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Hartung nach EM-Titel: "Ich war einfach nur platt"

19.06.2018 12:26
Max Hartung hat seinen EM-Titel verteidigt
© getty, Hannah Peters
Max Hartung hat seinen EM-Titel verteidigt

Max Hartung ist derzeit überall erfolgreich: auf dem politischen Parkett und auf der Planche. Doch seine überraschende Titelverteidigung bei der Fecht-EM in Novi Sad zu begreifen, fiel dem Säbel-Spezialisten nach den kräftezehrenden Monaten als Athletensprecher schwer.

"Ich war einfach nur platt und habe mich noch gar nicht so richtig freuen können, wie sich das eigentlich gehört", sagte Hartung dem "SID": "Ich habe das erst gar nicht wahrgenommen, wie riesig dieser Sieg ist. Nach der ganzen Zeit, in der wir mit Athleten Deutschland so aktiv waren."

Sein zweites EM-Gold im Einzel war bei dem politischen Engagement, das der 28-Jährige monatelang an den Tag legte, wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Intensiv hatte er für den Verein Athleten Deutschland gekämpft. Die Mühe hat sich gelohnt. Die unabhängige Interessenvertretung der Sportler hat sich Gehör verschafft und steht vor dem Durchbruch. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat seinen Widerstand gegen das Pilotprojekt aufgegeben.

Dieses Durchhaltevermögen zeigte der Dormagener auch in Serbien. Im Viertelfinale biss sich Hartung gegen den zweimaligen Olympiasieger und Vorjahresfinalisten Aron Szilagyi (Ungarn) mit 15:14 durch, ehe er mit einem starken Comeback nach 12:14-Rückstand gegen Sandro Basadse (Georgien) ins Finale einzog. Dort dominierte er den WM-Dritten Kamil Ibragimow (Russland) mit 15:12.

Um sich zu fokussieren, habe es ihm "in die Karten gespielt, dass es jetzt gerade keine brenzlige Situation gibt und ich mich in Ruhe auf den Wettkampf konzentrieren konnte", sagte Hartung. Generell aber diene dem Athletensprecher die sportpolitische Tätigkeit auch als Ausgleich, er müsse eben "neben dem Sport noch etwas anders machen".

Hartung hofft auf "Schub" nach seinem Erfolg

Als Vertreter der deutschen Sportler hat er bewiesen, dass er ein Team zum Ziel führen kann. Jetzt hofft er, "dass das, was ich vorgelegt habe, noch einmal einen Schub bringt." Am Donnerstag will er auch im Mannschafts-Wettkampf auf dem Podium stehen. Ein schwieriges Unterfangen.

Seine Teamkollegen Benedikt Wagner, Matyas Szabo und Richard Hübers (Dormagen) waren in der Einzelkonkurrenz in Novi Sad in den K.o-Phasen ausgeschieden. So wie auch die anderen deutschen Fechter, die bis auf Hartung und Degenfechter Richard Schmidt (Bronze) ohne Erfolg geblieben waren.

Nun ruhen die weiteren deutschen Medaillenhoffnungen auf den Mannschafts-Wettbewerben ab Dienstag. Der Fechter-Bund (DFeB) setzt dabei vor allem auf Hartung und Co sowie die EM-Dritten im Damenflorett.

Für den DFeB ist die EM nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu den Weltmeisterschaften in Wuxi/China (19. bis 27. Juli), für Hartung war es aber eine willkommene. "Am Ende bei so einem stark besetzten Turnier ganz oben zu stehen, ist einfach ein Wert an sich. Für mich ist das nicht einfach ein Schritt irgendwohin, das war gestern einfach ein geiler Tag."