehen, und auch Renault hat klargestellt, dass sie diesen Weg nicht gehen wollen, wie man schon in Ungarn gesehen hat, als sie mit Esteban Ocon verhandelten", deutet Red-Bull-Teamchef Christian Horner gegenüber 'Sky Sports F1' an, dass der Spanier wohl auch ohne dem Ricciardo-Renault-Deal zwischen den Stühlen gelandet wäre.

Da man dem 23-jährigen nicht im Weg stehen wollte, "haben wir ihn von seinen Verpflichtungen bei uns befreit, um diese Gelegenheit bei McLaren zu nutzen". Dabei hatte Sainz 2014 in seinem letzten Jahr vor der Formel 1 Ricciardos nächstjährigen Red-Bull-Nachfolger Pierre Gasly im Kampf um den Meistertitel in der Renault-World-Series geschlagen.

Die Entscheidung gegen den Spanier und für den Franzosen war aber laut Horner eine klare Sache. "Wir haben Pierre auf Basis seiner Performance bei Toro Rosso ausgewählt, wo er sich so stark geschlagen hat", erklärt Horner. "Er ist ein weiteres Produkt des Juniorteams. Wir kennen ihn aus seiner Zeit als Red-Bull-Racing-Ersatzfahrer auch gut. Das war also für uns eine ziemlich klare Sache. Wir hatten zwar auch die Möglichkeit, Carlos zurückzuholen, aber in Anbetracht unserer Optionen und des Leistungsvergleichs war es richtig, Pierre zu befördern."

Rächt sich nun die Ungeduld?

Und außerdem habe man sich ja schon 2016 nach dem Rauswurf von Daniil Kwjat bei Red Bull für Verstappen als Ersatz entschieden, "als wir damals die Wahl zwischen Carlos und Max hatten". Das klingt so, als hätte man Sainz im Red-Bull-Lager nach dreieinhalb Jahren Formel 1 bereits als Mittelmaß abgestempelt.

Doch geht es wirklich nur um die Leistung? Möglicherweise spielt auch das Verhalten des Sainz-Lagers eine gewisse Rolle. Vor allem Ex-Rallye-Star Carlos Sainz sen. machte in den vergangenen Jahren medial enormen Druck, dass sein Sohn endlich befördert werden sollte - oder eben zumindest von Toro Rosso, wo er bis Oktober 2017 fuhr, freigeben werde.

Vor Spielberg 2017: Eklat zwischen Sainz und Red Bull

Als auch der Pilot selbst ohne Absprache mit seinen Chefs vor dem Österreich-Grand-Prix im Vorjahr rausposaunte, dass er eine vierte Saison beim Nachwuchsteam von Franz Tost für "unwahrscheinlich" halte, zog er sich den Unmut seines Arbeitgebers zu. Horner bezeichnet die Aussage als "ein bisschen arglistig", während Tost den Vater seines Piloten rüffelte: "Sainz sen. soll Ruhe geben!"

Da Sainz Red Bull die Karriere zu verdanken habe, fände er es "unfair, wenn dann die Väter herumlaufen und meinen, der Sohn muss da oder dort hin, ganz darauf vergessend, was überhaupt passiert ist. Ich finde es - auch dem Team gegenüber - nicht fair, solche Kommentare zu machen."

Nun steht Sainz, der sich von Red Bull stets blockiert fühlte, vor einem Schlüsseljahr in seiner Karriere: Bei McLaren muss er zeigen, dass er nach den verlorenen Stallduellen gegen Verstappen und Nico Hülkenberg das Zeug hat zum Nummer-1-Piloten - und dass er auf die Unterstützung Red Bulls nicht mehr angewiesen ist. Gelingt ihm das nicht, ist seine Formel-1-Karriere in enormer Gefahr.

Wer fährt 2019 für Toro Rosso?

Doch auch Red Bull befindet sich in keiner einfachen Lage, was den Fahrerkader angeht. Mit Gasly hat man zwar zur Überraschung vieler wieder einen vielversprechenden Piloten aus dem Hut gezaubert, doch dahinter klafft eine Lücke. "Wir haben keinen Fahrer in der Formel 2 oder in einer Serie auf ähnlichem Niveau, der als Ersatz bereit steht", gibt Horner zu. Daher gäbe es für Toro Rosso "keinen offensichtlichen Kandidaten. Wir haben ein bisschen Zeit, um einmal durchzuatmen und uns die Optionen anzuschauen."

Der große Gewinner des Red-Bull-Fahrervakuums könnte Toro-Rosso-Pilot Brendon Hartley sein, der wegen mäßiger Leistungen bereits vor dem Aus gestanden hatte. Aber sogar ein Comeback von Ex-Toro-Rosso-Pilot und Formel-E-Leader Jean-Eric Vergne tauchte in der Gerüchteküche bereits auf. "Er hat dieses Jahr in der Formel E tolle Arbeit geleistet, aber es gibt derzeit verdammt viele Spekulation", relativiert Horner. "Der ganze Fahrermarkt ist derzeit in Aufruhr, und es wird interessant, was dabei herauskommt."

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