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"Peinlich", "Verarsche": Abraham nach Sieg am Pranger

29.04.2018 10:34
Arthur Abraham feierte einen knappen Sieg gegen Patrick Nielsen aus Dänemark
© dpa
Arthur Abraham feierte einen knappen Sieg gegen Patrick Nielsen aus Dänemark

Ex-Weltmeister Arthur Abraham hat den dänischen Profiboxer Patrick Nielsen in einem Kampf um eine WM-Qualifikation mit 2:1-Richterstimmen nach Punkten geschlagen. Allerdings waren nicht alle mit dem Resultat einverstanden.

Der 38 Jahre alte Supermittelgewichtler aus Berlin hatte in der Baden-Arena von Offenburg große Mühe gegen den elf Jahre jüngeren Dänen, den ein Punktrichter mit 114:113 vorne sah. Die übrigen beiden Referees stimmten jeweils 116:111 für Abraham, der traditionell zu passiv startete.

Mit zunehmender Dauer des 12-Runden-Kampfes kam Abraham aber besser zurecht, spielte gegen den fast am gesamten Oberkörper tätowierten Rechtsausleger seine größere Erfahrung aus. Er traf zwar weniger aber härter. In der zehnten Runde wurde Nielsen angezählt. Dass dies am Ende zum Sieg reichte, war für viele Beobachter in der Halle schmeichelhaft.

Rocchigiani wütet: "Es ist so peinlich"

Ex-Weltmeister Graciano Rocchigiani äußerte sich nach dem Kampf kritisch und sah in dem Urteil gar einen Skandal: "Der Däne ist der Angeschissene. Der hat für mich klar gewonnen. Das Urteil ist überhaupt nicht vertretbar", wütete "Rocky", der anschließend sogar noch einen Schritt weiterging.

"Es ist so peinlich, dass man nach Deutschland kommt und nicht mehr gewinnen kann. Das ist zuletzt so häufig passiert. Das macht einfach keinen Spaß mehr", meinte Rocchigiani. "Da ist nichts mehr bei Arthur. Das ist ja auch nicht schlimm. Aber das soll er auch mal sagen und nicht weiter die Leute verarschen."

"Ich glaube nicht, dass er da mithalten kann"

Verschaukelt fühlte sich vor allem Nielsen, der mit 1:2-Punktrichterstimmen den Fight im Supermittelgewicht um den "International Title" des Verbandes WBO gegen Abraham verloren hatte. Tatsächlich waren die beiden deutlichen 116:111-Wertungen für den 38 Jahre alten Berliner mit armenischer Herkunft nicht nachvollziehbar.

Und genau deshalb riet Ex-Weltmeisterin Regina Halmich ihrem Freund Abraham, endlich in Rente zu gehen. "Soll er sich das wirklich antun und gegen einen der starken Weltmeister antreten? Ich würde es an seiner Stelle nicht tun", sagte Halmich: "Ich glaube nicht, dass er da mithalten kann."

Abraham will um die WM boxen

Dass der einst als "König Arthur" gefeierte Abraham (47 Siege, 6 Niederlagen) mittlerweile weit über seinem Zenit ist, wurde am Samstag in der bei weitem nicht ausverkauften Halle in der badischen Provinz erneut deutlich. Doch Abraham, der seinen WBO-Gürtel im Jahr 2016 verloren hat und seitdem nicht mehr überzeugen konnte, will dennoch nicht aufhören.

"Ich möchte so schnell wie möglich um eine WM boxen - egal gegen wen. Dann den Titel zwei- oder dreimal verteidigen und mich anschließend ganz entspannt verabschieden", schilderte der in die Jahre gekommene Fighter seine Pläne: "Für eine WM war es diesmal noch nicht das, was es braucht. Da muss es besser werden."

"Arthur hat nach wie vor Qualität. Aber er zeigt sie nicht"

Doch selbst Wegner hegt Zweifel daran, dass es nochmal besser wird. "Der Kampf war ein enges Ding. Ob das Niveau so spannend war, lasse ich mal dahingestellt. Arthur hat nach wie vor Qualität. Aber er zeigt sie nicht", äußerte der Kult-Trainer, der am Donnerstag 76 Jahre alt wurde: "Wenn er noch einmal um eine WM boxen will, muss er sehr hart arbeiten. Ich denke, er ist klug genug, dies zu erkennen."

Klug agierte in jedem Fall Nisse Sauerland. Der Promoter hielt sich alle Optionen offen - auch den von Nielsen geforderten und von Abraham zugesagten Rückkampf in Kopenhagen. "Wenn es Druck in Richtung eines Rückkampfs gibt, werden wir das machen", sagte Sauerland, der auch den deutschen Weltmeister Tyron Zeuge als Gegner ins Gespräch brachte: "Die ersten fünf, sechs Runden waren nicht so gut. Aber das Ende des Kampfes war okay für eine WM."

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