Anzeige

Mexiko-Coach Osorio: Erst beschimpft, jetzt gefeiert

22.06.2018 13:10
Juan Carlos Osorio will mit Mexiko Großes erreichen
© getty, Hector Vivas
Juan Carlos Osorio will mit Mexiko Großes erreichen

Joachim Löw wurde von Juan Carlos Osorio taktisch überrascht, jetzt will Mexikos Coach auch das südkoreanische Löw-Double Shin Tae-Young in die Irre führen.

Es ist immer wieder bemerkenswert, wie blitzartig im Fußball der Wind drehen kann. Juan Carlos Osorio wurde in Mexiko vor der WM beinahe die Zurechnungsfähigkeit abgesprochen, jetzt ist der Trainer plötzlich ein grandioser Dirigent. Wenn der Kolumbianer El Tri gegen Südkorea zum zweiten Sieg in Gruppe F führen sollte, wird wahrscheinlich gleich ein Denkmal in Auftrag gegeben.

"Für mich ist der Trainer ein Genie und Genies machen Dinge anders", kommentierte Mittelfeldspieler Miguel Layun die sehr unterschiedliche Bewertung seines Coaches. Die Kritik an Osorio im Vorfeld des Turniers in Russland sei zeitweise "hart, radikal und bodenlos" gewesen, er wünsche sich für den 57-Jährigen "die Anerkennung, die er verdient", ergänzte der Profi vom FC Sevilla.

Nicht nur unorthodoxe Spielstrategien waren Osorio mit teils heftigen Parolen vorgehalten worden, auch, dass er kein Mexikaner ist, passte den Kritikern nicht in den Kram. Doch dann überrumpelte Osorio mit einem bereits vor sechs Monaten entwickelten Plan den Weltmeister mit Bundestrainer Joachim Löw. Fans riefen inzwischen sogar zu einem Marsch der Vergebung auf, der in Mexiko-Stadt geplant ist und an dem Tausende ihr Interesse signalisiert haben.

Chicharito äußerte Titelwunsch schon vor WM-Start

Falls Osorio am Samstag in Rostow am Don (17:00 Uhr) auch das südkoreanische Löw-Double Shin Tae-Young täuschen kann und einen ähnlichen Auftritt wie gegen Deutschland orchestriert, wäre das Achtelfinale ganz nah. "Wir wollen nicht, dass das alles ist", sagte Layun und erinnerte damit an die mutige Wortmeldung von Javier Chicharito Hernandez vor Turnierbeginn: "Wir wollen Weltmeister werden!".

Sechsmal in Folge ist Mexiko zuletzt in der ersten K.o.-Runde ausgeschieden, diesmal fühlen sich die Lateinamerikaner zu einer größeren Leistung imstande. Und viel von diesem Optimismus ist an den Namen des Trainers geknüpft, dem die Spieler totales Vertrauen entgegenbringen. "Alle Entscheidungen hat er aus gutem Grund getroffen", sagte Jonathan Dos Santos, während Layun betonte: "Er plant alles haargenau."

Barcelona an flinkem Lozano dran?

Dieser Plan gegen die Asiaten könnte allerdings wesentlich von jenem gegen die DFB-Auswahl abweichen, denn vermutlich setzt Südkoreas Coach Shin auf eine Kontertaktik, um das mögliche frühe Turnier-Aus zu verhindern. Eine tief stehende Defensive der Taeguk-Krieger würde etwa dem pfeilschnellen Linksaußen Hirving Lozano einigen Raum nehmen, weswegen Osorio den 22-Jährigen vielleicht sogar erst auf die Bank setzen könnte.

Es wäre erneut eine unkonventionelle Entscheidung Osorios, zumal Lozano als der nächste kommende mexikanische Star gilt. Auch der FC Barcelona soll inzwischen Interesse am Profi des PSV Eindhoven haben. "Ich denke, dass Hirving in einem Top-Team aus den besten vier besten europäischen Ligen spielen kann", sagte Osorio zuletzt bei ESPN. Dass der Coach daran einen gewichtigen Anteil hat, ist jetzt auch in Mexiko angekommen.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige