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Das kürzeste French-Open-Finale aller Zeiten

Damals: Steffi Graf schickt Zvereva in die Tennis-Hölle

04.06.2019 13:49
Steffi Graf hatte Mitleid für Natalia Zvereva
© Unknown Source
Steffi Graf hatte Mitleid für Natalia Zvereva

Es war das kürzeste und wohl auch einseitigste Grand-Slam-Finale der Tennisgeschichte: Vor 31 Jahren, am 04. Juni 1988, besiegte Deutschlands Tennis-Ikone Steffi Graf im Finale der French Open die 17-jährige Natalia Zvereva aus der damaligen Sowjetunion mit 6:0 und 6:0 und benötigte dafür gerade einmal 32 Minuten.

Das erste Aufschlagspiel an diesem Finaltag dauerte ganze 52 Sekunden. Dass dies der Auftakt zu einer letztlich außergewöhnlichen Demontage war, ahnte zu diesem Zeitpunkt allerdings wohl noch niemand. Die damals 18-jährige Deutsche dominierte das erste Duell gegen die ein Jahr jüngere Natalia Zvereva nach Belieben.

Nach 32 Minuten Spielzeit war das Schicksal der Weißrussin besiegelt und das kürzeste Grand-Slam-Finale aller Zeiten amtlich. Die fast einstündige Regenpause Mitte des ersten Satzes dauerte fast doppelt so lang wie das Match selbst. Gerade einmal 13 Punkte hatte Graf ihrer Gegnerin in diesem Endspiel gewährt. Elf davon entstanden aus Fehlern der "Gräfin", ganze zwei Winner konnte Zvereva verbuchen.

Graf: "Was soll ich machen?"

Die völlig überforderte Zvereva kämpfte bei der Pressekonferenz nach ihrem ersten und einzigen Grand-Slam-Finale mit den Tränen. "Nach dem ersten Satz habe ich mir überlegt, was ich später am Abend essen würde", berichtete die 17-Jährige von ihren Gedanken während der Partie.

Steffi Graf hingegen suchte fast schon eine Entschuldigung für die Zuschauer, die für ihr Geld an diesem Samstag nicht viel Tennis zu sehen bekommen hatten. "Was soll ich machen? 0:6, 0:6 in einem Grand-Slam-Finale zu verlieren, ist die Hölle. Aber ich bin Sportlerin und versuche immer, das beste Tennis aus mir herauszukitzeln", sagte Graf nach ihrem zweiten Triumph in Roland Garros.

Das Rekordjahr der Steffi Graf

Für Steffi Graf war der Titel in Paris nur ein Teil des erfolgreichsten Jahres ihrer gesamten Karriere. Zuvor hatte die Deutsche bereits bei den Australian Open in Melbourne gewonnen, es folgten Triumphe in Wimbledon und bei den US Open in New York.

Damit gelang ihr in diesem Jahr als dritter Spielerin der Geschichte ein regulärer Grand Slam mit allen vier Major-Titeln in einem Kalenderjahr.

Bei den folgenden Olympischen Spielen in Seoul setzet Steffi Graf noch einen drauf. Neben der Bronzemedaille im Doppel an der Seite von Claudia Kohde-Kilsch gewann sie auch Gold im Einzel und machte damit den "Golden Slam" perfekt. Bis heute ist Graf die einzige, der dieses Kunststück gelang.

Zvereva nur im Doppel erfolgreich

Natalia Zvereva wurde trotz der Rekordpleite gegen Graf eine große Zukunft vorausgesagt. Allerdings konnte sie die großen Erwartungen mit nur vier WTA-Einzeltiteln in ihrer gesamten Karriere nicht erfüllen. Ganz anders sah es aber im Doppel aus.

Dort gewann Zvereva, meist an der Seite der US-Amerikanerin Gigi Fernández, sagenhafte 18 Grand-Slam-Titel und wurde als eine der erfolgreichsten Doppel-Spielerinnen aller Zeiten 2010 feierlich in die "Tennis Hall of Fame" aufgenommen.

Wenig zu feiern hatte Natalia Zvereva auch nach dem kürzesten Finale der Grand-Slam-Geschichte in ihren weiteren Duellen mit Steffi Graf. 21-mal trafen die beiden Weggefährtinnen im Lauf ihrer Karrieren aufeinander. 18-mal in Folge ging die Deutsche als Siegerin vom Platz und gab dabei ganze drei Sätze ab.

Erinnern wird sich Natalia Zvereva deshalb vor allem an den 26. Juni 1998. Zehn Jahre lang hatte sie sämtliche Partien gegen die langjährige Nummer eins verloren, als die beiden sich in der dritten Runde von Wimbledon 1998 trafen. Zvereva siegte mit 6:4 und 7:5 und stürmte anschließend nochmal bis in ihr zweites und letztes Grand-Slam-Halbfinale vor.

Lennart Wegner

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