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Vor 20 Jahren: Als Zidane Frankreich zum WM-Titel köpfte

12.07.2018 07:07
Zidane traf im Finale gleich doppelt per Kopf
Zidane traf im Finale gleich doppelt per Kopf

Am 12. Juli 1998 krönte sich Frankreich zum ersten Mal zum Weltmeister. Im Endspiel im Stade de France von St. Denis wurde Brasilien mit 3:0 entzaubert.

Als der Schlusspfiff im Stade de France ertönte, wurden Paris und der Eiffelturm über Stunden von einem gigantischen Feuerwerk erstrahlt. Eine Millionenschar überschwemmte an jenem 12. Juli 1998 die Prachtstraße Champs Elysees, der französische Nationalfeiertag wurde einfach zwei Tage vorgezogen.

Alle hundert Meter verschenkten Barbesitzer oder Privatleute ein Glas Champagner. Die Metrostationen waren wegen Überfüllung geschlossen, wer zum Triumphbogen wollte, auf den ein überdimensionales Bild von Zidane projiziert worden war, musste mit Millionen anderen Kilometer weit laufen.

Im ganzen Land ähnelten sich die Bilder. Die Grande Nation feierte mit Autokorsos, spontanen Partys und einem selten erreichten Zusammenhalt. Denn: Der Titelgewinn durch das 3:0 gegen Brasilien schweißte eine Gesellschaft zusammen, die in multikulturelle Einzelteile zu zerfallen drohte. Bei der WM wurde offensichtlich, dass "BBB" "black, blanc, beur", wie die Franzosen über Schwarze, Weiße und Araber sagen, gemeinsam Großes erreichen können.

Die "L'Equipe", immer noch eine Referenzzeitung im weltweiten Sport, hatte damals einen Tag nach dem denkwürdigen Endspiel der Équipe Tricolore die Schlagzeile "Für die Ewigkeit!" gewählt. In dem Leitartikel hieß es: "Nichts wird mehr sein wie zuvor. Frankreich gehört jetzt dem geschlossensten Kreis des Erdballs an. Dem, der eine Fußball-Weltmeisterschaft gewonnen hat."

Sozialer Friede? Pure Illusion!

Zinédine Zidane avancierte durch seine beiden Kopfballtore (!) im Finale zum Volkshelden. "Zizou", der Mann mit den algerischen Vorfahren, wurde plötzlich geliebt, ja verehrt. Frankreich lag ihm zu Füßen.

Zidane, Marcel Desailly, Lilian Thuram, Torhüter Fabien Barthez, Abwehrchef Laurent Blanc und nicht zuletzt Kapitän Didier Deschamps, der heutige Nationalcoach der Équipe Tricolore, waren die Führungsspieler einer Mannschaft, die als Schmelztiegel von Kickern mit unterschiedlichen ethnischen Wurzeln die Fußball-Welt in jenen Wochen im Juni und Juli 1998 aus den Angeln hob.

Der Freudentaumel hielt nur ein paar Tage
Der Freudentaumel hielt nur ein paar Tage

Doch was ist geblieben von dem rauschenden Fest von damals? Die nationale Einheit von "BBB" hat nur ein paar Wochen gehalten. Dass Fußball sozialen und politischen Frieden stiftet, war eine pure Illusion.

In den Banlieus, den tristen Vorstädten der französischen Metropolen, gibt es immer wieder Krawalle, lehnen sich die in der Mehrzahl dunkelhäutigen Bewohner gegen den in der französischen Gesellschaft nach wie vor propagierten Rassismus und gegen ihre eigene soziale Hoffnungslosigkeit auf.

Jähzorniger Zidane

Die französische Weltmeister-Elf galt als Hoffnungsträger, allen voran Zidane. Dieser verließ acht Jahre nach dem WM-Triumph von St. Denis mit einem krachenden Kopfstoß gegen die Brust des Italieners Marco Materazzi im Finale das Berliner Olympiastadion und die WM-Bühne.

Längst vergessen, dass der "Held von 1998" sich auch bei der WM in Frankreich einen Ausraster geleistet hatte. Er trat auf den am Boden liegenden Saudi Fuad Amin ein - und wurde vom Weltverband FIFA für zwei Spiele gesperrt. Zidane war schon damals jähzornig.

Trainer Aime Jacquet, der mit den Medien sowieso auf Kriegsfuß stand ("Ich verzeihe nichts"), war geschockt, sein wohl durchdachter Plan über den Haufen geworfen. Andere sprangen dafür in die Bresche. Der "Präsident" Laurent Blanc köpfte die Franzosen mit seinem Golden Goal gegen Paraguay ins Viertelfinale.

Dort flog Italien im Elfmeterschießen gegen Frankreich raus (0:0 n.V., 3:4 i.E.). Blanc verwandelte den entscheidenden Elfmeter. Im Halbfinale gegen Kroatien schoss Verteidiger Lilian Thuram, mit 142 Einsätzen immer noch Rekordnationalspieler, seine einzigen beiden Tore in einem Länderspiel. Dann kam Zidane im Endspiel. Der Rest ist Fußball-Geschichte ...

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