Anzeige
Anzeige
powered by Alles zur Formel 1: News, Ergebnisse, Formel 1 Liveticker und mehr zur F1

Mercedes warnt vor verfrühter Euphorie

15.05.2018 11:53
Lewis Hamilton jubelte in Barcelona nach seinem Sieg
Lewis Hamilton jubelte in Barcelona nach seinem Sieg

"ORF"-Experte Alexander Wurz hatte bereits in Aserbaidschan prognostiziert, dass Mercedes beim Grand Prix von Spanien "allen eine drüberzünden" werde. Tatsächlich feierten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas einen Doppelsieg. Doch viel ermutigender als das war der große Vorsprung auf Sebastian Vettel und Ferrari.

Von der siebten Runde (Re-Start nach Safety-Car) bis zu Vettels Boxenstopp in Runde 17 fuhr Hamilton 8,1 Sekunden auf seinen Erzrivalen heraus. Das entspricht durchschnittlich 0,7 Sekunden pro Runde, auf identischen Reifen. "Ferrari", analysiert Hamilton, "war über weite Strecken des Rennens eine halbe bis eine Sekunde langsamer. Damit hätte ich nicht gerechnet."

Denn abgesehen vom Saisonauftakt in Australien war das subjektive Gefühl in Bahrain, China und Aserbaidschan, dass eher der Ferrari das schnellere Auto war. "Wir haben definitiv etwas gefunden, und sie scheinen etwas verloren zu haben - was auch immer es war", sagt Hamilton. Streckenspezifisch? "Das macht vielleicht einen kleinen Prozentsatz aus."

Vettel zündelte nach dem Rennen, indem er die Mutmaßung in den Raum stellte, die von Pirelli dünner gestalteten Laufflächen hätten Mercedes geholfen. Während die Fahrer selbst zugeben, dass das zumindest kein Nachteil war, erscheinen Verschwörungstheorien, wonach irgendjemand absichtlich Mercedes unterstützen wollte, ziemlich gewagt.

Mercedes-Sportchef Toto Wolff winkt genervt ab: "Die Formel 1 ist die Paranoia schlechthin. Wir haben schon ein paar Helferlein gehabt: Pirelli hat uns natürlich geholfen. Man hat die Strecke umasphaltiert - genau wie wir das wollten. Dann haben wir den oben angerufen und gesagt, wir brauchen es etwas kühler. Der hat uns auch geholfen."

Die Erklärung für die starke Performance in Barcelona sei viel einfacher: "Wir waren hier im Winter schon richtig gut. Die Strecke liegt uns, der Asphalt liegt uns, und wenn es kühl ist, sodass man die dicken Jacken auspacken muss, dann ist das auch ein Vorteil für uns."

Erleichterung nach dem ersten Doppelsieg

Doch wer das Mercedes-Team in Barcelona beobachtet hat, der wird das Gefühl nicht los: Die Erleichterung über den souveränen Doppelsieg war riesengroß, insbesondere bei Wolff und Niki Lauda. Und auch bei Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche, der den Sieg live an der Box miterlebt hat. Viele fragen sich: Ist nun nach vier kniffligen Rennen die alte Dominanz wiederhergestellt?

"Ich hoffe es", lächelt Wolff. Auch Hamilton hat ein gutes Gefühl: "Es ist natürlich zu früh für solche Ansagen. Aber ich hoffe schon, dass es ein kleiner Wendepunkt ist. Wir verstehen die Reifen mit jedem Rennen besser, was für alle enorm schwierig ist. Kann genauso gut passieren, dass wir nach Monaco kommen und wieder völlig im Dunkeln tappen. Aber wir verstehen das Auto insgesamt nach diesen fünf Rennen viel besser."

Das wiederum hilft Hamilton dabei, fahrerisch mehr aus sich herauszuholen. Wolff erklärt: "Es geht darum, ein Auto zu haben, das tut, was du willst. Es geht um Vertrauen. Und Rennfahrer brauchen Ergebnisse, Podestplätze und Siege. Hoffentlich ist das jetzt der Anfang einer guten Phase."

Fehler steckten in den "Hinterköpfen"

"Die besten Fahrer sind sehr sensibel. Das wissen wir und das weiß Lewis", sagt der Mercedes-Sportchef. "Wir sind nach Melbourne gekommen, Lewis hat solide geführt - und dann steckst du auf einmal hinter einem Ferrari und kannst nicht überholen." Das habe zu gewissen Unsicherheiten geführt. Die Siege in Baku und Barcelona sollen dabei helfen, diese zu überwinden.

"In den Rennen danach", berichtet Wolff, "hatten wir Probleme in mehreren Bereichen. Das summiert sich dann. Wir alle hatten das in den Hinterköpfen. Umso wichtiger ist dann so ein Wochenende, wo du das Auto auf Pole stellst und das Rennen mit einem soliden Vorsprung gewinnst. Das wirkt sich auf das Selbstvertrauen von allen im Team aus."

Auch Hamilton selbst, sonst nicht dafür bekannt, Schwächen öffentlich einzugestehen, ist froh, dass er nach sechs sieglosen Rennen hintereinander wieder angefangen hat zu gewinnen: "Barcelona war vom Gefühl her ein gutes Rennen. Wie im ersten Rennen. Das zeigt, dass Melbourne nicht nur eine Eintagsfliege war."

Mercedes weiß: Monaco wird knifflig

Gleichzeitig bedeutet der Sieg in Barcelona noch lange nicht, dass es nun in der Tonart weitergehen wird. "Monaco", räumt Wolff ein, "ist eine Sorge. Es ist extrem schwierig, die DNA aus einem Auto zu kriegen, und Monaco, Budapest und Singapur sind nun mal Strecken, auf denen wir meistens nicht gut ausgesehen haben. Warum unser Auto in den Kurven von Monaco nicht schnell ist, wissen wir nicht."

Immerhin: Man habe eine Idee davon, was 2017 (keine erste Startreihe, kein Podium) schiefgelaufen ist. Negativ: Ob man das Problem lösen kann, steht auf einem anderen Blatt Papier. Hamilton glaubt: "Es ist Totos Aufgabe, sich Sorgen zu machen. Er ist der Teamchef."

Und zumindest teilweise stimmt er seinem Boss zu: "Monaco wird eine harte Nummer. Die Red Bulls waren in Barcelona im letzten Sektor auffällig schnell. Weil sie am meisten Downforce haben. Die werden in Monaco phänomenal schnell sein. Und Ferrari war dort im Vorjahr auch stark."

Hamilton: "Die WM ist noch lang"

Aber: "Mein Job ist nicht, mir Sorgen zu machen, sondern ich muss sicherstellen, dass ich alles aus den Ingenieuren heraushole, wenn wir uns diese Woche zusammensetzen. Ich muss sicherstellen, dass sie alles beherzigen, was ich ihnen gesagt habe, wenn sie einmal alle Daten von Barcelona runtergeladen und ausgewertet haben. Ich muss sicherstellen, dass sie mir die E-Mails schicken. Und ich muss sicherstellen, dass ich selbst fit und fokussiert bin."

Doch selbst wenn Mercedes nicht aus eigener Kraft siegfähig sein sollte, wäre das kein Grund für Schwarzmalerei: "Wir haben dieses Jahr schon gesehen, dass man auch in Rennen, die man nicht gewinnen kann, gute Punkte sammeln kann", sagt Hamilton. "Die WM ist noch lang. Wir werden uns darauf konzentrieren, das Maximum aus jedem Rennwochenende zu holen. Unabhängig davon, ob wir die Schnellsten sind oder nicht."

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige