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Nach Einweisung: Ullrich hat Psychiatrie verlassen

11.08.2018 17:36
Jan Ullrich wurde in Frankfurt in Gewahrsam genommen
Jan Ullrich wurde in Frankfurt in Gewahrsam genommen

Der Absturz von Jan Ullrich wird immer dramatischer. Am Freitag, als er nach seinen jüngsten Eskapaden auf Mallorca eigentlich eine Therapie beginnen wollte, wurde der frühere Radstar in Frankfurt wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung an einer Prostituierten vorläufig festgenommen. Nach einem neuerlichen Ausraster auf der Wache wurde der 44-Jährige vorübergehend in eine Psychiatrie eingewiesen.

Nachdem für den Freitagnachmittag bereits eine Freilassung Ullrichs angekündigt wurde , weil "die Voraussetzungen für eine Inhaftierung nicht vorliegen", wie es in einer gemeinsamen Presseerklärung der Staatsanwaltschaft und der Frankfurter Polizei hieß, kam es beim Verlassen des Präsidiums nach Angaben der Sprecherin zu einem nicht näher beschriebenen Zwischenfall, so dass den Beamten aufgrund des körperlichen Zustandes nichts Anderes übrig geblieben sei als der Schritt, Ullrich in eine Psychiatrie zwangseinzuweisen.

Laut "Bild"-Informationen hat der einstige Tour-de-France-Sieger diese am Samstagmittag wieder verlassen. Es liege nun in der Verantwortung der Fachkräfte, über das weitere Vorgehen zu entscheiden, sagte eine Sprecherin zuvor der Nachrichtenagentur "AFP". 

Bei einer Zwangseinweisung sieht das Gesetz vor, dass der Betroffene von Ärzten überwacht werden muss, bevor die Mediziner gemeinsam mit dem Haftrichter entscheiden, ob der Eingewiesene die psychiatrische Klinik verlassen darf. Diese Entscheidung fiel offensichtlich am Samstagmittag.

Verhaftung nach Drogenexzess gefährlicher Körperverletzung

Ullrich wird beschuldigt, "eine 31-jährige Escortdame in einem der Hotelzimmer nach einem Streit angegriffen zu haben", hieß es in dem Statement von Staatsanwaltschaft und Polizei am Freitagnachmittag.

Letztlich sei es der "verletzten Frau" gelungen, die Polizei zu verständigen: "Als die Beamten eintrafen und den Mann vorläufig festnehmen wollten, leistete dieser Widerstand. Mutmaßlich stand der Beschuldigte unter Alkohol- und Drogeneinfluss." Derzeit werde wegen "versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung" ermittelt, die Ermittlungen seien "noch nicht abgeschlossen".

"Kein Antrag auf Erlass eines Haftbefehls"

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft dem "SID" mitgeteilt, "der Beschuldigte" solle die Frau "gewürgt haben, bis ihr schwarz vor Augen wurde". Der Vorfall hatte sich in einem Nobelhotel zugetragen. Die "Villa Kennedy" im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen ist auch das bevorzugte Quartier der Fußball-Nationalmannschaft in der Main-Metropole.

Dort hatte sich Ullrich mit der Prostituierten getroffen, im Verlaufe der Zusammenkunft sei es zum Streit gekommen. Nach derzeitigem Erkenntnisstand sieht die Staatsanwaltschaft aber "keinen dringenden Tatverdacht wegen versuchten Totschlags, sodass aktuell kein Antrag auf Erlass eines Haftbefehls gestellt wird", hieß es in der Stellungnahme von Oberstaatsanwältin Nadja Niesen weiter.

Ullrich zunächst "nicht vernehmungsfähig"

Neben der Geschädigten sollen im Verlaufe der Ermittlungen noch "weitere Zeugen" vernommen werden, Ullrich selbst sei zunächst nicht vernehmungsfähig gewesen. Kurze Zeit später erklärte eine Polizeisprecherin, dass Ullrich "rechtliches Gehör gegeben" worden sei und er "von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht" habe.

Der Aufenthalt in der Arrestzelle hatte offenbar mit dem zwischenzeitlich desaströsen Zustand Ullrichs zu tun, der eine Vernehmung bis zum Freitagnachmittag unmöglich machte.

Auf Totschlag steht eine Strafe von fünf bis 15 Jahren, wobei im Fall Ullrich nur ein Versuch vorliegt der erheblich strafmindernd wirken würde. Gefährliche Körperverletzung wird mit sechs Monaten bis zehn Jahren Gefängnis geahndet, solange keine verminderte Schuldfähigkeit oder Schuldunfähigkeit vorliegt. Wolfgang Hoppe, der Anwalt des Tour-de-France-Siegers von 1997, wollte sich zu den Vorwürfen gegen seinen Mandanten auf "SID"-Anfrage nicht äußern.

Mehrere Gramm Rauschgift gefunden?

Nach Informationen der "BILD"-Zeitung, die zuerst von der Festnahme berichtet hatte, seien in Ullrichs Hotelzimmer mehrere Gramm Rauschgift (weiße Substanz, Kokain oder Speed) sichergestellt worden, was die Polizei nicht bestätigte.

Ullrich war am Donnerstagabend aus Mallorca angereist, um in Deutschland eine Therapie zu beginnen. Wenige Tage zuvor war er auf der Urlaubsinsel nach einem Zwischenfall auf dem Grundstück seines Nachbarn Til Schweiger vorübergehend festgenommen worden. Kurz vor seiner Abreise nach Deutschland sagte er der "BILD": "Ich habe ein gutes Bauchgefühl, fühle mich wohl. Das wird mein Neustart."

Ullrich hatte am Montag zugegeben, dass er sich in einer schweren Lebenskrise befindet. Er räumte den Konsum von Drogen ein und kündigte an, "aus Liebe zu meinen Kindern" eine Therapie beginnen zu wollen.

Nächster Tiefpunkt für Jan Ullrich

Das Polizeipräsidium Frankfurt-Sachsenhausen bestätigte mittlerweile, die genauen Umstände zum Tatablauf seien derzeit Gegenstand der Ermittlungen. Das "verletzte Opfer musste medizinisch versorgt werden". Ullrich konnte indes noch nicht vernommen werden. "Der Beschuldigte muss erst in der Lage sein, der Vernehmung zu folgen", zitiert die "Bild" Polizeisprecherin Carina Lerch.

Ullrich hatte Anfang August für negative Schlagzeilen gesorgt. Der frühere Radstar war auf der spanischen Urlaubsinsel Mallorca nach einem Zwischenfall auf dem Grundstück seines Nachbarn Til Schweiger vorübergehend festgenommen worden.

Frühere Weggefährten wie Lance Armstrong sagten Jan Ullrich daraufhin ihre Unterstützung zu. Ullrich selbst sagte nach seinem Drogengeständnis zu, sich in Deutschland therapieren zu lassen. Kurz vor seiner Abreise berichtete er noch gegenüber der "Bild": "Ich habe ein gutes Bauchgefühl, fühle mich wohl. Das wird mein Neustart."

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