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BVB-Neuzugang Hakimi: Wunderkind mit Schwächen

12.07.2018 14:06
Achraf Hakimi wechselt von Real Madrid zum BVB
Achraf Hakimi wechselt von Real Madrid zum BVB

Borussia Dortmund hat mit Achraf Hakimi den sechsten Neuzugang für die kommenden Spielzeit unter Dach und Fach gebracht. Der 19 Jahre alte Rechtsverteidiger wechselt von Real Madrid zum BVB. Hakimi gilt als Riesentalent, weist aber auch noch eklatante Schwächen auf. sport.de beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem Transfer.

Wer ist Achraf Hakimi?

Der Sohn marokkanischer Einwanderer wurde am 4. November 1998 in Madrid geboren. Bereits im Alter von sieben Jahren schloss sich Hakimi der Nachwuchsabteilung von Real Madrid an. Bei den Königlichen durchlief er sämtliche Jugendmannschaften als Stammspieler.

Im Oktober 2017 gab Hakimi im Ligaspiel gegen Espanyol Barcelona sein Profidebüt. "Ich bin sehr zufrieden mit seiner Leistung. Es war sein erstes Pflichtspiel hier, im Bernabeu, er hat das spektakulär gemacht", lobte ihn der damalige Trainer Zinédine Zidane nach dem 90-minütigen Einsatz.

Insgesamt absolvierte Hakimi 17 Pflichtspiele für Real. Für Marokko stand der Youngster bei der WM in Russland in allen drei Spielen in der Startelf.

Die britische "Sun" bezeichnete den Teenager als "Wunderkind", laut BVB-Sportdirektor Michael Zorc habe der neue Mann sowohl im Vereinsdress als auch im Nationalteam "schon auf höchstem Niveau gespielt".

Was verspricht sich der BVB von Achraf Hakimi?

Hakimi soll Lukasz Piszczek auf der rechten Dortmunder Abwehrseite entlasten, den Polen in absehbarer Zeit womöglich sogar als Stammspieler ablösen.

Piszczek demonstrierte bei seinen WM-Einsätzen zuletzt eindrucksvoll, dass er seinen Leistungszenit überschritten hat. Zudem fiel der 33-Jährige in den letzten Jahren aufgrund zahlreicher Verletzungen immer wieder aus. Hakimi wird also auf jeden Fall auf seine Einsatzminuten kommen.

Wie kam der Wechsel von Achraf Hakimi zum BVB zustande?

Bei Real geriet Hakimis Entwicklung zuletzt ins Stocken. Richtig überzeugen konnte das Talent nach seinem vielgelobten Debüt gegen Espanyol nur selten. "Er konnte in der Spielzeit 2017/18 wenig von seinen Qualitäten zeigen", resümiert Nils Kern, Chefredakteur des Portals "Real Total", gegenüber den "Ruhrnachrichten".

Dementsprechend groß war das Interesse der Königlichen, dem Rohdiamanten bei einem anderen Klub Spielpraxis auf hohem Niveau zu verschaffen. "Der BVB kriegt ein großes Talent, das man behutsam aufbauen muss - sowas kann der BVB doch besser als Real", sagt Kern.

Dass der spanische Rekordmeister immer noch an sein Eigengewächs glaubt, ist der große Haken an dem Transfer aus Sicht des BVB: Hakimi wechselt auf Leihbasis für zwei Jahre ins Ruhrgebiet. Eine Kaufoption besitzen die Dortmunder nicht.

Zwar sicherte sich der Revierklub nach "kicker"-Informationen ein Erstzugriffsrecht. Dieses kommt jedoch nur zum Tragen, wenn Real den Profi 2020 nicht nach Madrid zurückbeordert. Und selbst dann müsste sich die Borussia eine positive Entwicklung Hakimis vorausgesetzt gegen zahlungskräftige internationale Konkurrenz durchsetzen.

>> Kaderplanung 2018/2019: Diese Sommer-Transfers der Bundesligisten sind fix

Was sind die Stärken von Achraf Hakimi?

Pfeilschnell, spielstark, beeindruckend ausdauernd - Hakimi bringt alles mit, was einen modernen Außenverteidiger auszeichnet.

Im Vorwärtsgang besticht die Nachwuchshoffnung durch clevere Diagonalbälle und starke Flanken. Die Vergleiche mit Gareth Bale, der seine Karriere ebenfalls auf der defensiven Außenbahn startete, kommen nicht von ungefähr.

Hakimi ist zudem flexibel einsetzbar. Während der Rechtsfuß bei Real nahezu ausschließlich auf der rechten Seite agierte, spielt er in der marokkanischen Nationalmannschaft zuletzt immer links - und das zumindest bei der WM nicht schlecht.

Ehemalige Teamkollegen: Achraf Hakimi (l.) und Cristiano Ronaldo
Ehemalige Teamkollegen: Achraf Hakimi (l.) und Cristiano Ronaldo

Wo liegen die Schwächen von Achraf Hakimi?

Häufig fällt es dem Jungspund schwer, seinen Offensivdrang zu zügeln. Die defensive Absicherung verliert Hakimi dementsprechend regelmäßig aus den Augen. Dazu kommen ein ausbaufähiges Stellungsspiel sowie ein oftmals zu zurückhaltendes Zweikampfverhalten.

Bei seinen Einsätzen im Madrider Star-Ensemble offenbarte Hakimi zudem immer wieder Abstimmungsprobleme mit den Teamkollegen - ein Problem, das auch seiner mangelnden Spielpraxis geschuldet sein dürfte.

Was bedeutet die Hakimi-Verpflichtung für die Kaderplanung des BVB?

Für den erst im letzten Sommer aus Hoffenheim geholten Jeremy Toljan wird die Luft in Dortmund dünn.

Der U21-Europameister von 2017 gilt spätestens nach der Verpflichtung von Hakimi als Verkaufskandidat, da er auf der rechten Abwehrseite hinter Piszczek und der Real-Leihgabe nur noch die Nummer drei ist.

Für Toljan gilt dasselbe wie für André Schürrle, Sebastian Rode oder Erik Durm: Kommt ein Klub mit einem adäquaten Angebot auf den BVB zu, wird dieser gesprächsbereit sein.

Tobias Knoop

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