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"Da hätte ich klare Worte finden sollen"

Rassismus gegen Özil? Grindel räumt Fehler ein

18.08.2018 23:23
Reinhard Grindel räumt Fehler im Umgang mit Mesut Özil ein
© getty, Jan Hetfleisch
Reinhard Grindel räumt Fehler im Umgang mit Mesut Özil ein

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat Fehler im Umgang mit Mesut Özil eingeräumt, einen eigenen Rücktritt aber ausgeschlossen. Kritik übte er an Teammanager Oliver Bierhoff - und dem Marketingslogan "Die Mannschaft".

"Ich hätte mich angesichts der rassistischen Angriffe an der einen oder anderen Stelle deutlicher positionieren und vor Mesut Özil stellen müssen. Da hätte ich klare Worte finden sollen. Solche Angriffe sind völlig inakzeptabel. Dass er sich da vom DFB im Stich gelassen fühlte, tut mir leid", sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes in einem Interview der "Bild am Sonntag".

Ihm sei aber wichtig zu betonen, dass er sich nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland "zu keinem Zeitpunkt" zu Özils sportlicher Leistung geäußert habe. "Für mich war immer klar, dass wir zusammen gewinnen und zusammen verlieren. Einen einzelnen Spieler für das Ausscheiden verantwortlich zu machen wäre ja absurd."

Özil hatte nach seinem Rücktritt aus der Nationalelf schwere Vorwürfe gegen den DFB und Grindel erhoben. An einen Rücktritt habe er jedoch nicht gedacht, sagte Grindel: "Ich habe sehr großen Rückhalt bei den Landesverbänden und in der Bundesliga."

Auf die Frage, ob er bis mindestens zur nächsten Wahl DFB-Präsident bleibe, antwortete er: "Davon gehe ich fest aus."

Im Zuge der angemahnten Reformmaßnahmen kündigte Grindel an, dass der Begriff "Die Mannschaft" abgeschafft werden könnte. Dieser werde an der Basis "als sehr künstlich empfunden" und sollte "auf den Prüfstand" gestellt werden, sagte er.

Eine größere Nähe zu den Fans sollte durch mehr öffentliche Trainingseinheiten oder niedrigere Ticketpreise erzeugt werden, kündigte der frühere Bundestagsabgeordnete an.

Grindel übt Kritik an Bierhoff

Weiter kritisierte Grindel eine gewisse Distanz während des Turniers zwischen der Teamleitung und dem DFB-Präsidium.

So sei er "während der WM nicht nah genug an der Mannschaft gewesen, um sagen zu können, ob das Teamquartier nicht ausreichend war, ob es in den Abläufen Dinge gab, die nicht gut waren. Da erwarte ich auch von Teammanager Oliver Bierhoff, dass das Präsidium Einblicke in die Abläufe erhält. Wir als DFB-Delegation haben manches, was jetzt im Nachhinein aus Watutinki berichtet worden ist, während des Turniers nicht vermittelt bekommen."

Konkret auf den Vorfall angesprochen, dass den Spielern im Teamquartier in Watutinki nachts das WLAN ausgeschaltet wurde, damit sie nicht mehr Playstation spielen konnten, erklärte der DFB-Boss.

"Dass dort jemand Anlass gesehen hat einzugreifen, hätten wir schon gern gewusst", sagte Grindel und forderte: "Wir müssen wieder intensiver miteinander reden."

An Bierhoff, dessen Vertrag erst im Mai bis 2024 verlängert wurde, will Grindel dennoch festhalten. Allerdings halte er eine Entlastung des Europameisters von 1996 für notwendig.

"Es wird eine Entlastung geben, weil wir einen Leiter der neuen DFB-Akademie bekommen. Es wird auch einen Nachfolger von Horst Hrubesch als Sportdirektor geben, der Bierhoff ebenfalls entlasten wird. Ansonsten muss er in den nächsten Monaten selbst überprüfen, ob er das alles leisten kann, das haben wir so auch verabredet", so Grindel, den "die gesamten Vorgänge dieses Sommers natürlich auch persönlich sehr berührt" hätten.

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