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Athleten kämpfen ums Berliner Olympiastadion

10.08.2018 15:50
Im Olympiastadion in Berlin wurde bereits Geschichte geschrieben
Im Olympiastadion in Berlin wurde bereits Geschichte geschrieben

Die deutschen Leichtathleten schwärmen weiter vom Berliner Olympiastadion und begrüßen eine Bewerbung für die EM 2022. Für einen solchen Fall wäre der Umbau in eine reine Fußball-Arena wohl vom Tisch.

Im Kampf um das Berliner Olympiastadion als Leichtathletik-Standort lassen die Athleten nicht locker. Der frisch gebackene Speerwurf-Europameister Thomas Röhler sprach sich dafür aus, dass sich Berlin für die European Championships 2022 bewerben solle. Sollte die Idee umgesetzt werden, wäre der Umbau des Olympiastadions in eine reine Fußball-Arena wohl vom Tisch.

"Ich finde die Idee super. Und ich würde als einer der Ersten die Bewerbungspapiere dafür unterschreiben", sagte Röhler am Tag nach seinem Goldwurf zu dem Vorschlag. Bei den European Championships wurden seit der vergangenen Woche Europameisterschaften in mehreren Disziplinen in Glasgow und Berlin ausgetragen. Das Modell wird als Erfolg gewertet, 2022 soll das gesamte Programm an einem Ort stattfinden.

Dann wäre Berlin Austragungsort einer Mega-EM, und die Leichtathletik hätte wieder ihren großen Auftritt im Olympiastadion, das von den Athleten bei jeder sich bietenden Gelegenheit während der laufenden EM gelobt wird. "Ich glaube, so etwas werde ich nie wieder erleben", sagte Pamela Dutkiewicz nach ihrem Silberlauf über 100 m Hürden über die Stimmung im Stadion.

Hauptmieter Hertha BSC denkt an Umbau

Doch ob es eine Zukunft für die Leichtathletik in der 5-Sterne-Arena gibt, steht weiter in den Sternen. Derzeit werden Gespräche über einen Umbau geführt, da sich Hauptmieter Hertha BSC in dem Stadion nicht mehr wohlfühlt. Zu den Heimspielen des Fußball-Bundesligisten ist das Stadion in der Regel nur zur Hälfte gefüllt, durch die Laufbahn und die große Entfernung zwischen Zuschauerrängen und Rasen kommt keine richtige Stimmung auf.

Deshalb erwägt der Bundesligist unter anderem einen Umbau in eine reine Fußball-Arena. Damit würde die Leichtathletik ihr letztes Stadion in Deutschland verlieren, in dem auch Weltmeisterschaften ausgetragen werden können. "Die Kernsportart der Olympischen Spiele aus dem Olympiastadion zu verbannen, ist das Dümmste, was man machen kann", sagte Sprinterin Gina Lückenkemper nach ihrer Silber-Party auf der blauen Bahn über 100 m.

Harting schlägt Multifunktionsarena vor

Zuletzt wurde zwischen Hertha und dem Berliner Senat auch ein Vorschlag erörtert, der den Wegfall der Laufbahn vorsieht. Für große Leichtathletik-Events könnte diese aber temporär wieder installiert werden. Ein Ansatz, dem auch Diskus-Ass Harting einiges abgewinnen kann. "Wir sind doch ein Land der Ingenieure. Warum kriegt man keine Multifunktionsarena hin. Sollen sie doch die Köpfe zusammenstecken", sagte der Berliner über sein "Wohnzimmer".

In der Tat hängen viele Leichtathleten an der Arena, die historisch eine besondere Bedeutung hat. 1936 gewann dort der dunkelhäutige Jesse Owens zum Verdruss der Nazi-Gastgeber viermal olympisches Gold, 2009 bei der WM stürmte Owens Nach-Nachfolger Usain Bolt zu seinen beiden Fabel-Weltrekorden über 100 und 200 m, die heute noch Bestand haben.

Stadion, in dem Geschichte geschrieben wurde

Doch die EM-Organisatoren müssen auch feststellen, dass es nicht einfach ist, eine solche Schüssel zu einer EM zu füllen. An den besten Tagen kamen bislang rund 40.000 Zuschauer zu den Wettkämpfen. Selbst beim Abschied von Diskus-König Robert Harting waren viele Reihen leer geblieben.

270.000 Tickets hatten die EM-Veranstalter im Vorfeld verkauft, 309.000 Eintrittskarten müssen abgesetzt werden, um eine schwarze Null zu erreichen. Spätestens nach den letzten Disziplinen am Sonntag wird man wissen, ob sich eine EM im Olympiastadion auch wirklich bezahlt macht.

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