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Klein, aber oho: Green Bay Packers gehen in 100. Saison

08.08.2018 12:48
Green Bay Packers wollen den Super Bowl erreichen
© getty, Streeter Lecka
Green Bay Packers wollen den Super Bowl erreichen

Die Green Bay Packers aus der NFL sind der außergewöhnlichste Profi-Klub in Nordamerika. Am Donnerstag starten sie in ihre 100. Saison.

Die kleine Stadt Green Bay liegt, wie sollte es anders sein, an der Green Bay, einem großen Anhängsel des Lake Michigan, 300 Kilometer nördlich von Chicago.

Laut der letzten Volkszählung wohnen dort um die 105.000 Menschen, nicht viel im Vergleich: 271 Städte in den USA sind größer. Green Bay im US-Bundesstaat Wisconsin ist freilich einzigartig - wegen der Packers, die am Donnerstag in ihre 100. Saison starten.

Das Spiel gegen die Tennessee Titans ist nur ein Preseason Game, also ein Test für die am zweiten September-Wochenende beginnende Regular Season. In Green Bay spielt das keine Rolle. Das Lambeau Field mit seinen 81.411 Plätzen wird ausverkauft sein, wie immer seit 1960, auf der Warteliste für die Dauerkarten stehen 133.702 Namen. Die Anhänger nennen sich selbstironisch "Käseköpfe", auf dem Kopf tragen sie riesige Käsestücke aus Schaumstoff.

Begonnen hat das alles am 11. August 1919, als "Curly" Lambeau und George Whitney Calhoun eine Football-Mannschaft gründeten - mit 500 Dollar Startkapital von der Indian Packing Corporation, Lambeaus Arbeitgeber. Einzige Bedingung: Die Mannschaft sollte Packers heißen. Kein Problem. Die Packers spielten zunächst als unabhängige, liga-ungebundene Mannschaft, 1921 dann traten sie der National Football League bei.

Packers nicht im Besitz eines Milliardärs

Im Football hat es Green Bay in den vergangenen 99 Jahren zur "Titletown USA" gebracht: 13-mal gewannen die Packers den Titel der NFL, 1967 und 1968 zudem die ersten beiden Super Bowls gegen den Champion der American Football League, nach der Fusion beider Ligen 1970 noch zwei weitere, 1997 und 2011.

Dazwischen standen die Packers immer mal wieder vor dem Kollaps, jedes Mal wurden sie von ihren unerschütterlichen Anhängern gerettet.

Und das macht die Packers so einzigartig: Bis heute gehören sie keinem milliardenschweren Besitzer oder einer Investoren-Gruppe. Sie sind vielmehr das Eigentum von derzeit 361.060 Aktionären, die mittlerweile 5.011.557 Anteilsscheine halten. Keiner darf dabei mehr als 200.000 besitzen. Es gibt kein Stimmrecht, keine Gewinnausschüttung. Beim letzten Verkauf 2011 wurden 269.640 Aktien ausgegeben, der Klub nahm 67.407.750 Dollar ein.

"Ich glaube, wir sind die größte Geschichte im Sport. Wir sind einzigartig. Dieses Team lag andauernd auf dem Totenbett. Keiner hat eine Geschichte wie wir", sagt Cliff Christl, der Historiker der Packers. Vor allem hatte keiner Vince Lombardi. Er übernahm die Packers 1959 als Chefcoach, er machte sie richtig groß, bis zu seinem Abschied 1967 gewann "The Pack" fünfmal den Titel der NFL - und eben die ersten beiden Super Bowls.

Aaron Rodgers soll Packers in den Superbowl führen

Lombardi, 1970 im Alter von 57 Jahren verstorben, ist nicht nur wegen seiner Erfolge eine Legende. Er war unerbittlich zu seinen Spielern, doch er war vor allem auch ein Mann mit Prinzipien: Er verlange "Nothing but Acceptance" - also bedingungslosen Respekt gegenüber allen Menschen, er selbst machte sich stets stark für Schwarze und Homosexuelle. Im Jahr von Lombardis Tod wurde die Trophäe für den Super Bowl-Sieger nach ihm benannt.

Wichtigster Packer der Gegenwart ist Quarterback Aaron Rodgers. Er ist legitimer Nachfolger legendärer Anführer wie Bart Starr und Brett Favre - und der entscheidende Mann beim Versuch, die 100. Saison erfolgreich zu beenden.

Erfolgreich heißt: Sieg im Superbowl LIII (53) am 3. Februar 2019 in Atlanta. In Green Bay würden dann mehr Menschen feiern als es Einwohner gibt.

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