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Hartung will bei Fecht-EM an politischen Erfolg anknüpfen

14.06.2018 10:50
Max Hartung peilt eine Medaille bei der Fecht-EM an
© getty, Hannah Peters
Max Hartung peilt eine Medaille bei der Fecht-EM an

Nach den Erfolgen auf dem politischen Parkett möchte Athletensprecher Max Hartung nun auch bei der Fecht-EM glänzen und seinen Titel erfolgreich verteidigen.

In den letzten Wochen war Max Hartung mehr Politiker als Fechter. Als Athletensprecher feierte der 28-Jährige mit dem angestrebten Verein Athleten Deutschland in der letzten Woche einen ersten Durchbruch. Die unabhängige Interessenvertretung der Sportler scheint seit letzter Woche abgesegnet.

Der DOSB hat seinen Widerstand gegen das Pilotprojekt aufgegeben. "Es ist eine riesen Beruhigung. Meine Hoffnung ist, dass ich jetzt zur EM und WM wirklich mein Handy ausmachen und mich auf das Fechten konzentrieren kann", sagte Hartung dem "SID": "Jetzt können wir mit der spaßigen Arbeit anfangen."

Nach dem Erfolg auf dem sportpolitischen Parkett soll nun bei der EM in Novi Sad (16. bis 21. Juni) ein weiterer Sieg auf der Planche folgen - mit dem langfristigen Ziel Tokio 2020. "Mit einer anderen Zielsetzung kann man nicht in so einen Wettkampf reingehen", sagt Hartung. In Serbien ist der Säbel-Spezialist der einzige deutsche Titelverteidiger.

Doch für den 28 Jahre alten Dormagener ist sein Engagement als Athletensprecher neben dem Sport immer noch ein "Spiel mit dem Feuer. Nach wie vor leidet der Sport gezwungenermaßen. In der Vorbereitung auf die EM habe ich jetzt aber auch einige Termine abgesagt. Bis dann die WM in Wuxi ansteht, werde ich keine größeren Reisen mehr machen."

Florett-Damen mit "guten Chancen"

Der Deutsche Fechter-Bund erhofft sich neben dem starken Herren-Säbelteam um Hartung und dessen Vereinskollegen Benedikt Wagner und Matyas Szabo auch von der Leverkusener Degen-Vizeeuropameisterin Alexandra Ndolo etwas. Degenfechter Richard Schmidt gewann bei der WM 2017 in Leipzig Bronze und war damit der einzige Medaillengewinner der Gastgeber beim Heimturnier.

Zudem verläuft die Entwicklung der Florett-Damen um Anne Sauer und der erst 19 Jahre alten Leonie Ebert trotz der langwierigen Querelen um die Entlassung des früheren Trainers Andrea Magro und den Belästigungsvorwürfen am Stützpunkt Tauberbischofsheim vielversprechend. "Ich gehe davon aus, dass wir da gute Chancen haben", sagte DFeB-Sportdirektor Sven Ressel: "Wir wollen da volle Kanne angreifen." Als Team hatten die Florett-Damen vor Jahresfrist bereits EM-Bronze gewonnen.

Insgesamt geht es für das deutsche Fechten seit der Olympia-Pleite in Rio ohne Medaille bergauf, wenn auch nur leicht. "Wir haben sicherlich einen besseren Stand als vor ein oder zwei Jahren, aber wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen", sagte Ressel.

Bessere Rahmenbedingungen im Ausland

Auf dem Weg zu erfolgreicheren Olympischen Spielen 2020 in Tokio ist die EM in diesem Jahr nur eine Zwischenstation zur WM. Im Vergleich mit der Konkurrenz sieht Hartung die deutschen Fechter jedoch weiter klar im Nachteil: "Im Ausland sind die Rahmenbedingungen ganz andere. Wir geben unser Bestes, trotzdem mitzuhalten." Mehr als eine Medaille sollte es laut Ressel in Novi Sad aber trotzdem werden.

Als erste deutsche Sportler fliegen die gleich zu Turnierbeginn gefragten Athleten am Damensäbel und dem Herrenflorett am Donnerstag nach Serbien. Hartung ist erst am Montag im Einsatz. Dann wird sich zeigen, ob ihm der Erfolg auf dem sportpolitischen Parkett den nötigen Rückenwind auf der Planche gebracht hat.