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Vor dem WM-Viertelfinale

sport.de-Prognose: Neymar enttäuscht - Kroatien jubelt

06.07.2018 10:11
Wie weit geht es noch für Neymar und seine Brasilianer?
© getty, Hector Vivas
Wie weit geht es noch für Neymar und seine Brasilianer?

Es wird heiß bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland! Am Freitag (ab 16 Uhr) beginnen die Viertelfinalspiele, in denen die acht noch verbliebenen Teams um das Weiterkommen kämpfen werden.

Wer wird jetzt noch enttäuschen, wer schafft die größte Überraschung? Und das Wichtigste: Wer wird Weltmeister? sport.de hat Antworten auf die spannendsten Fragen gesucht und sich in der Redaktion umgehört.

1. Wer hat das Zeug zu einer Überraschung?

Lissy Beckonert: Romelu Lukaku. Der Belgier belegt aktuell mit vier Treffern den geteilten zweiten Platz der WM-Torjägerliste. Dort wird der 25-Jährige nach dem Viertelfinale einen riesigen Satz machen und die Konkurrenten Harry Kane und Edinson Cavani noch hinter sich lassen. Gegen Brasilien dreht der Stürmer richtig auf und kann von der Selecao nicht unter Kontrolle gebracht werden. Mit mindestens zwei Toren schießt er die Red Devils eine Runde weiter - und die Brasilianer vorzeitig nach Hause.

Jonas Hofmann: Schweden. Die Skandinavier spielen wahrlich keinen berauschenden Fußball, können aber gegen England für eine Überraschung sorgen. Kaum ein Team bei dieser WM ist so geschlossen als Mannschaft aufgetreten, wie die Schweden. Ihre defensive Disziplin, gepaart mit enormer Laufbereitschaft und einer gesunden Härte, macht sie für jeden Gegner unangenehm zu bespielen. Hinzu kommt in Person von Emil Forsberg genug individuelle Klasse, um Spiele mit einer einzigen Aktion zu entscheiden.

Heiko Lütkehus: Schwierig. Mit Russland und Schweden sind nur noch zwei Nationen vertreten, die als echte Überraschungen durchgehen. Beide sind im Viertelfinale nicht chancenlos, gegen Kroatien respektive England aber klare Außenseiter. Während die russischen Gastgeber vor allem von der allgemeinen Euphorie leben, überzeugen die Schweden als defensives Bollwerk. Sollten die Skandinavier auch Harry Kane ausschalten, könnte ihrem Sommermärchen ein weiteres Kapitel hinzugefügt werden.

Chris Rohdenburg: Definitiv Russland! Die Geschichte des Gastgebers weist so einige Parallelen zum deutschen Sommermärchen von 2006 auf. Getragen durch die Euphorie im eigenen Land besiegt die Sbornaja die Kroaten und kämpft sich bis ins Spiel um Platz drei vor. Und vielleicht gibt es ja dann dort WM-typisch sogar einen Elfmeter, der Putins Fußballern einen rundum gelungenen Abschluss beschert.

2. Wer oder was wird die größte Enttäuschung?

Chris Rohdenburg: Größte Enttäuschung? Ein Viertelfinale ohne Beteiligung der deutschen Nationalmannschaft! Okay, im Ernst: Es ist schon bitter, dass beim Halbfinale unter Umständen gar keine Bundesliga-Profis mehr in Russland vertreten sind (wenn man von dem nicht ganz unrealistischen Fall ausgeht, dass Brasilien Belgien raushaut, Frankreich gegen Uruguay unterliegt, England Schweden besiegt und Russland Kroatien ärgert).

Jonas Hofmann: Belgien. Wieder mit großen Erwartungen gestartet. Wieder wird die Reise im Viertelfinale enden. Dem Star-Ensemble fehlt es einfach an der defensiven Stabilität, um der besten Mannschaft des Turniers - den Brasilianern - Paroli zu bieten. Dies haben die Spiele gegen Tunesien und Japan bewiesen, als Belgien gegen mittelmäßige Gegner jeweils zwei Gegentore kassierte.

Heiko Lütkehus: Neymar! Nach seiner fußballerisch starken, aber unerträglich theatralischen Vorstellung gegen Mexiko wird der Superstar der Selecao von den robusten Belgiern komplett aus dem Spiel genommen. Von den Schiedsrichtern darf der 26-Jährige keine Sonderbehandlung mehr erwarten. Es wird Zeit, dass Neymar in die Wirklichkeit zurückkehrt. 222 Millionen Euro hin oder her – Gegenspieler nehmen auf teure Beine keine Rücksicht. Zum Glück.

Lissy Beckonert: England. "England gewinnt ein Elfmeterschießen - eine Schlagzeile, von der Sie dachten, dass Sie sie niemals lesen werden", schrieb die "Sun" nach dem historischen Achtelfinale. Diese Schlagzeile werden die Three Lions tatsächlich nicht mehr so schnell zu lesen bekommen. Gegen Schweden kommt es wieder zum Elfer-Krimi - dieses Mal mit dem bitteren Ausgang für England. Das vermeintlich besiegte Trauma kehrt damit noch größer zurück. It's not coming home!

3. Wer wird Weltmeister?

Mats-Yannick Roth: Frankreich! Die Équipe Tricolore hat gegen Argentinien bereits unter Beweis gestellt, dass sie auch mit Rückschlägen fertig wird und sich in engen Phasen auf ihre enorme Offensiv-Qualität verlassen kann. Die Franzosen sind gut aufeinander abgestimmt, haben mittlerweile die richtige Balance im Spiel gefunden. Wirkten sie zum Turnierstart noch gehemmt und wie angekettet, kommt ihr großer Offensivdrang in der K.o.-Phase immer besser zur Geltung. Profitieren wird die Deschamps-Elf auch von der wohl besten Kaderbreite der verbliebenen Teams.  

Lissy Beckonert: Kroatien! Trotz der schwachen Leistung im Achtelfinale gegen Dänemark sind die Kroaten klarer WM-Favorit. Warum? Erstens betrachten die Spieler den knappen Erfolg als Warnschuss. Zweites gehen sie nach dem Elfmeterschießen mit viel Selbstvertrauen in weitere mögliche Strafstoß-Entscheidungen. Und drittens ist der Hunger der Goldenen Generation rund und Modric und Rakitic derart groß, dass sie in der Lage sind, ungewohnte Kräfte freizusetzen.

Hinzu kommt, dass Kroatien den vermeintlich leichteren Weg bis ins Endspiel hat. Im Viertelfinale wartet Russland. Im Halbfinale würde es gegen Schweden oder England gehen. Sollten die Karierten den Sprung ins Endspiel schaffen, ist ihnen der erste WM-Sieg nicht mehr zu nehmen.

Chris Rohdenburg: Brasilien! Warum? Weil die Selecao außerordentlich diszipliniert spielt und damit bisher locker durch das Turnier gekommen ist. Dabei bleibt trotzdem das Gefühl, dass die Mannen von Tite jederzeit noch mindestens ein bis zwei Schippen drauflegen könnten. Und im Zweifel macht eben Neymar den Unterschied, wenn er benötigt wird. Der Superstar hatte bisher genug Zeit, sich um seine Sperenzchen zu kümmern, weil seine Nebenleute jederzeit wachsam sind. Geben alle Brasilianer 100 Prozent, dann ist der Titel sicher!

Heiko Lütkehus: Belgien! Die Roten Teufel haben gegen Japan einen wichtigen Weckruf erhalten. Hazard, Lukaku und Co. wissen jetzt, wie schnell die WM vorbei sein kann, wenn der Gegner auf die leichte Schulter genommen wird. Trainer Roberto Martínez wird die richtigen Lehren aus dem Last-Minute-Sieg im Achtelfinale ziehen. Offensiv kann den Belgiern sowieso keiner das Wasser reichen – weder Brasilien, noch Frankreich.