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Totgesagte leben länger: Peru baut auf den "Krieger"

08.06.2018 00:00
Jefferson Farfan (m.) schoss Peru zur WM
© getty, Steven Ryan
Jefferson Farfan (m.) schoss Peru zur WM

Nach 36 Jahren sind die Blanquirrojas wieder auf der großen Fußballbühne dabei. Peru qualifizierte sich nach einem steinigen Weg als letzte Nation für Russland.

Totgesagte leben länger: Als jeder Peru nach zehn Eliminatorias-Runden mit gerade einmal acht Punkten auf der Habenseite abgeschrieben hatte, scharte der "Krieger" Paolo Guerrero seine Mitkämpfer um sich und erklomm heroisch noch Rang fünf in der südamerikanischen Fußball-WM-Qualifikation. Doch dann folgte der Dopingschock, die Suspendierung des Ex-Bundesliga-Stars, gleichbedeutend mit dem vorläufigen WM-Aus.

Immerhin: Auch ohne ihren Rekordtorjäger machten die Blanquirrojas anschließend in den Kontinental-Playoffs gegen Neuseeland den letzten Schritt. Im fernen Köln jubelte Perus Idol Claudio Pizarro nach der WM-Qualifikation und twitterte: "Endlich haben wir das Ziel erreicht, auf das wir so lange hingearbeitet haben."

Guerrero, der im Oktober 2017 im Anschluss an das Eliminatorias-Spiel in Argentinien (0:0) positiv auf ein Kokain-Abbau-Produkt getestet wurde, kämpfte derweil für seine Reputation und triumphierte. Seine ursprünglich auf 14 Monate anberaumte Strafe wurde vom internationalen Sportgerichtshof provisorisch aufgehoben. Der Weg zur WM ist damit frei.

Das Anden-Team, schon 1930 bei der Premiere dabei, war zuletzt 1982 in Spanien am Start, als in der Vorrunde Endstation war. Es war übrigens das einzige WM-Turnier, bei dem Teofilo Cubillas nicht traf.

Zuvor erzielte Perus lebende Legende 1970 und 1978 zehn Tore, eines davon in Mexiko beim 1:3 in der Vorrunde gegen Deutschland. Am Ende sprang immerhin noch das Viertelfinale (2:4 gegen den späteren Champion Brasilien) raus. Acht Jahre später ging es ebenfalls in die zweite Finalrunde, die mit dem 0:6 gegen Argentinien aber skandalös endete.

  • Der Star: Jefferson Farfán

Das WM-Land Russland tut Jefferson Farfán sichtlich gut. Perus Nationaltrainer Ricardo Careca hatte den Ex-Schalker nach dessem Abflug in die Fußball-Wüste der Vereinigten Arabischen Emirate 17 Monate lang glatt übersehen. Aber schon bei seinem Debüt für Lokomotive Moskau am 1. April 2017 klappte es wieder mit dem Toreschießen.

Und nun trägt der 33-Jährige die WM-Hoffnungen der Inkas. "Foquita", die kleine Robbe, hat  "Loko" als Top-Torjäger (zehn Tore) nach 14 Jahren jüngst wieder zum Meistertitel geschossen. Den Spitznamen hat er übrigens von Onkel Robert geerbt, der bei seinem Torjubel immer einen Seehund imitierte

Bereits in den Playoffs avancierte der ehemalige Bundesliga-Profi zum Matchwinner. Der 33-Jährige stieß nach dem 0:0 in Ozeanien mit seinem Führungstor beim 2:0 in Lima die Pforte zur WM auf. Vom "wichtigsten Tor meiner Karriere" hatte der Torjäger zuvor geträumt.

  • Der Trainer: Ricardo Gareca

Seit März 2015 sitzt Ricardo Gareca nun bei Peru auf der Trainerbank, schrammte auf der Suche nach der idealen Mischung aus Jung und Alt haarscharf am K.o. vorbei, bekam dann aber 2017 ohne Niederlage (6 Siege, 4 Remis in Pflicht- und Testspielen) noch die Kurve. 

Der 60-Jährige mit Faltengesicht und Mähne a la Rolling-Stones-Legende Mick Jagger war als Mittelstürmer torgefährlich, vor allem bei den Boca Juniors und Vélez Sarsfield, als Trainer ein Wandervogel, ehe er 2009 bei Velez anheuerte und in vier Jahren drei Meisterschaften mit seinem Herzensklub feierte. Seit März 2015 führt er Peru von FIFA-Weltranglistenplatz 59 startend bis an die Top 10 heran.

"Peru, equipo magico, goles fantasticos, es mi Peru", magisches Team, fantastische Tore, du bist mein Peru, singen seitdem die Fans. Auf die Melodie des Gassenhauers "Moskau" der deutschen Popgrupp Dschinghis Khan. Ein Hit, der aus der Zeit stammt, als Peru zuletzt bei einer WM-Endrunde war. 

  • Die Prognose:

In der Gruppe C dürfte sich Peru mit Dänemark und Australien um Platz zwei streiten. Die Pole-Position dürfte bereits an Mitfavorit Frankreich vergeben sein. Allerdings ist die Teilnahme an der Endrunde nach 36-jähriger WM-Abstinenz schon als großer Erfolg zu werten.

Besonderen Mut schöpfen die Südamerikaner zudem aus der Rückkehr von Paulo Guerrero. Bei seinem Comeback im Nationaldress im Test gegen Saudi-Arabien (3:0) schnürte der Kapitän gleich ein Doppelpack.

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