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Kroatiens Vida: Schräger Typ mit großem Herz

12.07.2018 13:05
Domagoj Vida lässt sich nicht gerne verbiegen
Domagoj Vida lässt sich nicht gerne verbiegen

Die russischen Zuschauer pfeifen ihn aus, seine Friseur ist ein wenig daneben, doch Domagoj Vida, einst bei Bayer Leverkusen für untauglich befunden, ist die gute Seele der Kroaten.

Die Szenen lange nach dem Schlusspfiff hatten etwas Rührendes. Die Kinder der kroatischen Spieler tobten mit einem Ball über den verlassenen Rasen, sie schossen ihn zwei Mal ins Tor vor der Tribüne der kroatischen Anhänger - dort hatte zuvor Mario Mandzukic den Siegtreffer zum 2:1 nach Verlängerung im WM-Halbfinale gegen England erzielt. Da eilte Domagoj Vida hinzu, nahm die Kinder an die Hand und hob ihre Arme zum Jubel in die Höhe. Auf der Tribüne brüllten sie vor Begeisterung.

Vida (29) sieht nicht unbedingt aus wie ein feinfühliger Mensch. Schon sein eigenwilliger blonder Haarzopf verbunden mit seinem linkisch wirkenden Lächeln verleiht ihm bisweilen das Aussehen eines Türstehers, der keinen Spaß versteht. Auf dem Platz geht er humorlos bis rustikal zu Werke, er schont weder sich noch Gegenspieler. Bei den Russen hat er es sich verscherzt, weil er zwei Mal seine Sympathien für die Ukraine kundtat. Gegen England wurde er dafür vom russischen Publikum permanent ausgepfiffen.

Nach dem Spiel äußerte er sich eher einsilbig zu den Vorfällen. "Dieser Sieg ist für Kroatien. Keine Politik", sagte er. Nach dem Viertelfinal-Sieg gegen Russland, bei dem er einen Treffer zum 2:2 und einen im Elfmeterschießen beigesteuert hatte, war ein Video von Vida aufgetaucht, in dem er "Ruhm der Ukraine" gerufen hatte, den Slogan der revolutionären Bewegung, die 2014 den von Russland unterstützten Präsidenten Viktor Yanukovitsch gestürzt hatte.

Vida-Videos sorgen für Ärger

Nach einer Verwarnung durch die FIFA tauchte ein weiteres Video auf, in dem Vida erneut "Ehre für die Ukraine" rief und außerdem "Belgrad brennt". Zur Erklärung fügte er allerdings gleich an: "Ich grüße die Kneipe Beograd (Belgrad) in Kiew, da waren wir häufig." Anschließend sang er das Lied "Die Kneipe ist mein Schicksal". Der ebenfalls im Video zu sehende kroatische Scout Ognjen Vuckojevic wurde daraufhin vorsichtshalber nach Hause geschickt.

Vida, so viel noch zur Erklärung, hat früher bei Dynamo Kiew gespielt. Er stand auch mal bei Bayer Leverkusen unter Vertrag, in der Saison 2010/11 kam er aber nur ein Mal in der Bundesliga und acht Mal in der Europa League zum Einsatz. Seit vergangener Saison rackert er für Besiktas Istanbul. Im Nationalteam ist er wohl der technisch minderbegabteste, und trotzdem unverzichtbar: Vida verkörpert die gute Seele der Mannschaft. Ein skurriler Kerl mit großem Herzen, auf den man sich stets verlassen kann.

Unabhängig davon: Das Lied mit der Kneipe und dem Schicksal trifft auf Vida durchaus zu. Seine enge Beziehung zu Bier ist gut dokumentiert, seine Prioritäten sind eindeutig. "Auf eine einsame Insel würde ich meine Freundin, einen Ball und Bier mitnehmen", hat er mal scherzhaft gesagt. Geändert hat sich daran nur eines: Die Freundin, eine ehemalige "Miss Kroatien" namens Ivana, ist mittlerweile seine Frau. Und beide haben einen Sohn, David, der wohl auch nach dem Finale gerne über den Rasen hüpfen würde.

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