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Villeneuve: Hamilton "hätte niemals gewonnen"

09.07.2018 22:58
Jacques Villeneuve kritisiert Hamiltons Verhalten nach dem Rennen in Silverstone
Jacques Villeneuve kritisiert Hamiltons Verhalten nach dem Rennen in Silverstone

Da war Feuer drin! Der Große Preis von Großbritannien in Silverstone lieferte nicht nur auf der Rennstrecke packende Action. Auch nach dem spektakulären Grand Prix bargen die Aussagen der Beteiligten noch viel Brisanz.

Besonders beim Weltmeister-Team Mercedes schoss man scharf, Toto Wolff und Niki Lauda prangerten mit deutlichen Worten den Unfall von Kimi Räikkönen mit Lewis Hamilton in der ersten Runde an, der den Briten ans Ende des Feldes beförderte. Ein enttäuschter Hamilton unterstellte der Ferrari-Truppe nach dem Rennen sogar Absicht und sprach von einer "interessanten Taktik", die die Scuderia im Titelkampf anwende.

Auch wenn er einen Tag später in den sozialen Netzwerken zurückruderte und den Zwischenfall als "normalen Rennunfall" bewertete, brachte sein Verhalten nach seinem Heim-Grand-Prix dem viermaligen Weltmeister einige Kritik ein. Dass er zudem die Interviews nach der Zieldurchfahrt schwänzte und erst auf dem Podium von Fragesteller Martin Brundle gestellt werden konnte, kam selbst bei vielen englischen Fans nicht gut an.

Der Tenor: Eigentlich müsste der Mercedes-Pilot doch glücklich sein, dass er es dank einer starken Aufholjagd und zweier Safety-Car-Phasen noch auf Platz zwei geschafft hat.

Villeneuve: Hamilton sollte froh sein

Ähnliche Töne schlägt auch Experte Jacques Villeneuve an, der noch einen Schritt weitergeht und behauptet: Ohne die Berührung mit Räikkönen und den resultierenden Folgen wäre der 33-Jährige statt Zweiter sogar nur Dritter bei seinem Heimrennen geworden.

Der Kanadier glaubt: Weil Hamilton nach dem Dreher durchs Feld pflügen musste und dadurch erst später zum Reifenwechseln kam, profitierte er in der Schlussphase von seinen frischeren Pneus im Vergleich zu Teamkollege Valtteri Bottas, der sonst vor ihm geblieben wäre. "Wenn er nicht abgeschossen worden wäre, hätte er sich wahrscheinlich mit Platz drei begnügen müssen", sagt Villeneuve im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

"Er hat keinen Grund, sich zu beschweren"

Der Formel-1-Weltmeister von 1997 bringt dabei ins Spiel, dass sich Hamilton hinter den Führenden Vettel und Bottas die Reifen ruiniert hätte und auf eine ähnliche Taktik wie sein Stallgefährte hätte setzen müssen. "Wenn sie nicht zusammengefahren wären, dann wäre er das ganze Rennen an dritter Stelle gefahren. Es hätte ihn keiner so einfach vorbeigelassen und er hätte sich seine Reifen früher zerstört", so Villeneuve. Nach einem missratenen Start von der Pole-Position war der amtierende Weltmeister in den ersten zwei Kurven auf Rang drei zurückgefallen.

In Kurve drei kam es zum folgenschweren Crash, den der Finne im Ferrari verursachte. Hamilton fiel ans Ende des Feldes zurück und startete eine sehenswerte Aufholjagd. "Von da an war er auf einer anderen Reifenstrategie. Und die hat funktioniert, denn er kam später zum Stopp und hatte dadurch am Ende Reifen, die noch okay waren - im Gegensatz zu Bottas", führt der 47-Jährige aus.

Das Lamentieren des Weltmeisters nach dem Rennen kann Villeneuve daher nicht nachvollziehen. "Nach einem miesen Start wurde er Zweiter. Darüber sollte er glücklich sein, denn er hätte dieses Rennen ohnehin niemals gewonnen. Er hat keinen Grund, sich zu beschweren."

Schön, wenn jetzt sogar die Teamchefs streiten...

Grund zum Kopfschütteln sieht der Kanadier allerdings einmal mehr im Strafmaß, das die Stewards nach der Kollision gegen Räikkönen aussprachen. "Ich verstehe nicht, warum es diesmal zehn Sekunden waren, das letzte Mal nur fünf Sekunden und manchmal gibt es gar nichts", runzelt JV die Stirn.

"Das ist es, was schiefläuft. Das ist Racing. Ich mag es nicht, wenn dafür Strafen ausgesprochen werden. Die sollte es geben, wenn jemand eine schmutzige Aktion macht oder sich einfach saublöd verhält. Das ist etwas anderes", so der Kanadier.

Er mutmaßt: "Sie haben wohl gedacht: Es ist Lewis, wir sind hier in Großbritannien, er fährt um die WM, also ist das zehn Sekunden wert. Hätte es Bottas getroffen, wären es nur fünf Sekunden Strafe gewesen."

Unfall "einfach Pech"

"Was war denn in Österreich, als Verstappen Kimi berührt hat? Warum gab es da keine Strafe? Etwa, weil Kimi nicht abflog? Wäre es sonst eine Strafe gewesen? Das ist falsch - es sollte doch um den Tatvorgang gehen, und nicht darum, was daraus folgt", wirft Villeneuve ein.

Den Silverstone-Zusammenstoß von Räikkönen und Hamilton bewertet er als reinen Rennunfall. "Sie sind einfach hart Rennen gefahren. Lewis hat sich in eine schlechte Position gebracht, weil er einen bescheidenen Start hatte. Er kam etwas weit hinaus, ließ Platz und dann bekam Kimi etwas Untersteuern. Einfach Pech", so die Bewertung des Ex-Piloten.

Mit Vergnügen sieht Villeneuve dagegen die zunehmenden Scharmützel der Top-Teams im Titelkampf. "Es ist doch schön, wenn jetzt auch noch die Teamchefs aufeinander losgehen. Das macht die Sache noch aufregender", sagt er mit einem Schmunzeln. "Und Maurizio (Arrivabene; Anm. d. Red.) war sogar mal American-Football-Spieler", vermutet er diesbezüglich Vorteile beim Italiener.

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