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Serbiens Fußball feiert bei WM Wiederauferstehung

08.06.2018 00:00
Die Serben wollen bei der WM endlich wieder für positive Schlagzeilen sorgen
© getty, Srdjan Stevanovic
Die Serben wollen bei der WM endlich wieder für positive Schlagzeilen sorgen

Serbien kehrt bei der WM-Endrunde 2018 in Russland nach acht Jahren auf die große Fußball-Bühne zurück. Verkrustete, teils sogar mafiöse Strukturen bereiten dem Fußball in dem Balkan-Staat allerdings weiterhin große Probleme.

Für Serbiens Fußball kommt die Teilnahme an der WM-Endrunde 2018 in Russland einer Wiederauferstehung gleich. Nach dem Vorrunden-Aus beim WM-Turnier vor acht Jahren in Südafrika trotz eines beachtlichen 1:0-Sieges gegen Deutschland war der Balkan-Staat bei allen folgenden Großereignissen (EM 2012, WM 2014 und EM 2016) immer nur Zaungast.

Die Zuschauerrolle bei den Elitetreffen kam nicht von ungefähr. Denn die politischen Probleme im ehemaligen Jugoslawien seit der Auflösung des Vielvölkergebildes Mitte der 1990er Jahre haben Auswirkungen auch auf den Fußball und spiegeln die gesellschaftlichen Schwierigkeiten wider.

Bis heute ist der Fußball in Serbien denn auch immer auch ein Vehikel politischer Machtkämpfe - angeblich bis hinauf zu Staatspräsident Aleksandar Vucic. Aus dem Sozialismus bestehen gebliebene Strukturen mit häufig mafiösen Zügen in Verbands- und Vereinsspitzen sowie nicht selten rassistisch-nationalistischen Tendenzen in der Fan-Szene lähmen die Entwicklung.

Der Sport ächzt unter rückläufigen Zuschauerzahlen, Ausschreitungen und immer wieder auch Manipulationen von Spielen. Bei WM in Russland können die Serben endlich wieder für positive Schlagzeilen sorgen.

  • Der Star: Branislav Ivanovic

2013 erlebte Branislav Ivanovic innerhalb weniger Wochen die wohl intensivsten Momente seiner Karriere: Zunächst wurde der serbische Rekordnationalspieler im Frühjahr in der englischen Premier League eines der "Opfer" von Uruguays bisswütigem "Vampir" Luis Suárez, ehe der Verteidiger wenige Woche später seinen damaligen Klub FC Chelsea im Europa-League-Finale von Amsterdam gegen Benfica Lissabon in der Nachspielzeit zum 2:1-Triumph köpfte.

Überhaupt ist das Kapitel Chelsea für Ivanovic das erfolgreichste seiner Laufbahn gewesen. Mit den Blues gewann der Abwehrspieler bis zu seinem Wechsel im Vorjahr zu Zenit St. Petersburg dreimal den Premier-League-Titel und einmal den FA Cup. Auch bei Chelseas Champions-League-Gewinn 2012 gehörte der Routinier zum Kader der Engländer, kam allerdings im Finale gegen Bayern München nicht zum Einsatz.

Hingegen gehörte Ivanovic zwei Jahre zuvor bei Serbiens bislang einziger WM-Teilnahme in Südafrika zur legendären Elf des Balkan-Staates, die in der Vorrunde die deutsche Nationalmannschaft mit 1:0 düpieren konnte. Nicht zuletzt auch diesem Spiel verdankt Ivanovic sein hohes Ansehen bei den serbischen Fans.

Nicht so hoch im Kurs steht der Defensiv-Spezialist offenbar bei Serbiens neuem Nationaltrainer Mladen Krstajic: Seine unerwartete Absetzung als Kapitän bedeutete für den 101-maligen Nationalspieler einen herben Dämpfer, doch bei der WM in seiner Wahlheimat Russland dürfte Ivanovic auch ohne Armbinde zu den prägenden Figuren der serbischen Elf gehören.
>>> der WM Kader Serbiens in der Übersicht

  • Der Trainer: Mladen Krstajic

Für die deutschen Fußball-Fans ist Mladen Krstajic ein alter Bekannter - als Trainer ist Serbiens Nationalcoach praktisch ein absoluter Neuling. Mit der Erfahrung von gerade einmal vier Länderspielen in der Verantwortung soll der Novize und frühere Bundesliga-Profi von Werder Bremen und Schalke 04 das Balkan-Team bei der WM-Endrunde in Russland erstmals in das Achtelfinale führen.

Krstajic geht sein erstes Engagement als Trainer mit Respekt, aber durchaus selbstbewusst an. "Es ist eine große Verpflichtung und eine große Verantwortung. Aber ich habe keine Angst vor dem Druck. Ich habe viel Wissen, was mir noch fehlt, wird von meinem Trainer-Team ergänzt", beschreibt der 44-Jährige seine Haltung.

Nach seiner endgültigen Beförderung zum Nachfolger des im Herbst geschassten Slavoljub Muslin demonstrierte der frühere Verteidiger auch gleich Entschlossenheit: Völlig überraschend setzte Krstajic Serbiens Star und Rekordnationalspieler Branislav Ivanovic als Kapitän der Nationalmannschaft ab und ernannte Aleksandar Kolarov zum neuen "Chef".

Bei aller Konzentration auf die WM hat sich Krstajic neben seiner Familie noch ein zweites Rückzugsgebiet erhalten: Nebenberuflich lenkt der 243-malige Bundesliga-Spieler (18 Tore) beim bosnischen Erstligisten FK Radnik Bijeljina als Präsident die Geschicke.

  • Die Prognose:

Dabei sein ist alles. In einer Gruppe mit Brasilien, Schweiz und Costa Rica sind die Serben der größte Außenseiter. In der WM-Qualifikation setzte sich das Team zwar souverän vor Irland, Wales und Österreich durch, in Russland warten jedoch ganz andere Kaliber. 

Es wäre schon eine Überraschung, sollten die Serben nach der Gruppenphase noch im Turnier sein. Vor allem die mangelnde Erfahrung auf der größten aller Bühnen könnte letztlich den Ausschlag geben, warum die Wiederauferstehung womöglich nur von kurzer Dauer ist.

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