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DEB-Frust nach WM-Aus: "Vergessen, was bei Olympia war"

13.05.2018 11:41
Auf dem Boden der Tatsache: Das DEB-Team fährt nach der WM-Vorrunde nach Hause.
© getty, Martin Rose
Auf dem Boden der Tatsache: Das DEB-Team fährt nach der WM-Vorrunde nach Hause.

Elf Wochen nach der Olympia-Sensation ist die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM in Dänemark gescheitert. Das Viertelfinale ist schon zwei Spiele vor Vorrundenschluss nicht mehr zu erreichen.

Nach dem Absturz der Eishockey-Überflieger wollte Yannic Seidenberg nichts mehr von Pyeongchang hören. "Wir können jetzt langsam mal vergessen, was bei Olympia war", sagte der Silbermedaillengewinner von Südkorea, als die letzte Chance auf das WM-Viertelfinale verspielt war: "Wir sind jetzt hier mit einem anderen Team." Einem, das nach dem Olympia-Rausch einen veritablen WM-Kater erlebt.

Nach der Viertelfinalteilnahme bei den beiden vorangegangenen Weltmeisterschaften und der Silbersensation bei den Winterspielen ist die deutsche Nationalmannschaft in Dänemark vorzeitig gescheitert. Nach dem bitteren 1:3 gegen Lettland und nur einem Sieg aus den ersten fünf Spielen stand bereits fest: Nach der WM-Vorrunde fliegt sie nach Hause. Die K.o.-Spiele, in denen sie in Pyeongchang über sich hinauswuchsen, erleben Seidenberg und Co. allenfalls vor dem Fernseher - wenn sie noch nicht die Nase voll vom Eishockey haben.

Sturm: Silber-Mannschaft "war einmalig"

"Sicherlich haben wir nicht das aufs Eis gebracht, was uns in den letzten Jahren stark gemacht hat", gab der Münchner Verteidiger zu. Das war allerdings auch nicht leicht: 15 der 25 Olympiahelden fehlten in Herning, Bundestrainer Marco Sturm musste die großen Lücken mit jungen, unerfahrenen Spielern stopfen. Dass das neuformierte Team nicht auf Anhieb so funktionieren würde wie die verschworene Einheit, die im Februar die Eishockey-Welt beinahe auf den Kopf gestellt hatte, war ihm klar.

"Diese Mannschaft war einmalig. Es hat Jahre gebraucht, sie zuammenzubekommen", erklärte Sturm, "jetzt ist ein neuer Abschnitt. Man braucht eine gewisse Zeit." Zeit, die der Bundestrainer vor der WM nicht hatte. Weil zehn Silbermedaillengewinner noch eine Woche vor dem Turnierstart um die deutsche Meisterschaft spielten und die Hälfte von ihnen kurzfristig - und für Sturm überraschend - absagte, musste er improvisieren.

Auf Draisaitl war Verlass

"Dieser Kader kam auf die Schnelle zustande", gab der Chefcoach zu, der in Dänemark den ersten Misserfolg seit seinem Amtsantritt 2015 erlebt. Zwar konnte der 39-Jährige auf NHL-Star Leon Draisaitl bauen, doch auch aus der besten Eishockeyliga der Welt gab es diesmal Absagen für Sturm: Torhüter Thomas Greiss sowie die Stürmer Tobias Rieder und Tom Kühnhackl gaben dem Bundestrainer einen Korb.

Auf den erst 22-jährigen Draisaitl war in Dänemark Verlass: Der Stürmerstar der Edmonton Oilers war an neun der 13 deutschen Tore in den ersten fünf Spielen beteiligt. Auch den einzigen Treffer gegen Lettland durch Dominik Kahun (49.) bereitete er vor. Doch ganz alleine konnte der Hochbegabte die deutsche Mannschaft nicht mitziehen. Vor allem der Verlust der Führungsspieler von Pyeongchang, der zurückgetretenen Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Patrick Reimer, schmerzte.

Man kann nicht "jedes Mal den großen Wurf landen"

"Wir haben zu viele Absagen gehabt", gab NHL-Verteidiger Dennis Seidenberg zu, der als Kapitän das Vakuum an der Spitze der Hierarchie nicht füllen konnte. Und Moritz Müller ergänzte: "Natürlich ist es schwer, wenn eine Hälfte der Mannschaft wegbricht." Der Kölner setzt dennoch darauf, dass der plötzliche Eishockey-Boom nach dem WM-Absturz nicht genauso schnell wieder endet: "Bei Olympia haben wir uns ins Herz der Leute gespielt. Ich hoffe, dass sie verstehen, dass wir nicht jedes Mal einen großen Wurf landen können."

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