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VfB Stuttgart: Das dicke Fragezeichen hinter Pavard

12.07.2018 15:35
VfB Stuttgart bangt weiter um WM-Star Benjamin Pavard
VfB Stuttgart bangt weiter um WM-Star Benjamin Pavard

Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart hat seine Hausaufgaben auf dem Transfermarkt eigentlich bereits erledigt. Sportvorstand Michael Reschke machte einen vielversprechenden Job. Doch die andauernden Spekulationen um einen Abgang von WM-Star Benjamin Pavard lassen die Schwaben noch nicht zur Ruhe kommen. Das Transfer-Zwischenzeugnis.

Das Tor: Zwischen den Pfosten nichts Neues

Auch in der zweiten Sommer-Transferperiode unter der Leitung von Michael Reschke gab es beim VfB Stuttgart große Fluktuation. Nicht so im Tor: Die Schwaben gehen unverändert mit Ron-Robert Zieler, Jens Grahl und Alexander Meyer in die neue Saison.

Allerdings zog sich Letzterer am Mittwoch im Training einen Teilriss des vorderen Kreuzbandes zu und fällt mehrere Monate aus. Ersatz soll jedoch nicht geholt werden. Der VfB kompensiert den Ausfall mit der Beförderung von Nachwuchs-Keeper Florian Kastenmeier zu den Profis. 

Die Rollen bei den Keepern sind klar verteilt: Zieler ist nach einer starken ersten Spielzeit im Trikot des VfB die klare Nummer eins. Der 29 Jahre alte Weltmeister von 2014 gibt dem jungen Team Sicherheit, war ein wichtiger Faktor dafür, dass Stuttgart mit 26 Gegentreffern nach den Bayern (28) die besten Defensive der Liga stellte. Nur Schalkes Ralf Fährmann (13 Spiele zu Null) hielt seinen Kasten häufiger sauber als Zieler, der in zwölf Partien kein Gegentor zuließ.

"Er hat sich immer sehr viel in die Mannschaft eingebracht", lobte Trainer Tayfun Korkut den Routinier. Dieser sieht seinen von den VfB-Fans zunächst durchaus kritisch beäugten Wechsel inzwischen als "Win-Win-Situation".

Hinter Zieler steht mit Grahl ein solider Backup parat.

Die Abwehr: Das Fragezeichen hinter Pavard

Eigentlich steht die Abwehr des VfB. Eigentlich. Denn der beste Verteidiger ist gleichzeitig auch das größte Problem bei der Kaderplanung für Reschke und Co.

Benjamin Pavard hat nach einer überragenden Bundesliga-Saison spätestens mit seinen starken Leistungen bei der WM in Russland ausnahmslos jeden europäischen Top-Klub auf sich aufmerksam gemacht. "Wir wollen Benji davon überzeugen, dass der VfB noch ein Jahr sein Klub ist. Wir werden darum kämpfen", sagte Reschke zuletzt.

Ob Stuttgart diesen Kampf gewinnen kann, steht in den Sternen. Längst werden Summen weit jenseits der 50-Millionen-Euro-Grenze für einen sofortigen Wechsel Pavards gehandelt. Sollte der FC Bayern oder ein internationales Schwergewicht beim 22-Jährigen ernst machen, würde sein Abgang ein klaffendes Loch in die Planungen des VfB reißen.

Bleibt Pavard, ist die Defensive des VfB auf dem Papier hervorragend aufgestellt. Timo Baumgartl, Marcin Kaminski, "Rückkehrer" Holger Badstuber und Neuzugang Marc Oliver Kempf (SC Freiburg) stehen als Pavards mögliche Partner in der Innenverteidigung parat. 

Mit Pablo Maffeo (Manchester City) und Borna Sosa (Dinamo Zagreb) fanden zwei hochtalentierte Akteure den Weg nach Stuttgart, um die Schwachstelle Außenverteidigung zu beheben. Hinzu kommen die erfahrenen Emiliano Insúa und Andreas Beck.

Das Mittelfeld: Zwei namhafte Neue für mehr Flexibilität

Apropos Erfahrung: Das Mittelfeld des VfB konnte der umtriebige Reschke mit den Transfers zweier gestandener Bundesliga-Profis noch einmal richtig aufwerten.

Gonzalo Castro kommt mit der Empfehlung von 358 Einsätzen im Oberhaus sowie 30 Champions-League-Spielen von Borussia Dortmund. Beim BVB war der 31-Jährige zuletzt nicht mehr erste Wahl. Für den VfB könnte sich der angeblich fünf Millionen Euro teure Allrounder als Glücksgriff erweisen - genauso wie Daniel Didavi.

Für den ehemaligen Wolfsburger ist der Wechsel nach Stuttgart eine Rückkehr zu den Wurzeln. Der 28-Jährige stammt aus der VfB-Jugend, machte auch seine ersten Gehversuche bei den Profis im Trikot mit dem roten Brustring.

Stuttgart sei für ihn "eine Herzensangelegenheit", erklärte der torgefährliche Spielmacher. Angeblich nahm Didavi für den Wechsel in die Heimat Gehaltseinbußen in Höhe von 40 Prozent in Kauf.

Mit Santiago Ascacíbar und Erik Thommy verfügt der VfB in diesem Mannschaftsteil zudem über zwei junge, aber bereits hinreichend bewährte Kräfte.

Letzteres gilt natürlich auch für Kapitän Christian Gentner, der dank Castro eine etwas offensivere Rolle einnehmen könnte. Der vielseitig einsetzbare Routinier Dennis Aogo und Perspektivspieler David Kopacz (kam von Dortmund II) komplettieren das Mittelfeld.

Der Angriff: Der alte Mann und das junge Talent

Ein Luxusproblem weniger beim VfB: Daniel Ginczek scheute den Konkurrenzkampf mit dem gesetzten Mario Gomez und zog es vor, sein Glück beim Liga-Konkurrenten VfL Wolfsburg zu suchen.

Für den 27-Jährigen flossen zehn Millionen Euro aus der Autostadt ins Ländle. Zudem ermöglichte sein Transfer den Didavi-Deal.

Um einen Nachfolger für Ginczek zu verpflichten, ließ Reschke einmal mehr seine guten Drähte nach Südamerika glühen. Von Argentinos Juniors kam Nicolás González an den Neckar. Der 20-Jährige gilt als vielseitig begabter Stürmer, der zudem auch bei harter Gangart des Gegners über Nehmerqualitäten verfügt.

Allerdings: Ein echter Knipser ist González (noch) nicht. In 44 Ligaspielen für seinen Heimatklub erzielte er lediglich elf Treffer. Hinter dem inzwischen 33 Jahre alte Gomez soll das Talent reifen.

Anastasios Donis und der zuletzt lange verletzte Chadrac Akolo dürften als Spezialwaffen für bestimmte Spielsituationen ebenfalls eine große Rolle in Korkuts Überlegungen spielen.

Das Fazit: Gute Arbeit, große Herausforderung

Michael Reschke macht seinem Ruf als gewiefter Transfer-Fuchs wieder einmal alle Ehre. Dank des ehemaligen Kaderplaners des FC Bayern hat der VfB bereits zu Beginn der Vorbereitung seinen Kader im Prinzip zusammen.

Vor allem die taktische Flexibilität wurde durch die Neuzugänge deutlich erhöht, Coach Korkut bieten sich nun mehr Variationsmöglichkeiten.

Doch Reschke wäre nicht Reschke, wenn er den Markt nicht auch in den kommenden Wochen im Auge behalten würde. "Man hat im August die Möglichkeit, sehr interessante, gute Entscheidungen zu treffen", sagte der frühere Leverkusen-Manager unlängst.

Eine große Herausforderung wird auf den 60-Jährigen zukommen, sollte tatsächlich ein Groß-Klub an Pavard herantreten und sich dieser wechselwillig zeigen.

Dann muss Reschke entscheiden, ob er entweder die höchstmögliche Ablöse herausschlägt (und das Risiko eingeht, keinen adäquaten Nachfolger zu finden) oder den umworbenen Abwehrmann zum Bleiben zwingt - und dadurch womöglich Unruhe in die Mannschaft bringt.

Tobias Knoop

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