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Spektakulärer Fight mit umstrittenem Ausgang

Damals: Klitschko vs. Lewis im "Kampf der Titanen"

21.06.2019 14:28
Vitali Klitschko und Lennox Lewis trafen im Juni 2003 in Los Angeles aufeinander
© Jeff Gross, getty
Vitali Klitschko und Lennox Lewis trafen im Juni 2003 in Los Angeles aufeinander

Der "Kampf der Titanen" zwischen Lennox Lewis und Vitali Klitschko am 21. Juni 2003 gilt bis heute als einer der spektakulärsten Boxkämpfe der jüngeren Geschichte. Die Zutaten: zwei herausragende Schwergewichtler, viel Blut und ein umstrittener Ausgang.

Das langerwartete Aufeinandertreffen zwischen dem WBC- und IBO-Weltmeister Lewis und "Dr. Ironfist" fand relativ kurzfristig im Staples Center in Los Angeles statt.

Ursprünglich war der Fight für den Dezember 2003 angesetzt. Im Juni sollten beide Protagonisten separate Kämpfe austragen.

Lewis sollte seinen IBO-Titel gegen Kirk Johnson verteidigen, während sich Klitschko in einem Vorkampf mit Cedric Boswell messen sollte. Doch eine Verletzung von Johnson erforderte eine Planänderung. Das Mega-Event wurde kurzerhand um ein halbes Jahr vorgezogen.

Klitschko und Lewis posieren vor dem Kampf
Klitschko und Lewis posieren vor dem Kampf

Vitali Klitschko: "Ich fühlte mich unverwundbar"

Klitschko war vor der Konfrontation bei den Buchmachern klarer Außenseiter, konnte und wollte sich mit dieser Rolle aber nicht anfreunden. "Ich fühlte mich unverwundbar, war überzeugt, dass er mich nicht ausknocken konnte", beschrieb Klitschko seine Strategie im Nachhinein.

Entsprechend offensiv startete der Ukrainer in den Kampf. Klitschko gelangen früh einige kraftvolle Treffer gegen den Kopf von Lewis, die ersten beiden Runden entschied er für sich.

Erst in der dritten Runde kam Lewis auf. Und promt setzte er den Treffer, der ihm schließlich den Sieg bringen würde. Gerade einmal zehn Sekunden nachdem die Glocke zum dritten Mal erklang, verpasste Lewis seinem Gegner eine krachende Rechte und fügte Klitschko einen tiefen Riss über dem linken Auge zu.

In den folgenden Kampfabschnitten attackierte Lewis den Cut erbarmungslos, sodass sich die Blutung in den kurzen Behandlungspausen zwischen den Runden nicht stoppen ließ.

Klitschko sieht nach seiner Verletzung schwer gezeichnet aus
Klitschko sieht nach seiner Verletzung schwer gezeichnet aus

Nach der sechsten Runde entschied Ringrichter Lou Moret auf Empfehlung des Ringarztes Dr. Paul Wallace, den Kampf abzubrechen. Der medizinische Verantwortliche urteilte, dass die Sehfähigkeit Klitschkos nicht mehr gewährleistet sei. Das geschwollene und herunterhängende Augenlid verdecke die Pupille.

Lewis wurde zum Sieger durch technischen K.o erklärt und verteidigte so seinen WM-Titel. In der Punktwertung der Wertungsrichter lag Klitschko zu diesem Zeitpunkt klar vorne.

Lennox Lewis feiert die Titelverteidigung
Lennox Lewis feiert die Titelverteidigung

Vitali Klitschko: "Habe schon viel schlimmere Verletzungen gesehen"

Klitschko selbst fühlte sich durch den Abbruch um seine Siegchance gebracht: "Ich habe schon viel schlimmere Verletzungen gesehen. Ich möchte nicht als undankbarer Verlierer gelten, aber für mich ist sonnenklar: Der Ringarzt hat die Schuld."

Zum Zeitpunkt des vorzeitigen Kampfabbruchs habe er sich im Vorteil befunden: "Ich war nach der sechsten Runde noch völlig frisch, er aber ist wie ein Kartoffelsack auf seinen Hocker geplumpst."

Eine Einschätzung, der sich auch andere Größen des Boxsports anschlossen. "Der Ringrichter hat falsch entschieden. Wenn, dann hätte er eine Runde früher abbrechen müssen, als der Cut stark geblutet hat. Später war die Wunde ja fast gestillt", kommentierte der ehemalige Schwergewichts-Profi Axel Schulz das Geschehen.

Vitali Klitschko als Sieger der Herzen

Trotz der Niederlage war das Duell mit Lewis aufgrund seiner offensiven Herangehensweise und seiner Moral für das Image des Ukrainers förderlich.

"Vitali ist der Gewinner des Events, der Gewinner der Nacht, der Gewinner der Massen. 15.000 Zuschauer sind als Fans der Klitschkos nach Hause gegangen", sagte Jim Lampley, der als Kommentator des US-Senders "HBO" den Kampf begleitete.

Tatsächlich jubelten die Boxfans in der Arena Klitschko zu und bekundeten lautstark ihren Unmut über das vorzeitige Ende des Fights.

Zur allseits geforderten Neuauflage kam es nie. Der damals 37-jährige Lewis beendete wenig später seine Karriere.

Klitschko hingegen setze seine Lauvbahn erfolgreich fort. Ein knappes Jahr nach dem "Kampf der Titanen" krönte er sich durch seinen Sieg über den Südafrikaner Corrie Sanders doch noch zum Weltmeister des WBC.

Jonas Hofmann

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